Mittwoch, Februar 25, 2015

Ornithologisches Tagebuch 2015 die 2.

[Von Bastian]
In den Rheinauen gibt es viel zu sehen. Besonders viel sieht mein Freund Siegbert (Siggi), der dort regelmäßig (um nicht zu sagen: ständig) mit der Kamera unterwegs ist.
Die Fotos unten (von ihm natürlich) haben ihre Geschichte: in einem Weidengebüsch am Ufer eines Wassers klettert ein junger Habicht herum. Habichte fressen Enten - er wäre für die Wasservögel also eine mögliche große Gefahr. Doch die Viecher kümmern sich nicht um ihn und schwimmen in bester Entfernung für einen Angriff (durch ihn) munter vor ihm hin und her. Mit Recht: der Junghabicht ist wohl nicht auf der Jagt, sondern er experimentiert mit immer dünneren Ästen. Am Ende ist der gewählte Ast zu dünn, und eher er sich mit den Flügeln abfangen kann, ist er baden gegangen. Mit einigem Geplansche erhebt er sich wieder und fliegt davon. Und die Enten? Denen ist auch das noch egal.

Aus der ganzen Fotostrecke hier ein Bild samt einer Ausschnittsvergrößerung. Interessant, dass hier neben einem Blässhuhn gleich vier Entenarten zu sehen sind: Stockente, Krickente, Löffelente und Schnatterente. Ich habe einige markiert. Zum Vergrößern bitte anklicken.

Foto: Siegbert Lafrenz

Foto: Siegbert Lafrenz

Zur Liste der bisher gesichteten Vögel kommen hinzu:
  • Haussperling
  • Wachholderdrossel
  • Gartenbaumläufer
  • Wintergoldhähnchen
  • Stieglitz
  • Krickente
  • Löffelente
  • Schnatterente
  • Graugans
  • Nilgans
Damit sind es in diesem Jahr bisher 46 beobachtete Arten.
Ein Dank an Siggi für die Überlassung des Fotos und an Gott für die Natur.

Montag, Februar 23, 2015

Was ein Schaf zum Hirten meint…

[Von Bastian] Wenn ein Bischof einen Hirtenbrief schreibt (LINK), möchte er, dass der von den Schäflein gelesen wird und zum Nachdenken anregt. Daher habe ich beides riskiert – es war interessant! Und um diesen Prozess des Nachdenkens und Lesens zu unterstützen, schreibe ich hier einmal meine eigenen Gedanken dazu auf.
Die sind sehr ambivalent: inhaltlich spricht mir das, was der Kardinal schreibt, aus der Seele. Die Vision, die er entwickelt, teile ich in vollem Umfang, soweit ich sie verstehe. Der Brief als Text ist steigerungsfähig.

Der erste Eindruck hat keine zweite Chance, heißt es. Dieser Brief aber braucht eine zweite. Denn der erste Eindruck ist: an alles wurde gedacht, alles wurde korrekt ausgedrückt, kaum ein wichtiges Schlagwort fehlt und keiner weiß, worum es geht. Offensichtlich geht es um alles auf einmal, und das in Sätzen, die man erst beim dritten Lesen wirklich versteht, denn wenn das Verb auftaucht, weiß man vor lauter Aufzählungen nicht mehr, worum es am Satzanfang ging.
Begriffe wie Megatrend, demographischer Wandel, Übergang, Globalisierung und Digitalisierung laden zum Kirchenbingo ein. Fast alles, was man ohnehin ständig liest und hört, ist drin. Und man fragt sich unwillkürlich: glaubt unser Bischof wirklich, dass er uns das alles noch einmal erzählen muss? Es wirkt mehr wie der (immer wieder peinliche) Versuch, up-to-date zu sein, ebenso wie der „Weg zu einer neuen und nachhaltigen Form des Kirche-Seins“. Die einzige Truppe auf der Welt, die es seit 2000 Jahren gibt, ist ein Beispiel für Nachhaltigkeit, nicht auf der Suche danach. Hier wird die eigene Identität in Frage gestellt, um einen modernen Ausdruck im Text unterzubringen.
Zudem ist der Adressat der einzelnen Aussagen unklar. Der Brief geht davon aus, dass die angesprochenen Leute gleichzeitig
  • nicht zur Messe gehen,
  • zur Messe gehen,
  • vom Glauben keine oder wenig Ahnung haben,
  • schon einiges wissen, aber Jesus noch nicht persönlich begegnet sind,
  • ihm schon begegnet sind und derzeit versuchen, im Glauben kuschelig und gemütlich für sich zu leben,
  • bereits in den Startlöchern stehen, um nach einer kleinen Ermutigung durch ihren Hirten großzügig und organisatorisch ausgereift mit vollen Händen von ihrem großen Reichtum auszuteilen.

Alle Gruppen gibt es, doch wenn man zu allen auf einmal redet und dabei innerhalb eines Absatzes mehrfach den Adressaten wechselt, wird es schwierig, zu folgen.

Ich finde es schwer, sich durch diese Probleme hindurchzuwühlen, um zu verstehen, was denn zu wem gemeint ist. Wenn man sich aber durchgebissen und die Zähigkeit des Lesens überwunden hat, wird es interessant: der zweite Eindruck. Die Zukunft der Kirche in unserem Bistum. Da bin ich von vielem begeistert!
Besonders freut mich die Logik der Vision, die hier entwickelt wird: nicht Organisation ist die Grundlage des kirchlichen Lebens, sondern der persönliche geistliche Prozess.
„Gemeindliche und kirchliche Erneuerung ist […] kein administrativer Vorgang, sondern ein geistlicher Weg, der in der Begegnung mit dem Herrn in Gebet, Heiliger Schrift und der Feier der Hl. Eucharistie gründet. Denn nur wer Christus persönlich begegnet ist, kann ihm auch ein Gesicht, nein, sein Gesicht geben. Nur wer Christus persönlich begegnet ist, kann ihn auch anderen mitteilen. Denn – und davon bin ich gemeinsam mit dem Heiligen Vater überzeugt – braucht er nicht viel Vorbereitungszeit, um sich aufzumachen und sie zu verkündigen.“
Diesen Abschnitt halte ich für das Herz des ganzen Briefes. Er sagt, worum es geht. Alles Weitere ist der Versuch, Wege aufzuzeigen, wie das umsetzbar ist.
Dabei ist es nur natürlich, dass diese Wege derzeit noch hypothetisch sind. Vor allem im organisatorischen Bereich wird nur angedeutet, in welche Richtung es gehen wird. Die bekannten Pfarrstrukturen stehen auf dem Prüfstand, was in der Presse sofort breit getreten wird. Als Alternative wird jedoch keine ausgefeilte neue Struktur präsentiert, die sich organisieren lässt, sondern ein geistlicher Weg wird aufgezeigt, dessen Früchte zum Fundament der Kirche vor Ort werden. Dies ist für mich die revolutionärste Aussage des Hirtenbriefs: nicht länger soll die Struktur den Glauben hervorbringen, sondern der Glaube soll die Organisation und Struktur gebären. Ein Netzwerk aus vom Glauben hervorgebrachten und getragenen Dingen ist die Vision der Kirchenstruktur von Morgen – eine wunderschöne Vision (die natürlich nicht in der Zeitung steht)!
Ich wünsche dem Kardinal und seinen Mitarbeitern hier ganz viel Mut zur Vorläufigkeit und langen Atem, damit diese Früchte reifen können und der Versuchung widerstanden werden kann, sie zu früh zu pflücken und unreif in ein neues Organisationskorsett zu zwängen. Sie würden verdorren und wir hätten den jetzigen Zustand, nur anders organisiert.

Ermutigend ist, dass der Brief im Gegensatz zu den Andeutungen über organisatorische Änderungen sehr konkrete Aussagen dazu macht, was man tun kann, um den nötigen geistlichen Prozess in Gang zu bringen. Das ist inhaltlich ein schwieriges Thema, wenn man nicht der Versuchung erliegen will, das zu organisieren und so wieder in den alten Fehler zurück zu fallen. Hier schafft es der Brief, Rahmenbedingungen und Ideen aufzuzeigen, die zugleich konkret und frei sind. Schriftlesung, Gemeinschaft im Glauben, persönliche Gottesbeziehung. Als Vorschlag liegt dem Brief ein Blatt bei, das zum Bibelteilen anregt. Gleich vier Möglichkeiten werden dort angerissen: in der gemeinsamen Schriftlesung kann man durchaus unterschiedliche Charismen entdecken und entwickeln.
Dabei ist es dem Erzbischof wichtig, dass wir ins Ganze eingebunden sind: nicht Grüppchen, die sich um sich selbst drehen, sind das Ziel, sondern die Gemeinschaft der Kirche. Bei der Ausformulierung dieses Punktes verschwimmt jedoch der Inhalt: Solche Oasen seinen „keine kuscheligen Kleingruppen, sondern Glaubensgemeinschaften, in denen Trost und Herausforderung gleichermaßen gelebt und geteilt werden“. Ich denke: eines nach dem anderen. Auch hier wirkt doch Gott: wer sich auf ihn einlässt wird offen, denn die Liebe Gottes drängt dazu. Auch dies ist ein geistlicher Prozess, der seine Früchte bringen wird. Zudem gibt es wenig, was so sehr gebraucht wird, wie kleine Glaubensgruppen, die ruhig „kuschelig“ sein dürfen. Vor allem Jugendlichen, für die es meist gar nichts Geistliches gibt, ist das ein großes Bedürfnis. Was ich verstehe, ist: verharrt nicht im Erreichten. Dem stimme ich natürlich zu.

Der Inhalt dieses Hirtenbriefs ist ermutigend, denn er spricht in erster Linie von Gott und mir. Gott ist es, den wir kennen müssen. Gott ist es, der wirken wird. Mein Weg zu Gott ist mein Weg in die Kirche. Alles andere wird angepackt, ist aber letztlich zweitrangig.
Aus diesem Brief spricht der Mut, sich auf Gott zu verlassen und nicht auf sich selbst. Er macht daher vor, was er fordert: er nimmt einen geistlichen Weg in Angriff. Für diesen Anfang bin ich dankbar!

Mein Fazit:
Formell: Herr Erzbischof, besorgen Sie sich einen anderen Ghostwriter!
Inhaltlich: Vielen Dank, Herr Kardinal!
Der Brief lässt sich für mich in vier Aufforderungen zusammenfassen:
  1. Glaubt. Vertieft den Glauben. Lest in der Schrift. Lernt Jesus kennen. Lasst ihn an Euch handeln. Geistliche Entwicklung ist die Voraussetzung für alles.
  2. Tut Euch zusammen. Wartet nicht, bis jemand anderes das für Euch organisiert. Seid in Euren Gruppen offen für andere.
  3. Entdeckt Euer Charisma. Handelt aus dem Glauben. Macht Jesus bekannt. Missioniert, wo Ihr könnt, und unterstützt Euch gegenseitig.
  4. Die Struktur der Kirche in Euren Gemeinden wird sich ändern. Lasst Euch davon nicht stören, das schaffen wir schon. Und außerdem: Gott wird helfen.
Dem stimme ich zu 100% zu!

Sonntag, Februar 15, 2015

Tot oder ganz besonders lebendig?

[Von Bastian]
Es ist erschreckend, wie ich meine. Da findet man eine 130 Jahre alte Mumie eines buddhistischen Mönchs im Lotussitz und untersucht ernsthaft, ob der noch lebt (LINK). Denn er könnte auch, anstatt tot zu sein, sich in Wirklichkeit auf der höchsten Stufe der Spiritualität befinden.
Von diesem Gedanken geht für viele eine merkwürdige Faszination aus, und das ist es, was ich erschreckend finde. Ein Blick auf das Bild reicht, oder besser: sollte reichen, um klar zu machen, dass dieser Zustand nicht erstrebenswert ist.
Wieso? mag mancher fragen. Ist das denn nicht viel besser, als der Zustand vieler Heiliger, die enthauptet, gesteinigt oder durch sonst eine Abscheulichkeit ermordet wurden? Liegt in der freiwilligen Abkehr vom irdischen Leben nicht viel mehr Würde und Demut, als in der erzwungenen? Ist dieser Mönch nicht so sehr bei sich selbst, dass sogar sein Körper unwesentlich wird, weil er im Bewusstsein längst eins ist mit allem anderen? Ist diese Haltung nicht geradezu christlich?

An dieser Stelle wird für mich der erschütternde Unterschied zwischen unserem Glauben und dem dieser Meditationsmönche deutlich: das Christentum ist kein Bewusstseinszustand, den man erreichen kann, indem man sich mehr und mehr hinein versenkt, sondern bodenständige Realität, die man erkennen kann, wenn man bereit ist, dem zu glauben, der sie beherrscht. Christen meditieren nicht die Heiterkeit, um aus ihr heraus alles leicht und schön zu erleben, sondern sie erkennen, dass alles gut wird, und sind deshalb heiter. Das Paradies der Christen hat seine Substanz außerhalb des eigenen Bewusstseins, deshalb wird es real sein, dort zu leben. Deshalb freuen wir uns, weil der Wein dort schmeckt, und kasteien uns nicht zu Mumien, denen der Geschmack unwichtig wird. Der christliche Märtyrer genießt nicht den Bewusstseinszustand, den er gerade erreichen kann, sondern freut sich auf das, was er geschenkt bekommen wird. Er stirbt nicht, weil ihm das Leben hier auf der Erde gleichgültig geworden ist, sondern weil er etwas hat, das noch besser ist.
Niemals hat Christus gepredigt, alles zu wegzugeben, weil es gut sei, nichts zu haben, oder zu sterben, weil das besser sei, als zu leben. Im Gegenteil: der Verkauf des Besitzes dient dazu, den Acker mit dem Schatz zu erwerben, und der Tod dazu, ins ewige Leben einzugehen. Nicht das Weniger lockt Jesu Jünger, sondern das Mehr.

Der Mönch ist das genaue Gegenteil eines Christen: er erreicht im Tod den lang ersehnten Stillstand und ist dem Leben entflohen, hin in die eigene Erkenntnis. Der Christ hingegen erwartet nach dem Tod das ultimative Leben, voll Realität und Dynamit, das er sich nicht selbst geben kann und das sein Bewusstsein und Erkennen übersteigt und gerade deshalb auf ewig spannend und interessant ist. Der Mönch versucht, sich zu freuen, und aus dieser Freude heraus zu sein. Der Christ erwartet eine Umgebung, die so schön ist, dass er gar nicht anders kann, als sich zu freuen. Der Mönch versucht, mit allem eins zu sein. Der Christ genießt es, vom Rest getrennt zu sein, damit er ihn lieben kann. Der Mönch findet sich selbst, um sich los lassen zu können – der Christ findet Gott und wird von ihm auf ewig festgehalten. Der Mönch macht sich vom Irdischen frei – der Christ erwartet das Irdische, verwandelt in eine Welt, die glücklich macht. Nicht umsonst vergleicht Christus das Himmelreich mit Festen, Tafelrunden, einer schönen Stadt und gutem Essen: die Freude dort hat Substanz, hat einen Grund. Wir werden sie genießen können, nicht hervorbringen müssen, wie der Mönch, der keinen Gott hat, der sie ihm schenkt.

Die merkwürdige Faszination, die von einer Mumie ausgeht, die vielleicht noch lebt, zeigt eine Gesellschaft, die sich selbst entfliehen will. Die davon ausgeht, dass Genuss Lebensqualität ist und der Wert des Lebens folglich der Genussfähigkeit entspricht. Und die im Herzen weiß, dass das so falsch ist, dass sogar eine mumifizierte Einsamkeit besser sein könnte, solange nur das eigene, grausame Sein in seiner Perspektivlosigkeit überwunden wird.

Dienstag, Februar 10, 2015

Früher...

Von Peter Esser

Von Stühlen und ihren Kreisen 8

Tridentinischer Stuhlkreis

Von Peter Esser

Ornithologisches Tagebuch 2015

[Von Bastian]
Heute Morgen: ein kurzer Spaziergang im Altrheingebiet. Der Frühling kommt mit Macht!
Gesehen und gehört:

  • Blaumeise
  • Kohlmeise
  • Grünling
  • Buchfink
  • Erlenzeisig
  • Dompfaff
  • Amsel
  • Misteldrossel
  • Rotkehlchen
  • Zaunkönig
  • Heckenbraunelle
  • Star
  • Kleiber
  • Schwanzmeise
  • Rabenkrähe
  • Stockente
  • Höckerschwan
  • Kanadagans
  • Türkentaube
  • Mäusebussard
  • Buntspecht
  • Grünspecht


Dieses Jahr schon gesehen oder gehört, aber nicht heute:
  • Blässhuhn
  • Teichhuhn
  • Eisvogel
  • Sperber
  • Habicht
  • Waldkauz
  • Turmfalke
  • Halsbandsittich
  • Haubenmeise
  • Sumpfmeise (oder Weidenmeise?)
  • Graureiher
  • Silberreiher
  • Kormoran
  • Möwe
Mehr fallen mir im Moment nicht ein...


Sonntag, Februar 08, 2015

Entwürdigend

[Von Bastian]
Der Papst soll nicht so einen Unsinn reden, heißt es. Schlagen sei immer entwürdigend, heißt es. In unserer Gesellschaft sei das verpönt, und das mir Grund und Recht! Schlimm sei es, wenn eine derart einflussreiche Persönlichkeit solch rückständige Dinge propagiere - da helfe auch keine Herkunft aus Lateinamerika. Nun gut. Kinder zu entwürdigen, ist bei uns ein No-Go! Eine gute Grundeinstellung.
Leider greift sie zu kurz, denn: was entwürdigt Kinder überhaupt, vom Zankapfel des „Schlagens in Würde“ einmal abgesehen? Wie wäre es mit den folgenden Punkten?

  • Es ist entwürdigend, wenn die Existenz von Kindern staatlich gefördert wird, weil man Angst um die Renten hat. Kinder sind kein Mittel zum Zweck.
  • Es ist entwürdigend, wenn die Existenz von Kindern von der Lebenssituation Dritter abhängig gemacht wird, indem man Abtreibung und künstliche Befruchtung erlaubt und praktiziert. Kein Erwachsener würde derart über sich verfügen lassen.
  • Es ist entwürdigend, wenn Kinder von ihrem Ursprung (leibliche Eltern) getrennt werden, um anderen Menschen ein vermeintliches „Recht auf Kinder“ zu ermöglichen. Die Entwicklung von der Adoption, um zu helfen, hin zur Adoption extra produzierter Kinder, um den eigenen unmöglichen Kinderwunsch zu erfüllen, ist eine Perversion. Dahinter steckt dieselbe Denkweise wie hinter Sklaverei: ich befriedige meine Rechte mit anderen Menschen, die sich nicht wehren können.
  • Es ist entwürdigend, Kindern eine Welt vorzubereiten, in der sie entweder leisten oder untergehen. Das ist unmenschlich.
  • Es ist entwürdigend, wenn die Gesellschaft es im Namen falsch verstandener Toleranz zulässt, dass sexuell gestörte Menschen ihre Störungen für Schulkinder zu Norm und Lernziel erheben. Das ist Missbrauch.
  • Es ist entwürdigend, wenn man Kindern ihre Bezugspersonen nimmt und durch Profis ersetzt, weil Mama und Papa arbeiten müssen. Der Ersatz von Liebe durch erzieherisches Fachwissen (das zumindest bisweilen gegeben ist) zeigt ein pervertiertes Menschenbild.
  • Es ist entwürdigend, Kinder einer Schulbelastung auszusetzen, die ihnen die Zeit zum Kind-sein nimmt. Dahinter steht die Idee, Kindheit sei unwichtig verglichen mit Leistung.
  • Es ist entwürdigend, keine Zeit für Kinder zu haben. Das ist die Aussage: „Ich liebe dich nicht!“, denn man hat Zeit für das, was man liebt.

Was ein Glück, dass der Papst sich einen Punkt herausgegriffen hat, bei dem wir unsere Hände in Unschuld waschen können. Oder vielleicht doch nicht? Ist es etwa auch entwürdigend, eine Gesellschaft aufzubauen, in deren Anonymität tausendfache Gewalt gegen Kinder unentdeckt bleibt, gleich wie laut sich alle gegen das Schlagen verwahren?

Freitag, Februar 06, 2015

Buddhallahchwe

[Von Bastian]
Ein Bischof schlägt vor, dass alle Gott Allah nennen – dadurch gäbe es weniger Spannungen. Ich finde, das ist zu kurz gedacht. Warum nur Christen und Moslems? Warum nicht so, dass sich alle großen Religionen darin wiederfinden? Wenn Gott es egal ist, wie wir Ihn nennen, ist es Ihm/Ihr sicher auch egal, wie wir an Ihn/Sie glauben. Die eine große Religion wartet auf uns!
Der passende Name wäre doch Buddhallahchwe (früher auch Buddhallahova genannt). Mit ihm kann sich jeder anfreunden, zu ihm kann jeder beten, im nächsten Kirmoschempel. Und dann kommen wir alle ins Nirvimmeldies.
Wie schön!

Mittwoch, Januar 28, 2015

Traurig, aber gut!

[Von Bastian]
Wer hätte das gedacht: für Kinder kann Information über den biologischen Vater für die Entfaltung der Persönlichkeit von elementarer Bedeutung sein! Stellt das BGH unter dem Aktenzeichen XII ZR 201/13 fest (LINK).
Es bleibt das verwunderte Augenreiben, dass es zu dieser banalen Erkenntnis eines hohen Gerichtsurteils bedarf, aber immerhin.

Es dürfte nur eine Frage der Zeit sein, wann dieses Urteil Folgen hat. Denn wenn die Kenntnis des eigenen biologischen Vaters wichtig ist, muss diskutiert werden, was das bedeutet. Wissen um den Namen? Kennen der Person? Kontakt zu dieser Person? Bei Bedarf sogar regelmäßiger Kontakt zu diesem Mann? Oder, man wagt es kaum auszusprechen, könnte es sogar wichtig sein, in seiner Gegenwart aufzuwachsen, wenn irgend möglich?
Für Männer bedeutet das: hat sich der großzügig gespendete und mit Verschwiegenheitsgelübden geschützte Samen plötzlich in irgendetwas verwandelt, dessen Rechte ein Eigenleben zu führen beginnen und mich tangieren können? Gibt es etwa Verpflichtungen, wenn man doch nichts weiter tat, als bloß einen Menschen zu zeugen?
Für alle gleich- oder getrenntgeschlechtlichen Pflege- oder Stiefeltern (um diese ungehobelt altmodischen, aber irgendwie treffenden Begriffe zu verwenden) heißt es: hat „unser“ Kind wirklich Anspruch auf etwas, was wir ihm nicht geben können? Muss „unser“ Kind, im Gegensatz zu anderen Kindern, etwa seine Identität außerhalb unserer Familie suchen? Ist unsere Elternschaft eventuell unvollkommen?

Das Urteil birgt Sprengstoff. Denn so merkwürdig die oben gestellten Fragen auch klingen, wenn man sie tatsächlich einmal aufschreibt – genau die ergeben sich daraus. In vielen guten Familien mit adoptierten Kindern werden sie offen gestellt und versöhnt beantwortet. In vielen Fällen der neuen Regenbogenfamilen hingegen werden sie erst gar nicht gestellt. Sie werden vermieden, geächtet oder gar unterdrückt, weil sie zu stellen hieße, sie als möglicherweise sinnig zu akzeptieren. Da sei Werauchimmer vor! Die Technik ist doch, das Bewusstsein so weit zu nivellieren, dass man da gar keine Unterschiede mehr festmachen und daher auch keine Fragen stellen kann. Und jetzt das!

Dieses Urteil ist seit langem das erste in der Reproduktionsmedizin, das die Rechte des gezeugten Kindes über die Rechte am gezeugten Kind stellt. Dass es überhaupt gefällt werden muss, ist ein Ausdruck der Armut und der Dekadenz unserer Gesellschaft, aber es schaut in die richtige Richtung. Es ist ein gutes Urteil.

Dienstag, Januar 20, 2015

Nette Zeichen

Wie leicht können nette Zeichen fehlgedeutet werden. Papst Franziskus und Kardinal Tagle machen es uns vor.


Freitag, Januar 16, 2015

Berliner Viehmarkt

Hier sucht der Diözesanrat des Erzbistums Berlin einen neuen Erzbischof und startet ein Meinungsbild »auch und gerade« unter den Nichtkatholiken. Soso.

Aber Vorsicht bei Käufen im Internet.


Mittwoch, Januar 14, 2015

Dienstag, Januar 06, 2015

Wem hat der Dom das Licht ausgeknipst?

[Von Bastian]
PEGIDA demonstriert, und der Kölner Dom macht das Licht aus. Man will keine Kulisse für derartige Anliegen bieten. Durch dieses Abschalten hat sich der Dom allerdings mehr in Szene gesetzt, als wenn nichts passiert wäre: in den meisten Nachrichten wurde die Anti-Lightshow gezeigt. Eine klare und starke Stellungnahme. Das Abschalten des Lichts war ein Spektakel.

Doch wem wurde das Licht abgedreht? Offiziell den Anliegen von PEGIDA. Inoffiziell dem, was man so allgemein dafür hält. Noch inoffizieller dem, was nur ein Teil der Bevölkerung dafür hält oder halten will, denn bisher weiß wohl niemand genau, wie viele Anhänger PEGIDA mit seinen Anliegen hat und was diese Anhänger genau wollen. Faktisch jedoch hat man den Demonstranten das Licht abgedreht, jedem einzelnen von ihnen.

Was in der Presse als Distanzierung von Fremdenfeindlichkeit gefeiert wird, kommt bei den Demonstranten als persönliche Zurückweisung an. Das ist mehr als ein starkes Zeichen: die Gesprächsverweigerung der Kirche, die von sich sagt, dass in ihr das Heil liegt. Selbst wenn das tatsächlich alles verlorene Schafe sein sollten – ist es dann Aufgabe der restlichen Herde, möglichst laut zu blöken: „Ihr seid draußen, und das ist gut so!“?
Hier unterscheidet sich die Gesamtheit der Gesellschaft von der Kirche. Während es für die Politik gut und wichtig ist, klare Kante zu zeigen und nötigenfalls Grenzen zu setzen, ist es Auftrag Jesu, jenseits dieser Grenzen zu suchen und nach Hause zu bringen. Die Gesellschaft definiert, aber die Kirche überwindet. Dicht zu machen ist schlicht nicht ihr Job.

Es ist gut, dass die Kirche sich äußert und mahnt. Doch (vermeintlich?) Irrenden ihr Licht zu verweigern, ist eine Symbolik, die ihr nicht zusteht. Schon gar nicht, wenn es in einer Zeit geschieht, in der Kirchenferne normalerweise die Eintrittskarte in Dialoge auf Augenhöhe darstellt.
Mir scheint, es ging bei alldem weniger um Distanzierung, als um den Wunsch, aufzufallen und zu gefallen.

Samstag, Januar 03, 2015

Die Macht der Herausragenden

[Von Bastian]
1000 Beeren in der Marmelade, eine davon giftig. Darf man diese Marmelade seinen Kindern geben, oder nicht? Immerhin ist der überwiegende Teil der Beeren einwandfrei!
1000 Tonnen Geröll, Kies und Sand, 100g Gold. Lohnt das Suchen? Am Klondike wurde diese Frage beantwortet.
Offenbar reicht ein Tausendstel oder ein Zehnmillionstel durchaus aus, ein ganzes System zu prägen.

Diese Art, Dinge zu beurteilen, ist entscheidend für das Schicksal von Nationen: Niemand wählt eine Partei wegen ihrer Mitglieder, die über alle politischen Grenzen hinweg im Durchschnitt gleich engstirnig und spießig sein dürften. Man wählt die paar Goldstücke, die mühsam poliert an die Spitze gestellt wurden und dort vor sich hin zu glänzen versuchen. Auch die Kirche erfreut sich an ihren Heiligen, ohne den Millionen von halbherzigen Alltagschristen der Vergangenheit die gleiche Aufmerksamkeit zukommen zu lassen. Gleichermaßen erfolgt die Beurteilung durch Kirchengegner: Jahrhunderte der Kirchengeschichte werden vergessen über ein paar repräsentativen Sünden.

Sinnvoll? Auf jeden Fall allgegenwärtig und offenbar menschlich. Und potentiell gefährlich: längst geht es in der öffentlichen Meinung nicht mehr um Inhalte, sondern darum, mit ein paar Goldstücken oder Giftbeeren ganze Bereiche zu übernehmen. Unsere Politiker tun alles, um diese Denkweise zu fördern, denn so werden Stimmungen gemacht: man verallgemeinert den Einzelfall und löst damit wahlweise einen Goldrausch oder eine Boykottierung wegen enthaltenen Giftes aus.
Alles arbeitet so: kaputte Familien werden herbeizitiert, um Kinderbetreuung zum Ideal zu erheben, ein Politiker mit Skandal kostet den Wahlsieg, ein paar entdeckte Nazis (Deutschland) oder Kommunisten (USA) ruinieren ganze Bewegungen, ein paar Schwule, die es stört, dass sie nicht schwanger werden können, bestimmen den Inhalt künftiger Schulbücher.
Die Gesellschaft und mit ihr die Politik ist nicht in der Lage, zwischen dem Einzelfall und der Menge zu differenzieren. Und daher hat die Politik mit den muslimischen Extremisten so ein großes Problem: gemäß ihrer eigenen Denkweise prägen die plötzlich alle anderen Muslime mit. Unsere Politiker und so manche Kirchenoberen sind nicht in der Lage, zwischen Angst vor Extremisten und Angst vor allen Muslimen zu unterscheiden. Zudem glauben sie, dass alle anderen genau so denken, wie sie. Die erschreckten Appelle, man dürfe nicht vergessen, dass die meisten Muslime freundliche und gewaltfreie Menschen sind, richtet sich an sie selbst. Nach außen gerichtet sind sie eine Unverschämtheit, denn: das hat niemand vergessen. Oder besser: fast niemand. Denn ein paar Spinner gibt es immer, doch die sind für unsere Politiker leider gleich wieder repräsentativ für alle.
Gerade diese Appelle zeigen, dass diese Politiker sich selbst nicht glauben (sie werden wissen, warum). Das einzige, was ihnen zu diesem Thema einfällt, ist das, was sie selbst immer tun: sie warnen davor, ein paar blendenden Goldstückchen hinterher zu laufen (siehe oben), weil es da auch Giftbeeren zwischen gebe (siehe ebenfalls oben). Sie beantworten gleiches mit gleichem und merken es nicht. Und sie wundern sich, dass sie damit mehr und mehr in die Defensive geraten.

Derzeit noch beantwortet die Politik dies alles mit immer noch mehr vom alten Denksystem, doch man kann beobachten, wie das zu bröckeln beginnt. Es wird höchste Zeit für inhaltliche Auseinandersetzungen. Alles andere wird langsam gefährlich: die falschen Herausragenden warten nur darauf, ihre Chance zu nutzen.

Ich für mein Teil glaube der Politik übrigens die meisten ihrer Einsätze für Minderheiten nicht. Sie dienen dazu, sich in Szene zu setzen, da man aus diesen Minderheiten wieder ein Goldstückchen polieren kann, das die eigenen Ansichten bestätigt. Minderheiten, mit denen nichts zu gewinnen ist, werden auch bei uns geflissentlich ignoriert.

Freitag, Januar 02, 2015

Kirche der Sünder

[Von Bastian]
Zu Weihnachten kommt Gott auf die Welt. Sein Ziel: uns zu erlösen, und zwar von unseren Sünden. Von dem, was uns in Seinen Augen elend macht.
Gott scheut das Elend dieser Welt nicht – Armut, Krippe, Stall, einfache Hirten, Flucht und Exil machen es deutlich. Unser Elend sind unsere Sünden, wir sind bekanntermaßen eine Kirche von Sündern. Soweit stimmen die meisten zu.

Doch wenn der Papst es riskiert, aus dieser Theorie eine Praxis zu machen und das Elend auch in der Kirche benennt, regen sich plötzlich viele auf. Theologische Diskussionen sind halt viel schöner, als 15fach elend auszusehen.
Wirklich?
Wo hinein wurde Christus noch einmal geboren? In unser Elend. Es vor ihm und uns selbst auszubreiten, ist weihnachtlich, denn: die meiste Weihnachtsromantik ist erlösungsbedürftig. Unser Elend ist erlösungsfähig. Daher mein Dank an den Heiligen Vater, der auch mich mehrfach erwischt hat.

Donnerstag, Dezember 25, 2014

Stephanus

[Von Bastian]
Auch in diesem Jahr ist es wieder soweit: Stephanus‘ Martyrium so kurz nach Weihnachten wird der Stimmungskiller schlechthin. In der schön dekorierten Kirche, direkt vor dem erleuchteten Weihnachtsbaum ein paar Meter rechts von der liebevoll aufgebauten Krippe, um die die geschnitzten Schäfchen kauern, wird zwischen zwei Weihnachtsliedern vorgelesen, wie ein heldenhafter Christ von einer Meute religiös Verstockter langsam umgebracht wird.
Die Geistlichen werden sich wie immer bemühen, in der Predigt den Kontrast verständlich zu machen. Die übliche Auswahl an Argumenten ist meist überschaubar: man dürfe nicht in der Weihnachtsromantik stecken bleiben, Leiden und Tod gehörten auch zum Leben, das Leben der frühen Christen sei nun einmal schwer und gefährlich gewesen, diese Lesung sei halt an diesem Tag, der Bericht verweise schon jetzt auf das Kreuz. Nicht, dass ich diese Predigten schlecht fände – vor allem der letzte Punkt hat einiges, was mich ans Nachdenken bringt.
Doch hat meine Frau mich vor einigen Jahren mit einer Aussage zu Stephanus überrascht, die ich so noch nicht gehört hatte, die mich aber überzeugt und für die ich ihr sehr dankbar bin: die Lesung von Stephanus stellt keinen Kontrast zu Weihnachten dar – im Gegenteil schließt sie die Weihnachtsbotschaft erst ab.

Ein Chor von Engeln verkündet zu Weihnachten den Hirten die Geburt Christi: die Hirten schauen den Himmel. Dann Stephanus: Er aber, erfüllt vom Heiligen Geist, blickte zum Himmel empor, sah die Herrlichkeit Gottes und Jesus zur Rechten Gottes stehen und rief: Ich sehe den Himmel offen und den Menschensohn zur Rechten Gottes stehen (Apg 7, 55-56). Der Himmel, der sich in der Heiligen Nacht über der Welt öffnete und den die Hirten im Chor der Engel offen stehen sahen, zeigt hier, dass er weiterhin offen ist.

So oft ist von der großen Demut der Hirten und dem Heldenmut des Stephanus die Rede, doch viel zu selten wird das betrachtet, was die Ursache für beides ist: der offen stehende Himmel. Der Himmel muss schon etwas faszinierendes sein, wenn die Hirten alles stehen und liegen lassen, sobald sie die Engel sehen und hören, und Stephanus sterben und vergeben kann, wenn er ihn offen stehen sieht. Das Glück, ihn wahrzunehmen, war die Kraft, die beide erfüllte.
Die Lesung von Stephanus zeigt, was es tatsächlich bedeutet, dass der Himmel zu uns kam: nämlich dass er sich nach Weihnachten nicht wieder verschloss, sondern offen bleibt.

Weihnachten: Gott zeigt sich im Leben. Stephanus: Gott zeigt sich im Sterben.
Weihnachten: Gott ist im Anfang. Stephanus: Gott ist im Ende.
Weihnachten: Gott kommt zu den Menschen. Stephanus: Menschen kommen zu Gott.

Für uns: in unserem Anfang wie in unserem Ende zeigt sich Gott. Der Himmel ist offen, immer und überall. Stephanus zeigt, was Gott zu Weihnachten will: nicht nur lieblich kommen, sondern alles überwinden, was es an Dramatik im menschlichen Leben gibt, selbst den Tod. Für mich ist die Kombination von Weihnachten mit Stephanus eine der genialsten, die ich kenne.

Schuldzuweisung durch Problemaustausch

[Von Bastian]
Seit jeher gehört es zur politischen Taktik, Probleme und die damit verbundenen Menschen dadurch los zu werden, dass ich das Problem, für das ich verantwortlich bin, durch ein anderes ersetze, für das ich nicht verantwortlich scheine und das ich daher moralisch gerechtfertigt lösen kann.
Beispiel Armut: entweder ich nehme mich des Problems an, oder ich weigere mich so lange, das Problem zu erkennen, bis die Armen zum Überleben Nahrung stehlen. Dann kann ich sie als Diebe einlochen und bin sie los.
Beispiel ethnische Minderheiten: ich behandele sie einfach so lange schlecht, bis sie sich wehren. Dann haben sie mit der Gewalt begonnen, und ich kann, ja ich muss das beenden, notfalls mit Gegengewalt.
Beispiel Erziehung: ich lasse die Familien so lange finanziell hängen, bis die Eltern vor lauter Arbeitsmarkt und Rentenangst keine Zeit mehr für ihre Kinder haben. Jetzt kann ich die verwahrlosten Kinder in staatliche Obhut nehmen, was ich schon immer wollte. Das Nebenproblem Drogen löse ich dadurch, dass ich es wegdefiniere, indem ich die Drogen einfach legalisiere.

Heute kann man dieses Prinzip wieder einmal live erleben, aber die Karten sind möglicherweise neu gemischt.
Viele Menschen haben Angst vor Islamisten. Es wird nichts getan, weil das Problem lästig ist. Die Menschen beginnen, sich zu formieren und ihren Protest zu verbalisieren. Das darf natürlich nicht durchdringen, denn dann müsste man sich des Problems annehmen. Daher wird versucht, diesen Artikulierungen die moralische Basis abzusprechen: sie diskriminierten mit ihren Äußerungen Millionen friedlicher Muslime. (Anmerkung: das ist etwa so sinnvoll, als hielte man einer Gemeinde, die Angst vor einem entlaufenen Mörder hat, vor, sie diskriminiere mit ihrer Angst alle nicht-mordenden Nachbarn.)
Diese dumme Pseudodiskussion wird so lange aufrechterhalten, bis sich eine Wendung ergibt, die zum Handeln legitimiert. Der erste Versuch ist die allfällige Nazi-Keule: das sind doch alles Braune! (Dabei wird vergessen, dass sich Politiker selbst ein miserables Zeugnis ausstellen, wenn unter ihrem Parlament in einem Land mit nationalsozialistischer Vergangenheit eine derartige Nazi-Szene entstehen kann!)
Nun ist die Nazi-Keule durch exzessiven Gebrauch inzwischen so schlapp, dass sie nicht mehr zieht. Die Angst der Menschen vor den Islamisten ist größer als die Angst, irgendwelche Abgeordneten, der Spiegel oder die FAZ könnten sie politisch nicht mögen.
Und nun? Mit Argusaugen wird nach Stellen gesucht, an denen man den Hebel ansetzen kann. Dabei geht es aber nicht um eine inhaltliche Auseinandersetzung (die Strömungen wie PEGIDA womöglich tatsächlich den Wind aus den Segeln nähme), sondern um Hoheiten über Begriffe und moralische Positionen und um Bündnisse mit anderen aus der Gruppe der „Guten“.
Solange allerdings die Politik die Augen vor dem Problem der Islamisten verschließt und statt einer Auseinandersetzung mit dem Thema einfach auf die vielen verweist, die gar nicht angesprochen sind, ist die Lage eigentlich eines Rechtsstaates unwürdig: die Gefahr einer Radikalisierung wird hier bewusst in Kauf genommen, ja gezielt heraufbeschworen. Dass PEGIDA zweifelhaft ist, ist da kein Nachteil, sondern gewünscht! Irgendwann muss es doch möglich sein, Angst vor Islamisten mit Fremdenfeindlichkeit gleichzusetzen, um eingreifen zu dürfen. Vielleicht könnte man z.B. keine Demos mehr zulassen, weil die volksverhetzend sind – soweit die Theorie.
Doch langsam wird bemerkt, dass jedes Eingreifen in dieser Art als diktatorisch wahrgenommen werden könnte, und das von wahltechnisch relevanten Bevölkerungsanteilen. Es wäre zwar eine traurige Basis, aber vielleicht klappt es angesichts dieser Erkenntnis ja doch noch mit einer inhaltlichen Auseinandersetzung mit den Ängsten vieler, die über das Verteufeln und anschließende Verbieten hinausgeht.

Mittwoch, Dezember 03, 2014

Da Felltier nichts mehr ein.

Homophone, also ähnlich klingende Begriffe mit unterschiedlicher Bedeutung sind seit Jahren der Notnagel der Werbung, ähnlich wie es bis in die siebziger Jahre hinein der Reim war, der als Transportmittel für Werbebotschaften diente. Seit Jahrzehnten beglücken uns Texter mit Wortkreationen wie:

Hercooles … der Held, was er verspricht. Mal nur so als Beispiel. Glücklicherweise entfallen mir solche Wortspiele rcht schnell wieder. Daher muß ich weitere Beispiele schuldig bleiben.

Es scheint mir eh die letzte Möglichkeit durchgebrannter Creative Directoren zu sein, wenigstens noch den Schein der Kreativität, dieser konsumistischen Allround-Tugend zu wahren.

Also, irgendein weiteres Logistik-Unternehmen mit unterhaltsamem User Interface nutzt einfach einmal die nachchristliche Weihnachtszeit (oder was sie dafür halten) und wirbt mit der Subline: 

Jetzt Christus geliefert.



Toll. Versteht erst mal keiner. Ist auch so eigentlich nicht witzig. Wie jetzt? Seit wann kümmern sich Werbetexter um Kenosis? Kann nicht. Was meinen die?

Beim zweiten Ansatz fällt der Groschen: »Jetzt krichst du’s geliefert.«

Das ist schon seeehr, seeeehr witzig, denkt sich der Marketing-Lieferando, und winkt den Claim durch, ohne zu bedenken, daß ein gutes Wortspiel in beiden Richtungen funktionieren muß. So sollte die vordergründige Ebene bedient werden, damit die Auflösung des Homophons dem Leser mehr als ein Gähnen entlocken kann.

Der pseudochristliche Kontext läßt vermuten, daß der Textlieferando davon überzeugt war, es genüge, einfach eine religiöse Gemeinschaft zu dissen. Sinnvollerweise entschied er sich für die christliche, von deren geistigem Reichtum er eh keine Ahnung hat. (Und von der es wenig zu befürchten gibt.)

Und er zielt offensichtlich auf die Bevölkerungsgruppe, die schon in der Schule eher zu den Schlechte-Noten-Lieferandos gehörte. Die merken nämlich nicht, daß dem Werbetext eigentlich die Pointe fehlt, die ihn witzig machen könnte. Leider werden die meisten auch nur stumm und gleichgültig auf den bemützten Burger gucken und gar nicht erst versuchen, den Text zu entschlüsseln.

»Lieferate ogni speranza voi ch’entrate!«

Freitag, November 21, 2014

Manche Theologen...

[ Von Bastian]
Manche Theologen (ich betone: manche!) treten auf, als sei ihr Glaube reifer, tiefer oder sogar richtiger als der von Nicht-Theologen.
Für mich ist das genauso sinnvoll, als wenn ein Psychologe davon ausgeht, dass er aufgrund seines Studiums eine besonders glückliche Ehe führt.
Wissen um die Dinge ist eine feine Sache, hilfreich und nötig, aber es ersetzt nicht Beziehungsfähigkeit und Liebe.

Donnerstag, November 20, 2014

Alle Jahre wieder …

… feuern katholische Evangelisations-Spezis gegen Weihnachten im Schuhkarton.