Donnerstag, Dezember 25, 2014

Stephanus

[Von Bastian]
Auch in diesem Jahr ist es wieder soweit: Stephanus‘ Martyrium so kurz nach Weihnachten wird der Stimmungskiller schlechthin. In der schön dekorierten Kirche, direkt vor dem erleuchteten Weihnachtsbaum ein paar Meter rechts von der liebevoll aufgebauten Krippe, um die die geschnitzten Schäfchen kauern, wird zwischen zwei Weihnachtsliedern vorgelesen, wie ein heldenhafter Christ von einer Meute religiös Verstockter langsam umgebracht wird.
Die Geistlichen werden sich wie immer bemühen, in der Predigt den Kontrast verständlich zu machen. Die übliche Auswahl an Argumenten ist meist überschaubar: man dürfe nicht in der Weihnachtsromantik stecken bleiben, Leiden und Tod gehörten auch zum Leben, das Leben der frühen Christen sei nun einmal schwer und gefährlich gewesen, diese Lesung sei halt an diesem Tag, der Bericht verweise schon jetzt auf das Kreuz. Nicht, dass ich diese Predigten schlecht fände – vor allem der letzte Punkt hat einiges, was mich ans Nachdenken bringt.
Doch hat meine Frau mich vor einigen Jahren mit einer Aussage zu Stephanus überrascht, die ich so noch nicht gehört hatte, die mich aber überzeugt und für die ich ihr sehr dankbar bin: die Lesung von Stephanus stellt keinen Kontrast zu Weihnachten dar – im Gegenteil schließt sie die Weihnachtsbotschaft erst ab.

Ein Chor von Engeln verkündet zu Weihnachten den Hirten die Geburt Christi: die Hirten schauen den Himmel. Dann Stephanus: Er aber, erfüllt vom Heiligen Geist, blickte zum Himmel empor, sah die Herrlichkeit Gottes und Jesus zur Rechten Gottes stehen und rief: Ich sehe den Himmel offen und den Menschensohn zur Rechten Gottes stehen (Apg 7, 55-56). Der Himmel, der sich in der Heiligen Nacht über der Welt öffnete und den die Hirten im Chor der Engel offen stehen sahen, zeigt hier, dass er weiterhin offen ist.

So oft ist von der großen Demut der Hirten und dem Heldenmut des Stephanus die Rede, doch viel zu selten wird das betrachtet, was die Ursache für beides ist: der offen stehende Himmel. Der Himmel muss schon etwas faszinierendes sein, wenn die Hirten alles stehen und liegen lassen, sobald sie die Engel sehen und hören, und Stephanus sterben und vergeben kann, wenn er ihn offen stehen sieht. Das Glück, ihn wahrzunehmen, war die Kraft, die beide erfüllte.
Die Lesung von Stephanus zeigt, was es tatsächlich bedeutet, dass der Himmel zu uns kam: nämlich dass er sich nach Weihnachten nicht wieder verschloss, sondern offen bleibt.

Weihnachten: Gott zeigt sich im Leben. Stephanus: Gott zeigt sich im Sterben.
Weihnachten: Gott ist im Anfang. Stephanus: Gott ist im Ende.
Weihnachten: Gott kommt zu den Menschen. Stephanus: Menschen kommen zu Gott.

Für uns: in unserem Anfang wie in unserem Ende zeigt sich Gott. Der Himmel ist offen, immer und überall. Stephanus zeigt, was Gott zu Weihnachten will: nicht nur lieblich kommen, sondern alles überwinden, was es an Dramatik im menschlichen Leben gibt, selbst den Tod. Für mich ist die Kombination von Weihnachten mit Stephanus eine der genialsten, die ich kenne.

Schuldzuweisung durch Problemaustausch

[Von Bastian]
Seit jeher gehört es zur politischen Taktik, Probleme und die damit verbundenen Menschen dadurch los zu werden, dass ich das Problem, für das ich verantwortlich bin, durch ein anderes ersetze, für das ich nicht verantwortlich scheine und das ich daher moralisch gerechtfertigt lösen kann.
Beispiel Armut: entweder ich nehme mich des Problems an, oder ich weigere mich so lange, das Problem zu erkennen, bis die Armen zum Überleben Nahrung stehlen. Dann kann ich sie als Diebe einlochen und bin sie los.
Beispiel ethnische Minderheiten: ich behandele sie einfach so lange schlecht, bis sie sich wehren. Dann haben sie mit der Gewalt begonnen, und ich kann, ja ich muss das beenden, notfalls mit Gegengewalt.
Beispiel Erziehung: ich lasse die Familien so lange finanziell hängen, bis die Eltern vor lauter Arbeitsmarkt und Rentenangst keine Zeit mehr für ihre Kinder haben. Jetzt kann ich die verwahrlosten Kinder in staatliche Obhut nehmen, was ich schon immer wollte. Das Nebenproblem Drogen löse ich dadurch, dass ich es wegdefiniere, indem ich die Drogen einfach legalisiere.

Heute kann man dieses Prinzip wieder einmal live erleben, aber die Karten sind möglicherweise neu gemischt.
Viele Menschen haben Angst vor Islamisten. Es wird nichts getan, weil das Problem lästig ist. Die Menschen beginnen, sich zu formieren und ihren Protest zu verbalisieren. Das darf natürlich nicht durchdringen, denn dann müsste man sich des Problems annehmen. Daher wird versucht, diesen Artikulierungen die moralische Basis abzusprechen: sie diskriminierten mit ihren Äußerungen Millionen friedlicher Muslime. (Anmerkung: das ist etwa so sinnvoll, als hielte man einer Gemeinde, die Angst vor einem entlaufenen Mörder hat, vor, sie diskriminiere mit ihrer Angst alle nicht-mordenden Nachbarn.)
Diese dumme Pseudodiskussion wird so lange aufrechterhalten, bis sich eine Wendung ergibt, die zum Handeln legitimiert. Der erste Versuch ist die allfällige Nazi-Keule: das sind doch alles Braune! (Dabei wird vergessen, dass sich Politiker selbst ein miserables Zeugnis ausstellen, wenn unter ihrem Parlament in einem Land mit nationalsozialistischer Vergangenheit eine derartige Nazi-Szene entstehen kann!)
Nun ist die Nazi-Keule durch exzessiven Gebrauch inzwischen so schlapp, dass sie nicht mehr zieht. Die Angst der Menschen vor den Islamisten ist größer als die Angst, irgendwelche Abgeordneten, der Spiegel oder die FAZ könnten sie politisch nicht mögen.
Und nun? Mit Argusaugen wird nach Stellen gesucht, an denen man den Hebel ansetzen kann. Dabei geht es aber nicht um eine inhaltliche Auseinandersetzung (die Strömungen wie PEGIDA womöglich tatsächlich den Wind aus den Segeln nähme), sondern um Hoheiten über Begriffe und moralische Positionen und um Bündnisse mit anderen aus der Gruppe der „Guten“.
Solange allerdings die Politik die Augen vor dem Problem der Islamisten verschließt und statt einer Auseinandersetzung mit dem Thema einfach auf die vielen verweist, die gar nicht angesprochen sind, ist die Lage eigentlich eines Rechtsstaates unwürdig: die Gefahr einer Radikalisierung wird hier bewusst in Kauf genommen, ja gezielt heraufbeschworen. Dass PEGIDA zweifelhaft ist, ist da kein Nachteil, sondern gewünscht! Irgendwann muss es doch möglich sein, Angst vor Islamisten mit Fremdenfeindlichkeit gleichzusetzen, um eingreifen zu dürfen. Vielleicht könnte man z.B. keine Demos mehr zulassen, weil die volksverhetzend sind – soweit die Theorie.
Doch langsam wird bemerkt, dass jedes Eingreifen in dieser Art als diktatorisch wahrgenommen werden könnte, und das von wahltechnisch relevanten Bevölkerungsanteilen. Es wäre zwar eine traurige Basis, aber vielleicht klappt es angesichts dieser Erkenntnis ja doch noch mit einer inhaltlichen Auseinandersetzung mit den Ängsten vieler, die über das Verteufeln und anschließende Verbieten hinausgeht.

Mittwoch, Dezember 03, 2014

Da Felltier nichts mehr ein.

Homophone, also ähnlich klingende Begriffe mit unterschiedlicher Bedeutung sind seit Jahren der Notnagel der Werbung, ähnlich wie es bis in die siebziger Jahre hinein der Reim war, der als Transportmittel für Werbebotschaften diente. Seit Jahrzehnten beglücken uns Texter mit Wortkreationen wie:

Hercooles … der Held, was er verspricht. Mal nur so als Beispiel. Glücklicherweise entfallen mir solche Wortspiele rcht schnell wieder. Daher muß ich weitere Beispiele schuldig bleiben.

Es scheint mir eh die letzte Möglichkeit durchgebrannter Creative Directoren zu sein, wenigstens noch den Schein der Kreativität, dieser konsumistischen Allround-Tugend zu wahren.

Also, irgendein weiteres Logistik-Unternehmen mit unterhaltsamem User Interface nutzt einfach einmal die nachchristliche Weihnachtszeit (oder was sie dafür halten) und wirbt mit der Subline: 

Jetzt Christus geliefert.



Toll. Versteht erst mal keiner. Ist auch so eigentlich nicht witzig. Wie jetzt? Seit wann kümmern sich Werbetexter um Kenosis? Kann nicht. Was meinen die?

Beim zweiten Ansatz fällt der Groschen: »Jetzt krichst du’s geliefert.«

Das ist schon seeehr, seeeehr witzig, denkt sich der Marketing-Lieferando, und winkt den Claim durch, ohne zu bedenken, daß ein gutes Wortspiel in beiden Richtungen funktionieren muß. So sollte die vordergründige Ebene bedient werden, damit die Auflösung des Homophons dem Leser mehr als ein Gähnen entlocken kann.

Der pseudochristliche Kontext läßt vermuten, daß der Textlieferando davon überzeugt war, es genüge, einfach eine religiöse Gemeinschaft zu dissen. Sinnvollerweise entschied er sich für die christliche, von deren geistigem Reichtum er eh keine Ahnung hat. (Und von der es wenig zu befürchten gibt.)

Und er zielt offensichtlich auf die Bevölkerungsgruppe, die schon in der Schule eher zu den Schlechte-Noten-Lieferandos gehörte. Die merken nämlich nicht, daß dem Werbetext eigentlich die Pointe fehlt, die ihn witzig machen könnte. Leider werden die meisten auch nur stumm und gleichgültig auf den bemützten Burger gucken und gar nicht erst versuchen, den Text zu entschlüsseln.

»Lieferate ogni speranza voi ch’entrate!«

Freitag, November 21, 2014

Manche Theologen...

[ Von Bastian]
Manche Theologen (ich betone: manche!) treten auf, als sei ihr Glaube reifer, tiefer oder sogar richtiger als der von Nicht-Theologen.
Für mich ist das genauso sinnvoll, als wenn ein Psychologe davon ausgeht, dass er aufgrund seines Studiums eine besonders glückliche Ehe führt.
Wissen um die Dinge ist eine feine Sache, hilfreich und nötig, aber es ersetzt nicht Beziehungsfähigkeit und Liebe.

Donnerstag, November 20, 2014

Alle Jahre wieder …

… feuern katholische Evangelisations-Spezis gegen Weihnachten im Schuhkarton.


Dienstag, November 18, 2014

Keine Kinder – keine Rente!

[Eine Provokation von Bastian]
Keine Kinder – keine Rente!
Wird das die Kurzfassung künftiger Rentenbescheide für Kinderlose? Gefordert wird es: seit langem kann man z.B. auf Facebook Aussagen dieser Art lesen. Auch öffentlich wird das inzwischen angesprochen (LINK).
Natürlich ist das Blödsinn. Es gibt viele Menschen, die gerne Kinder gehabt hätten. Es gibt Menschen, die eine kinderlose Berufung haben. Rentenlos, weil man Pech hatte oder seiner Berufung folgte? Keine weiteren Fragen an den Zeugen.

Aber trotzdem – diese These hat großen Charme!
Denn: sie kehrt endlich die Denkweise um! Sie macht klar, wer mit wem solidarisch ist: die Kinderreichen mit den Kinderlosen. Hält sich auch bisher das Bewusstsein fest verankert, die reicheren Doppelverdiener und Singles seien über höhere Steuern den Kindern gegenüber spendabel – hier wird dieser Unsinn entlarvt.
Tatsache ist: die Familien unterstützen die Kinderlosen. Kinder von heute werden den Kinderlosen von heute den Gegenwert ihrer Rente erwirtschaften. Die Eltern von heute verzichten großenteils auf berufliche Chancen, was zu weniger Einkommen führt. Noch führt es auch zu weniger Rente, weil die nicht an die Lebensleistung für die Gesellschaft gekoppelt ist, sondern an das Geld, das man dafür bekam. Eine Unverschämtheit - für ein Umdenken wird es höchste Zeit!
Wenn es heißt, für mehr als eine symbolische Anerkennung der Erziehungszeiten in der Rente sei kein Geld da, wird vergessen, dass es anders herum ist: diese Erziehungszeiten sind das Wichtigste, denn sie machen die Rente überhaupt erst möglich. Sie müssten daher die höchste Rente erwirtschaften. Dass sie es nicht tun, ist ein Skandal.

Das eigentlich Erstaunliche: jeder weiß, dass das System ein Bluff ist. Jeder weiß, dass die Renten alles sind, aber nicht sicher. Jeder weiß, dass sie sinken werden. Jeder ahnt, dass die ganzen Versicherungen, die man zusätzlich abschließt, im Falle einer Krise das Papier nicht wert sind, auf dem sie stehen. Und jedem sollte klar sein, dass man auch in guten Zeiten nur dann etwas von einem hohen Kontostand und all seinem Kapital hat, wenn jemand da ist, der einem dafür die Lebensqualität zur Verfügung stellt, die man gerne hätte.
Und wenn es von diesen Jemanden zu wenige gibt? Die Gesetze sind bekannt: geringes Angebot und hohe Nachfrage. Pflegeleistungen werden teuer sein, die Qualität wird sinken. Anstatt der Wehrpflicht wird man verzweifelt ein verpflichtendes Pflegejahr einführen. Man wird viel versuchen, aber eines wird es mit Sicherheit nicht mehr geben: die Idee, dass Kinderlose im Alter Anspruch auf mehr Leistung hätten als Kinderreiche. Die Idee wird absurd sein. Sie ist es heute schon, nur noch nicht öffentlich.
Was auch als absurd entlarvt werden wird, ist die Idee vieler, ein hoher Rentenanspruch garantiere Lebensqualität. Der Anspruch wird zerrinnen und die Qualität dort zu finden sein, wo sie wirklich liegt: in den Menschen, die man um sich hat. Rhetorische Frage: Ob Kinderreiche da im Vorteil sein könnten?

Keine Kinder – keine Rente: das wird wohl nicht kommen.
Keine Kinder – geringe Lebensqualität: das wird für viele zutreffen.

Wohl den Kinderlosen, die geistige Kinder haben, die auf ihre Weise einen eigenen Beitrag leisten, der über ein paar Euro Steuern hinausgeht. Ich bin überzeugt, dass für sie gesorgt sein wird, denn die Fürsorge wird nicht mehr da sein, wo das Geld der Rentner steckt, sondern wo das Herz derer sitzt, die Pflegen können: bei ihren Eltern und ihren Freunden.
In der Haut kinderloser Karrieretypen möchte ich nicht stecken – das wird trostlos, im wahrsten Sinne des Wortes! Die Gesellschaft beginnt, das zu ahnen. Die Legalisierung der Sterbehilfe, wenn es „unwürdig“ wird, ist, wie ich befürchte, der verzweifelte Versuch des allgemeinen Bewusstseins, den eigenen Fehlern der Vergangenheit nicht begegnen zu müssen. Lieber tot als unter der selbstverschuldeten Kinderlosigkeit leiden. Unsere Political Correctness ist suizidgefährdet und mit ihr ihre blinden Anhänger.

Was soll ich antworten, wenn meine Kinder sauer sind und mich fragen: Wieso sollen wir später die versorgen, die jetzt mehr Geld haben, mehr reisen können, höhere Posten und damit mehr Macht bekommen, bewusst keine Kinder großziehen und dafür auch noch mehr Rente bekommen, als Du, Papa?
Meine Kinder werden einiges zu stemmen haben. Und sie werden von ihren Enkeln als Helden angesehen werden. Zu Recht!

Donnerstag, November 13, 2014

Raumsonde bestätigt schlechte Filialpolitik



67P/Tschurjumow-Gerassimenko. Die ersten Bilder der Raumsonde »Philae« auf 67P/T erbrachten überraschende, betriebswirtschaftliche Erkenntnis über die ausgesprochen dysfunktionale Filialpolitik der längst insolventen Drogeriekette »Schlecker«. Pikantes Detail: Aufgrund der Abgelegenheit der Filiale war die Belegschaft vor Ort über die Abwicklung der Einzelhandelskette nicht einmal informiert.

Mittwoch, November 12, 2014

Unkenrufe

[Von Bastian]
Die Existenz behinderter Kinder kann man verhindern, indem man sie vor der Geburt tötet. Da das möglich ist, steht es den Eltern frei, es zu tun oder zu lassen. Wenn es aber im Ermessen der Eltern liegt, kann man schlecht die Gesellschaft, hier in Form der Krankenkasse (LINK) dafür bezahlen lassen. Das ist logisch gedacht, wenn man von der perversen Prämisse der Abtreibung Behinderter ausgeht. Doch wovon soll man ausgehen, wenn das Gesetz das erlaubt?
So makaber es klingt: das einzige, was mich ab diesem Urteil erstaunt, ist die Tatsache, dass die Gesellschaft offenbar reif dafür ist. Denn der Grundstein für derlei Abartigkeiten ist lange gelegt.

Als damals die Abtreibung unter bestimmten Umständen legalisiert oder besser straffrei gestellt wurde, warnten viele. Das werde dazu führen, dass Abtreibungen als völlig normal angesehen würden. Es sei eine Frage der Zeit, bis man auch anfange, das Töten Alter und Kranker straffrei zu machen. Es werde sich eine Mentalität herausbilden, die nicht mehr das Leben an sich, sondern nur noch dessen Qualität schütze. „Schwarzmaler“ und „Hysteriker“ hieß es damals zu diesen Prognosen. Doch der Teufel kann warten: ganz von selbst ist es genau so gekommen, und heute ist es normal. (Was damals übrigens nicht oder kaum vorhergesehen wurde, ist, dass es mehr und mehr sanktioniert werden könne, gegen Tötungen zu sein. Das war selbst für die größten Pessimisten unvorstellbar.)
Heute fragt man sich, was denn als nächstes kommt.

  • Die Rente, die nur noch bis zu einem gewissen Alter zahlt, und ab dann nur noch, wenn man beweisen kann, dass man eine Lebensqualität hat, die das Weiterleben rechtfertigt? (Die Kosten für den assistierten Suizid werden noch übernommen, wenn man in der Frist bleibt.)
  • Die Sanktionierung derer, die Armen und Kranken helfen, weil sie so die Gesellschaft belasten?
  • Eine Mehrheit, die sich ihrer Gegner durch Tötung entledigt, da sie „begriffen“ hat, dass das Lebensrecht Dritter eine gesellschaftliche Entscheidung ist?
  • etc...

Diese Dinge oder ähnliche dieser Art werden kommen. Naiv, wer denkt, der düstere Grundstein sei bereits voll bebaut.

Bei aller Perversion, die das oben verlinkte Urteil sonst noch beinhaltet, zeigt es überdies einen interessanten logischen Fehler.
Wem erstattet die Krankenkasse die Behandlungskosten? Dem Kind.
Wer soll laut Gericht die Konsequenzen (sprich: Kosten) tragen? Die Eltern.
Das Kind war an der Entscheidung über sein Leben nicht beteiligt. Es kann dafür nicht bestraft oder sonstwie sanktioniert werden. Das Vorgehen der Krankenkasse geht daher faktisch von einem Eigentumsverhältnis der Eltern an ihrem Kind aus. Eltern haften für ihre Kinder nicht im Sinne des Erziehungsverhältnisses (das der Staat viel lieber ganz für sich hätte), sondern im Rahmen eines Besitzverhältnisses. Ein Prinzip, auf dem sich problemlos weitere Perversionen aufbauen lassen, die dann völlig logisch erscheinen.

Es ist eine Lawine losgetreten, die noch viel mit sich reißen wird.
Damals hat man die Pessimisten verlacht. Heute ist es mir lieber, man verlacht mich und sagt, dass ich übertreibe, als dass es eintrifft, und ich habe es für mich behalten. Lieber lasse ich mich in 10 oder 20 Jahren als Spinner auslachen, weil es anders kam, als heute nichts zu sagen. Und ich bekomme eine Ahnung, wie Jeremiah sich gefühlt haben muss.
Der Grund ist meine Hoffnung, die zugleich meine Verantwortung ist: Gott. Die Lawine hat nicht das letzte Wort, sondern Er. Die Lawine wird verschwinden, Er nicht. Ich möchte auf der richtigen Seite stehen.

Dienstag, November 11, 2014

Ehevorbereitung

[Von Bastian]
Immer wieder in der letzten Zeit habe ich Beiträge gelesen, die eine gründlichere Ehevorbereitung forderten. Hintergrund: den Eheleuten solle klar sein, was sie tun, wenn sie heiraten. Und sie sollen befähigt werden, diesem Tun auch gerecht zu werden.
Mir wird bei diesen Forderungen immer etwas flau. Denn der Gedanke, in einer Art Kurs oder Gesprächsreihe ehefähig zu werden, erscheint mir absurd. Es sei denn, es handelt sich dabei um handfeste Exerzitien, die bei einer Lebensentscheidung helfen. Doch selbst danach fehlt noch der größte Teil, denn: die Ehe ist nicht die Hochzeitsfeier, sondern das Leben danach. Und da liegt nämlich der Hund begraben!

Von einer Frau, die katholische Ehevorbereitungen mit abhält, wurde mir einmal erzählt, dass sie dort mit den verlobten Frauen eine Liste anfertigte, was sie verzeihen könnten und was für sie nicht mehr verzeihbar wäre - die Frauen sollten sich über ihre Situation klar werden. Ich fragte, wo denn Christus darin wäre. Sie sagte, auf ihn werde natürlich auch Bezug genommen, denn er müsse dabei sein. Keine Antwort bekam ich auf meine Frage, wie man denn den, der am Kreuz seinen Mördern vergab, für eine Liste gewinnen wolle, auf der steht, was man nicht zu vergeben bereit sei.
Wenn Ehevorbereitung in solchen Kursen besteht, kann man sie knicken. Ehe ist etwas anderes.

Eheschließung heißt, dass ich nicht nur verspreche, eine Frau zu lieben, die ich nur im Moment kenne und deren Entwicklung ich nicht im Geringsten vorhersehen kann. Ich verspreche auch, dieselbe Frau zu lieben, ganz gleich wie ich mich selbst verändern werde. Ich verspreche Liebe von einem mir unbekanntem zu einer mir unbekannten für Lebenssituationen, die mir ebenfalls völlig unbekannt sind. Die Tatsache, dass ich sie heute liebe, sind keinerlei Garantie: bei der Ehe geht es nicht um Bestätigung einer Liebe, die da ist, sondern um das Versprechen von Liebe, die noch nicht da ist. Ohne Einschränkung, ohne Rückweg. Die Ehe ist knallhart!

Wenn ich mich jetzt nach 20 Ehejahren frage, was mich denn ehefähig gemacht hat, kann ich nur sagen: ich bin es nicht. Dass ich glücklich verheiratet bin, ist nicht mein Verdienst. Auch nicht das meiner Frau – es ist uns geschenkt. Die Ehe muss man, das ist meine feste Überzeugung, immer wieder als Geschenk annehmen.
Das ist mehr als eine Lebensweisheit (man ist vom Schicksal und dem Partner beschenkt): die Ehe will als Geschenk Gottes angenommen sein. Denn es braucht einen Schenker, von dem man sich auch das schenken lässt, was man nicht will. Dem man auch das abnimmt, das ausweglos und unüberwindbar erscheint. Die Voraussetzung zur Ehe ist die Bereitschaft und Fähigkeit, die eigenen Wünsche loszulassen und das Eheleben von Gott zu empfangen. Dann, das ist meine Erfahrung, geht es, und es ist unvergleichlich.

Doch was hat mich darauf vorbereitet? Letztlich waren es Lebenskrisen, in denen ich es irgendwie schaffte, den Glauben nicht zu verlieren. Eine Art Reifungsprozess, der mit keinem noch so guten Ehekurs nachgeholt werden kann. Und es waren 2 Worte, die man mir gesagt hat. Einmal in Bangladesh, das ich vor Jahren besuchte: „Ihr in Europa heiratet die Frau, die Ihr liebt -wir lieben die Frau, die wir heiraten“. Das ging mir durch. Und die Aussage meines damaligen geistlichen Begleiters, dem ich dafür heute noch dankbar bin: „Die Ehe ist ein Kreuz, Bastian, und je eher du das akzeptierst, umso eher wirst du glücklich damit!“. Es hat eine Weile gedauert, bis ich verstanden habe, dass die Ehe damit nicht als Leid bezeichnet, sondern meine Haltung in ihr beschrieben wurde: jeden Tag neu auf sich nehmen und angehen. Sie steht nicht zur Debatte – sie wird gelebt.
Ich habe unter meiner Ehe auch schon geächzt (meine Frau ebenso!), aber bereut habe ich sie niemals. Dass ich meine Frau liebe, ist die Basis, auf der ich hoffentlich den Rest meines Lebens stehe. Ich kann es mit Gottes Hilfe, und ich bete, dass mir diese Hilfe bleibt.
Und weil dieses Ja, dieser Entschluss, so wichtig ist, ist mir auch klar, warum ein unverheiratetes Zusammenleben so schädlich ist. Man übt die falsche Basis ein. Man glaubt, eine ausgeklügelte Balance zwischen Geben und Nehmen sei das Rezept. Doch das einzige Rezept ist, sich selbst zu geben und anzunehmen, was man von Gott bekommt. Das ist je nachdem beglückend oder fast unmöglich – auf jeden Fall ist es der Weg.

Ehevorbereitung wird viel zu oft als Hochzeitsvorbereitung verstanden. Was gebraucht wird, vielleicht noch viel nötiger, als Ehevorbereitung, ist Beziehungs- und Ehebegleitung. Gläubig, praktisch, bodenständig und qualifiziert. Und da liegt ein Problem, denn das gibt es in der Kirche kaum. Viel zu sehr überlassen wir die Beziehungsberatung denen, die im Zweifelsfall ohne mit der Wimper zu zucken zur schnellen Trennung raten. Was gebraucht wird, geht meiner Meinung nach über die Kompetenz von Geistlichen hinaus: Eheleute brauchen Eheleute. Meine Überzeugung geht noch weiter: auch Priester brauchen die Eheleute. Hilfe und Beratung sind auch im geistlichen Leben keine Einbahnstraße.

Zum Abschluss ein Link zu Team-F, einer freikirchlichen Organisation, der es um genau dieses Thema geht. Als Katholik stimme ich ihnen nicht in allen geistlichen Einzelheiten zu, doch das macht gar nichts: hervorragende Hilfe, wie sie gebraucht wird, für die wir schon oft dankbar waren.

Päpstlicher Primat


(Ausgebrütet gemeinsam mit dem im vorhergehenden Beitrag benannten Ehepaar.)

Szenen einer Ehe

[Von Bastian]
Als meine Frau heute früh zur Messe gehen will, gibt sie mir exakte Anweisungen für den Tag.
Ich sage: "Ich fühle mich fremdbestimmt!"
Darauf sie im Weggehen: "Ich bin dir doch nicht fremd!"

(Ein erster, nachdenklicher Beitrag zur Frage, was die Kirche von den Eheleuten lernen kann. Keine Ahnung...)

Montag, November 10, 2014

Aus der Traum … von der Cappa Magna




Dechant Krink wacht aus einem Alptraum auf: Er – in einer scharlachroten Cappa Magna, die verräterisch vom Südportal bis zum Zigarrenladen Lömpkes reicht. »Davon werde ich niemandem erzählen« murmelt er, während er ins Bad schlurft.

Samstag, November 08, 2014

Wieder hochgeholt: Rücksicht, Rücksicht über alles!

[Von Bastian]
Zur immer wieder aktuellen Diskussion fallen mir nur alte Argumente ein...

Langsam finden wir unseren Platz in der Welt. Es ist der Platz derer, die zuvorkommend sind. Der Platz derer, die andere vor Unbill bewahren, von der die gar nichts wissen. Rücksicht sei unser Name, Augenhöhe mit jedermann unsere Natur.
Wir diskutieren die Abschaffung von Festen (LINK) aus Rücksicht auf Leute, die gerne mitfeiern (LINK). Und wenn wir damit nicht durchkommen, geben wir uns kritisch und schlachten wenigstens Martins Pferd, um nicht zu weit oben zu sitzen. Die Demut treibt uns.
Wir entfernen religiöse Symbole, um die Religiosität anderer zu schützen (LINK). Wir hängen in Galerien Bilder ab, weil wir vermuten, andere könnten, wenn sie es ernst nähmen, weil sie (wenn wir uns nicht irren) so gestrickt sein müssten, unter Umständen daran Anstoß nehmen (LINK). Gefragt haben wir sie nicht.
Niemals wären wir bereit, etwas wie eigene Kultur hochzuhalten, einfach weil es unseres ist und wir Freude daran haben – das sei uns fern! Denn nicht unsere Freude sei unser Leitziel, sondern die potentielle Nicht-Freude anderer. Aus der klaren Erkenntnis, dass, wenn alle aus Rücksicht auf ihre Freuden verzichten, die Welt ein wenig fröhlicher wird. Oder so.

Wir sind überzeugte Anhänger des Multi-Kulti, zu dem wir allerdings mangels eigener Identität kein Kulti beisteuern können. Umso lauter fordern wir Offenheit für das Multi. Das allerdings ohne zu begreifen, dass jemand, der die Vielfalt der Kulturen fordert, ohne selbst eine beizusteuern, sich als Kulturschmarotzer outet.
Wir sind der wandelnde Widerspruch-in-sich, der gerade mit seinem Hauptziel, nicht zu stören, anderen furchtbar auf die Nerven gehen kann. Doch da die Rücksicht für uns nicht verhandelbar ist, hilft nur eines: noch mehr Rücksicht, bis keiner mehr merkt, dass es uns gibt. Denn erst, wenn wir weg sind, haben wir wirklich guten Einfluss auf die Welt. Oder so.

Freitag, November 07, 2014

EU will flexible Tischplatten mit weichen Kanten

[Von Bastian]
Brüssel
In der EU gibt es Bestrebungen, Tischplatten aus Holz zu verbieten und nur noch Platten aus flexiblem Kunststoff mit Gummikanten zu erlauben. Hintergrund ist die immer stärker werdende Tendenz, angesichts neuer EU-Vorschriften (LINK) den Kopf auf die Tischplatte zu schlagen oder in ihre Kante zu beißen. „Facepalm ist mehr und mehr out!“ – so ein Kommissionssprecher. „Es ist nur eine Frage der Zeit, biss sich der erste ernsthaft verletzt.“
Die Kommission verspricht sich von einer solchen Vorschrift zudem einen Innovationsschub im Möbelbau. Als Übergangslösung könnten für ein oder zwei Jahre auch Gummiüberzüge auf den Tischen erlaubt werden, sofern ihre spätere nachhaltige Weiterverwertung sichergestellt werden könne. Bei dieser Gelegenheit könne auch gleich die längst überfällige Normung von Tischgrößen und Sitzhöhen angegangen werden. So werde Planungssicherheit beim Möbelkauf geschaffen. Den Möbelherstellern wird dabei empfohlen, die mittelfristig geplante Gurtpflicht auf Sofas und Tischairbags von vorne herein mit einzuplanen, damit der demnächst fällige jährliche Möbel-TÜV keine unliebsamen Überraschungen bereit halte.

Dienstag, November 04, 2014

Die hammse nicht mehr alle!

[Von Bastian]
"Durch die Gleichstellung von Frau und Mann ist eine teilweise Umrüstung von regulären Ampelmännchen zu Ampelfrauen folgerichtig." (LINK)

OK, folgerichtig mag sein. Aber wie inkonsequent!
Da wird die Frau mit den herkömmlichen Attributen Rock und Zopf kenntlich gemacht. Das bedient auf perfide Weise alte Klischees. Warum nicht gleich eine Frau am Herd?
Zudem bleibt die Idee weit hinter den Notwendigkeiten einer wirklich freien Gleichberechtigung Aller weit zurück. Was ist mit Ampeltranssexuellen? Was mit Ampelpersonen, die sich keinem Geschlecht zugehörig fühlen? Wie ist die Festlegung jeder einzelnen Ampel auf einen bestimmten Status zu werten? Warum können Ampeln sich nicht outen und ihr Geschlecht wechseln?

Liebe Leute, wenn schon, denn schon! Bleibt Euch und Euren Vorsätzen treu.

Freitag, Oktober 24, 2014

Gipfel der gefährlichen Geschmacklosigkeiten

[Von Bastian]
Hoch lebe der Focus: er erreicht den Gipfel der Geschmacklosigkeiten!
Ein Video wird angekündigt, das zeigt, wie die USA eine Flagge der ISIS wegbomben. Aus irgendeinem Grunde hat mich das interessiert.
Vor dem Video gibt es erst einmal 18sec. Werbung für die Provinzial, passend mit dem Schutzengelsymbol. Dann wird gebombt. Und dann bekommt man weitere Filmchen angeboten, wie „Diese Katze erlebt den schlimmsten Tag ihres Lebens“ und „Kleiner Hund zerrt an Bikini von hübscher Blondine“ neben „Hier stürmt der Ottawa-Attentäter das Parlament“.

Dem Voyeur ist alles gleich. Focus bedient ihn. Und macht sich mitschuldig an der Dekadenz des Westens, der großmäulig Menschenrechte (und was er dafür hält) von Dritten einfordert, aber hilflos erstarrt, sobald sich eine Bedrohung vom Bildschirm in die eigene Realität schleicht. Wie soll man auch mit der Massentötung Ungeborener, entführten und verkauften Afrikanerinnen oder Hasspredigern im eigenen Land umgehen, wenn Tod und Terror denselben Stellenwert haben wie ein ängstliches Kätzchen oder etwas mehr sichtbare Haut unter einem Badeanzug und wenn man sogar bei einem Terroranschlag auf andere live dabei sein kann?

ISIS lacht sich kaputt und denkt: die werden so lange auf ihre Bildschirme glotzen und ihren eigenen aufgeklärten Kommentaren lauschen, bis wir ihnen das Netz abdrehen. Erst dann werden die sich umdrehen und sehen, dass wir längst die Macht haben, ihnen mit dem Tod zu drohen. Und sie werden aus Angst alles mitmachen.

Donnerstag, Oktober 23, 2014

Mittwoch, Oktober 22, 2014

Dilemma


Kirche diskriminiert Menschen als Sünder!

[Von Bastian]
Eine fiktive Meldung, die irgendwie zur gegenwärtigen Diskussion über sie Synode passt.
Daher wieder hoch geholt.

Rom. Die Forderung, aus dem „Ave Maria“ den diskriminierenden Begriff der Sünde zu streichen, wurde vom Vatikan abgelehnt. Die Bürgerrechtsgruppe „Vatikan von unten“ wollte mit dem Vorstoß ein Umdenken beim christlichen Menschenbild einleiten.
„Wir sind leider gescheitert.“, so der Sprecher Herr E. Sien. „Es wird nun darauf ankommen, wie sich die Kirche weiter verhält. Mit dem Begriff des Sünders werden alle Menschen unter einen unzumutbaren Generalverdacht gestellt. Erst legt die Kirche die Regeln fest, so dass hat angeblich jeder Dreck am Stecken hat. Danach schwingt sie sich zum Verwalter dieses Drecks auf, indem sie festlegt, wem wie vergeben werden kann. Ein unwürdiges Menschenbild. Es ist nicht nachvollziehbar, wie man im gleichen Moment von Nächstenliebe sprechen und Menschen derart abstempeln kann. Das darf so nicht weiter gehen. Wir wollen keine Vergebung, wir wollen Akzeptanz!“
Auf die Frage, ob man auch gerichtlich gegen unmenschliche Kirchenregeln wie den Ausschluss von Frauen von der Weihe vorgehen wolle, hielt sich „Vatikan von unten“ bedeckt. So weit sei man noch nicht. Es gebe vielversprechende Strömungen in der Kirche, bis hin zu Bischöfen, die es zu unterstützen gelte. Man setze auf einen Umbruch aus der Kirche selbst heraus und wolle keine Märtyrer schaffen. Der Kampf gehe weiter.