Samstag, Dezember 28, 2013

Und zum Jahresende bitte ein schlechtes Gewissen!

Zum Jahresende sind sie wieder da – die moralischen Alternativen.
Böller und Raketen? Unmoralisch. Was könnte man mit dem Geld doch alles an Gutem tun!
Stimmt, könnte man. Sicher. Das könnte man mit jedem Geld, das man für sich ausgibt. Nur: ist es das, was wir brauchen?

Ich denke, Menschen, die nicht feiern können, und sei es Sylvester, sind arme Menschen. Großzügige Menschen können auch einmal Spaß haben. Und viele haben Spaß am großen Feuerwerk. Ich auch. Würde ich spenden, indem ich mir Spaß versage – das Spenden würde mir verleidet. Am Jahresende wäre es eher weniger als mehr. Langfristig sogar mit ziemlicher Sicherheit viel weniger.

Das Verzichten ist eine gute Sache, weil es den Kopf frei macht und das Herz weit. Daraus erwächst auch Freigiebigkeit. Doch dazu ist die Fastenzeit besser geeignet als Sylvester. Wie war das doch gleich? „Wenn fasten, dann fasten und wenn Rebhuhn, dann Rebhuhn.“ Das klingt doch vernünftig.
Die gedachte Alternative „Wenn fasten, dann besser wissen und wenn feiern, dann bleibenlassen“ ist zur Rettung der Welt eher ungeeignet.
Also: lasst es ab und zu krachen. Dann könnt ihr auch großzügig spenden.
[Findet Bastian]

Donnerstag, Dezember 26, 2013

Stephanuns-Gedanken, wieder hochgeholt

[Von Bastian]
Auch in diesem Jahr war es wieder wie üblich: Stephanus‘ Martyrium so kurz nach Weihnachten war der Stimmungskiller schlechthin.
In der schön dekorierten Kirche, direkt vor dem erleuchteten Weihnachtsbaum ein paar Meter rechts von der liebevoll aufgebauten Krippe, um die die geschnitzten Schäfchen kauern, wird zwischen zwei Weihnachtsliedern vorgelesen, wie ein heldenhafter Christ von einer Meute religiös Verstockter langsam umgebracht wird.
Der Geistliche bemüht sich in der Predigt wie immer redlich, den Kontrast verständlich zu machen. Die Auswahl an Argumenten ist übersichtlich: man dürfe nicht in der Weihnachtsromantik hängen bleiben, Leiden und Tod gehörten auch zum Leben, das Leben der frühen Christen sei nun einmal schwer und gefährlich gewesen, diese Lesung sei halt an diesem Tag, der Bericht verweise schon jetzt auf das Kreuz.
Nicht, dass ich diese Predigten schlecht fände – vor allem der letzte Punkt hat einiges, was mich ans Nachdenken bringt.
Doch hat meine Frau mich letztes Jahr mit einer Aussage zu Stephanus überrascht, die ich so noch nicht gehört hatte, die mich aber überzeugt und für die ich ihr sehr dankbar bin.

Die Lesung von Stephanus stellt keinen Kontrast zu Weihnachten dar – im Gegenteil schließt sie die Weihnachtsbotschaft erst ab.
Ein Chor von Engeln verkündet den Hirten die Geburt Christi. Die Hirten schauen in den Himmel. Dann Stephanus:  Er aber, erfüllt vom Heiligen Geist, blickte zum Himmel empor, sah die Herrlichkeit Gottes und Jesus zur Rechten Gottes stehen und rief: Ich sehe den Himmel offen und den Menschensohn zur Rechten Gottes stehen. (Apg 7, 55-56) Der Himmel, der sich in der Heiligen Nacht über der Welt öffnete und den die Hirten im Chor der Engel offen stehen sahen, zeigt hier, dass er weiterhin offen ist.
So oft ist von der großen Demut der Hirten und dem Heldenmut des Stephanus die Rede, doch viel zu selten wird das betrachtet, was die Ursache für beides ist: der offen stehende Himmel. Der Himmel muss schon etwas faszinierendes sein, wenn die Hirten alles stehen und liegen lassen, sobald sie die Engel sehen und hören, und Stephanus sterben und vergeben kann, wenn er ihn offen stehen sieht. Das Glück, ihn wahrzunehmen, war die Kraft, die beide erfüllte. Die Lesung von Stephanus zeigt, was es tatsächlich bedeutet, dass der Himmel zu uns kam: dass er sich nach Weihnachten nicht wieder verschloss.
Weihnachten: Gott zeigt sich im Leben. Stephanus: Gott zeigt sich im Sterben.
Weihnachten: Gott ist im Anfang. Stephanus: Gott ist im Ende.
Weihnachten: Gott kommt zu den Menschen. Stephanus: Menschen kommen zu Gott.
Für uns: in unserem Anfang wie in unserem Ende zeigt sich Gott. Der Himmel ist offen. Immer und überall.

Stephanus zeigt, was Gott zu Weihnachten will: nicht nur lieblich kommen, sondern alles überwinden, was es an Dramatik im menschlichen Leben gibt, selbst den Tod. Für mich ist die Kombination von Weihnachten mit Stephanus eine der genialsten, die ich kenne.

Samstag, Dezember 21, 2013

An die werten Damen und Herren Kommentatoren

Ein Hallo an alle Kommentatoren!

[Von Bastian]
Erst einmal danken wir für jeden Kommentar, denn er zeigt uns Eure Aufmerksamkeit unseren Beiträgen gegenüber. Das freut uns.
Nun ist es, wie wohl bei jedem Blog, dass es unter den Kommentaren (selten) Beiräge gibt, die nicht freigeschaltet werden können, weil sie entweder verbale Tiefschläge versetzen oder aber aüßerst flach und feindselig sind. Häufiger sind Versuche, Diskussionen mit atheistischem Inhalt zu beginnen, die aber besser auf Plattformen geführt werden, die dafür da sind. Wir versuchen da zu unterscheiden, was als Frage  oder Anregung gemeint ist, also den Faden der Blogbeiträge aufgreift, und was einfach nur Gegenwind sein soll.

In der letzten Zeit gibt es von anonymer Seite eine Menge Kommentare, die entweder ziemlich belanglos loben oder aber ebenso banal Gegenposition beziehen. Es wirkt wie ein Versuch, nachzuweisen, dass wir positive Reaktionen veröffentlichen und kritische nicht.
Dazu sei gesagt: die Banalen Gegenpositionen werden nicht freigeschaltet, weil sie unter die Rubrik "inhaltsfreier oder atheistischer Beitrag" fallen. Nicht die andere Denkweise ist das das Problem.

Wir bitten alle Kommentatoren, möglichst nicht anonym zu posten. Ein Beitrag, mit dessen Autor man sich gegebenenfalls auseinandersetzen kann, entspricht der hier gewünschten Diskussionskultur.

Vielen Dank!

Donnerstag, Dezember 19, 2013

Mensch oder Maschine? Sehr geehrte Frau Ministerin Schwesig,

was unterscheidet einen Menschen von einer Maschine? Wann handelt ein Mensch wie eine Maschine?
Der Unterschied ist die Beziehung, die der Mensch zu dem hat, was er tut, und die der Maschine fehlt. Wie eine Maschine handelt ein Mensch, wenn er etwas abwickelt, ohne wirklich involviert zu sein. Als Mensch maschinell zu handeln, ist unmenschlich.
Ich bin daher vollkommen auf Ihrer Seite, wenn Sie feststellen, Frauen dürften nicht die Gebärmaschinen der Nation sein. Es gäbe wenig, was menschenunwürdiger ist, für Frau und Kind. Frauen nur als Kinderlieferantinnen zu nehmen ist ebenso unmenschlich wie in Kindern nur Zukunftsgaranten zu sehen. Ich denke, soweit sind wir uns einig.

Nun haben Sie, Frau Ministerin, da möglicherweise ein systemimmanentes Problem: auch in Ihrer Amtszeit wird jedes einzelne Kind von einer Frau geboren werden, oder es wird nicht geboren werden. Damit sind Sie gefordert, denn es fällt in Ihr Ressort, die Bedingungen dafür zu schaffen, dass Frauen Kinder bekommen können, ohne zu Gebärmaschinen zu werden.

Grundsätzlich bleibt Ihnen wenig Auswahl. Entweder Sie wehren sich gegen die biologische Tatsache, dass nur Frauen die Kinder bekommen (woran wir Männer ausnahmsweise unschuldig sind) – dann kämpfen Sie mit viel Empörung einen aussichtslosen Kampf. Oder Sie schaffen die Voraussetzungen dafür, dass Frauen gerne Kinder kriegen – dass lösen sich große Teile des Problems von selbst auf. Was dann an Schwierigkeiten übrig bleibt, wäre genau das, was auf die Agenda einer guten Familienministerin gehört.

Nun beobachte ich, dass die Politik für Frauen eine Lebensbild entwirft (Anm.: können die das nicht selbst?), in dem die Frau als möglichst unbehinderte Arbeitskraft dasteht. Und das Kinder als das größte Hindernis ausgemacht werden, das Frauen zu überwinden haben. Folglich laufen nahezu alle politischen Maßnahmen darauf hinaus, Frauen und Kinder möglichst schnell zu trennen. Damit wird zugleich für eine innere Distanzierung der Frau von ihren Kindern geworben, indem das kinderlose Leben als Ziel hingestellt wird. Denn Frauen werden laut Politik nur glücklich, wenn sie voll arbeiten und sich darauf konzentrieren. (Wieder meine Frage: wissen die das nicht selbst besser?)

Innere Distanz und schnelle räumliche Trennung sind jedoch Maßnahmen, die die Beziehung zwischen Mutter und Kind schwächen. Sie sind damit bestens geeignet, das Gebären von Kindern abzuwerten und in die Nähe eines maschinengleichen Vorgangs zu rücken. Je mehr Sie Ihre Aufgabe darin sehen, Kinder aus den Familien herauszuholen, desto mehr degradieren Sie Frauen zu Gebärmaschinen. Und so sehe ich es mit Sorge, dass Sie, Frau Ministerin, für eine Politik eintreten, die Familien das Leben schwer macht (es sei denn, man versteht unter Familie, dass beide Eltern voll arbeiten, die Kinder von anderen betreut werden und man sich am Abend für kurze Zeit sieht, wenn der Schichtplan es zulässt). Dass Sie Lebensentwürfe bewerten und sanktionieren, indem Sie Frauen vorschreiben, wie sie sich zu verstehen haben (wobei das weder ihre Aufgabe ist, noch Ihre Kompetenz fällt und zudem ihre demokratische Legitimation weit übersteigt).

Ich bitte Sie daher, Familien die gleiche Unterstützung zukommen zu lassen, gleich ob man sofort wieder arbeitet oder erst einmal einige Jahre zuhause bleibt. Lassen Sie den Müttern und Vätern wirklich die Wahl.
Schaffen Sie bitte nicht vorab Rahmenbedingungen und nehmen Sie nicht vorab Bewertungen vor, die letztlich Manipulation und Nötigung zu einem bestimmten Lebensweg sind.

Zuletzt noch meine Rechtfertigung, wie ich als Mann dazu komme, über dieses Thema zu schreiben: Wenn ich bemerke, dass meine Frau zur Gebärmaschine abgestempelt wird, werde nebenbei ich zur Zeugungsmaschine. Und, Frau Ministerin: das passt mir nicht!

Mit freundlichen Grüßen

Dienstag, Dezember 17, 2013

ZDK fordert Änderung der Zahl PI

[Von Bastian]
Das ZDK fordert, die Kommastellen der Zahl PI auf ein vernünftiges Maß zu begrenzen. Eine Zahl, die niemand ausrechnen könne, sei letztlich sinnlos und entspreche nicht der tatsächlichen Lebenssituation der Menschen. "Umfragen und Studien haben ergeben, dass selbst hochkarätige Mathematiker die Zahl abkürzen" wird das ZDK zitiert. "Schülern ist heutzutage die Vorstellung unendlich vieler Stellen nicht mehr zu vermitteln. Auch mit gerundeten Zahlen ist verantwortungsvolles Rechnen möglich. Vor dieser gängigen Praxis können wir die Augen nicht verschließen!"

Betont wurde die Wichtigkeit, angesichts Pisa-Ergebnisse gerade bei komplexen Gleichungen mit den Menschen der ganz normalen Bevölkerung in einen ergebnisoffenen Dialog auf Augenhöhe einzutreten. Anders sei Mathematik heute nicht mehr zu vermitteln. Das dogmatische Festhalten an etwas, das letztlich niemand nachvollziehen könne, stehe einem zeitgemäßen Verständnis von Mathematik entgegen.

Es ist für das ZDK an der Zeit, in Berechnungen nicht so sehr auf Richtigkeit zu achten, als vielmehr auf den freudigen Umgang mit Zahlen an sich, der die Grundlage allen Rechnens sei.
Man habe Verständnis dafür, dass es Zeit brauche, etwas zu ändern, das so alt sei wie mathematische Gesetze. Das sei jedoch kein Grund, die Probleme nicht anzugehen. Ein erster Schritt könne sein, in Motoren künftig neben Kugellagern auch Würfellager einzubauen.

(Ja, das meine ich wirklich: angesichts der Umfrageergebnisse zur Sexuallehre der Kirche die Lehre zu ändern ist etwa so sinnvoll, wie angesichts der Pisa-Studien die Mathematik zu modifizieren.)

Montag, Dezember 16, 2013

Klar! Oder?

[Von Bastian]
"Eytan Reif von der Initiative „Religion ist Privatsache“ hat nun angekündigt, per Antrag Auskunft darüber zu verlangen, wie groß der Anteil an christlichen Schülern ist." (LINK)

Äh - was? Einmischung in Privatangelegenheiten?
Noch deutlicher kann man es gar nicht machen: dass man sich selbst nicht glaubt.
Die Rasterfahndung ist problematisch, weil sie auch Leute erfasst, gegen die gar kein Verdacht vorliegt. Dieses System setzt noch einen drauf. Jeder, gegen den nichts vorliegt, ist gerade deshalb verdächtig. 

Die Logische Kette:

  • Euer Privatleben geht mich nichts an.
  • Weil es mich nichts angeht, will ich es nicht hören.
  • Damit ich es nicht hören kann, müsst ihr darüber schweigen.
  • Damit ich auch sicher nichts Privates höre, muss ich sicher sein, dass Ihr über das Richtige schweigt.
  • Damit ich sicher sein kann, muss ich wissen, worum es da geht.
  • Also erzählt mir mal, was mich nichts angeht, damit ich weiß, was ich nicht wissen will
Klar Mensch! Sicher doch. Dass ich das nicht vorher kapiert habe!

Dienstag, Dezember 10, 2013

Heiliger Geist – Taube oder schräger Vogel?

[Von Bastian]
Der Geist weht bekanntlich, wo er will.
Jahrhundertelang hat er uns damit herausgefordert: kein menschengemachtes Konzept war möglich, das er nicht irgendwann gesprengt oder verlassen hätte, wenn es nicht sprengbar war. Die Botschaft war und ist immer: Gott ist größer, Gott ist anders. Der Geist ist frei und macht frei. Er reißt persönliche Grenzen ein, lockt aus dem Gewohnten heraus ins Dynamische. Der Geist schafft Frieden. Er erweitert den Blickwinkel und verhindert so eine verknöcherte Selbstbezogenheit, aus der Konflikte entstehen. Der Geist ist sanft, denn er macht keinen Druck, sondern führt in die Weite. Die Taube ist ein schönes Bild für ihn: der friedliche Vogel, der sich überall niederlassen kann.

Wer ihm zu folgen versucht, erlebt: das ist anstrengend, denn der Geist hat Tempo drauf! Zumindest mir geht das so. Tauben gehören zu den sehr schnellen Fliegern. Ständig wird man von ihm korrigiert und gewandelt – nicht als Vorwurf, sondern als persönliche Entwicklung. Denn der Geist ist bei jedem ganz persönlich.
Auch das ist das Wesen des Geistes: er ist uns voraus. Dabei ist der größte Kampf der, unsere Vorstellungen vom richtigen Lebensweg loszulassen. Wir sind ihm am nächsten, wenn wir uns klar sind, dass er Gott ist, dass er der Herr ist und dass er größer ist. Wenn wir über uns hinauswachsen können, weil er uns dazu befähigt.

Für mich ist das essentiell: der Geist stellt MICH in Frage. Immer. Denn nur, wenn ich ihm meine Grenzen anvertraue, kann ich ihm folgen. Und auch Grenzen habe ich immer.

Da ich noch keinen grenzenlosen Menschen kennengelernt habe, misstraue ich jedem, der die Sache umkehrt. Der nicht dem Geist folgt, sondern ihn im Gegenteil für sich in Anspruch nimmt. Es ist eine billige Methode, die eigenen Gedanken zum Wirken des Geistes zu erklären, weil andere durch sie herausgefordert werden. Der Geist ist Gott sei Dank kein Vogel, der persönlichen schrägen Gedanken Flügel verleiht.
Es ist eine Sache, dem Geist zu folgen und andere mit ihm bekannt zu machen, oder besser: das zu versuchen. Es ist eine andere Sache, andere aufzufordern, mir zu folgen, weil ich angeblich den Heiligen Geist habe. Das erste führt in die Freiheit, das andere in die Abhängigkeit. Bei Forderungen im Namen des Geistes geht bei mir die Warnlampe an. Dort wird nicht in die Weite geführt, sondern Druck aufgebaut. Das mag erst einmal wirken, doch irgendwann merkt man, dass der Geist weht, wo er will.
Das Gebet mag gegenüber der Forderung schwach aussehen, aber der Adressat ist stärker: das Gebet geht zu Gott, die Forderung an die Menschen. Eine Gebetsinitiative mag klein wirken gegen geplante mediale Meinungsmache, doch sie ist stärker, weil Gott stärker ist. Der Beter vertraut sich Gott an und kann nehmen, was er von ihm bekommt, denn er weiß sich geborgen. Er ist dem Forderer, der nur eine (seine) Richtung kennt, weit überlegen.

Samstag, Dezember 07, 2013

Kultur der Offenheit

(Peter Esser) Update Kölner Kircheninitiative: Ich habe von der Kölner Kircheninitiative ein anonymes Standardschreiben auf meine Anfrage nach dem Grund meiner Sperrung erhalten  – meine eigene E-Mail war mit vollständigem Namen, Telefonnummer und Adresse versehen. Das sind ja schon Kommunikationskünstler. (Hilfreich war das Schreiben nicht.)

Hintergrund: Ich bin einer der auf der Facebookpräsenz der Kölner Initiative blockierten Facebook-User.

Freitag, Dezember 06, 2013

Filosofie der Kircheninitiative


  • Freiheit ist die Freiheit der Andersdenkenden. Die Andersdenkenden sind wir.
  • Wir fordern Mitsprache! Bitte alle mitsprechen: „Wir fordern Mitsprache!“. Wer anders denkt, soll sich bitte heraushalten, denn das Thema ist uns wichtig.
  • Es kann nicht sein, dass andere für uns den neuen Kölner Bischof wählen. Wir wollen mitentscheiden! Natürlich kann nicht jedes einzelne Gemeindemitglied mitwählen, deswegen wollen wir das für euch tun.
  • Wir wollen eine neue Kirche. Wir lehren nicht, was man glauben soll, sondern worüber man sich empören muss.
  • Vox populi – vox dei: Der Wille des Volkes und der Wille Gottes sind für uns identisch. Den Willen des Volkes geben wir mit unserer Kampagne vor.
  • Da Gottes Wille der Wille des Volkes ist, ist Geborgenheit im Mainstream für uns die Erlösung. „Im Mainstream dieser Erde gibt es viele Wohnungen“. Außerhalb des Mainstreams zu stehen ist für uns die Hölle. Menschen in der Hölle sind für uns als erlöste Christen natürlich keine wirklichen Gesprächspartner.
  • Eine Zensur von Andersdenkenden darf in der Kirche nicht stattfinden! Weil wir die Andersdenkenden sind, ist es Zensur, wenn man uns angreift. Daher löschen wir auf facebook gnadenlos allzu kritische Kommentare: wir lassen uns nicht zensieren!

Donnerstag, Dezember 05, 2013

Kreatives Wortspiel auf Initiativniveau

[Von Bastian]
Wenn schüllernde Persönlichkeiten versuchen, sich weit hinauszulehnern, um hausgemachte Wahrheiten zu verküngdigen, spricht das nicht für vermertes kirchliches Wissen. Sie haben den Eltz der Lage nicht erkannt. Ich schließe metterscharf: die glauben, im Vatikan sei man demelig.

Biblische Binsenweisheit

[Von Bastian]
Liebe Hintermänner der Initiative,

Ihr nehmt Anstoß am Bischof von Köln. Doch statt Euch anstoßen zu lassen, versucht Ihr lieber dafür zu sorgen, dass der nächste potentielle Stein des Anstoßes aus Plüsch ist. Dann stoßt Ihr Euch nicht, aber es kann sich auch niemand darauf stützen.
Ihr werdet keinen Erfolg haben, auch wenn es vielleicht anfangs für Euch so aussehen mag, denn Ihr seid nicht ehrlich. Ihr plant die Emotionen anderer für Euch ein und manipuliert.
Ich empfehle Euch: lest die Bibel. So etwas wird nicht funktionieren, nichts bleibt verborgen. Am Ende werden die Spatzen nicht von den Dächern pfeifen, was Ihr ihnen beigebracht habt, sondern dass Ihr es ihnen beigebracht habt.

Mittwoch, Dezember 04, 2013

Nach brisanten Enthüllungen: Pastoraltheologe auf der Flucht!

Unbestätigten Gerüchten zufolge befindet sich der bisher eher dem liberalen kirchenpolitischem Spektrum zugeordnete Whistleblower Paul Zulehner auf der Flucht vor einer dubiosen Geheimorganisation, die versucht hat, in Köln einen genehmen Erzbischof als Marionette zu installieren. Nachdem er auf seiner Internetseite »Colonialeaks« den detaillierten Verschwörungsplan offengelegt hatte (die Seite wurde wegen der großen Brisanz rasch wieder vom Netz genommen), fehlt vom Wiener Doppelagenten jede Spur. Kirchenrechtler Dr. Werner Treppkes erteilte Spekulationen, er könne sich in das virtuelle Bistum Partenia abgesetzt haben, eine Absage. »Da käme er vom Regen in die Taufe! Viel wahrscheinlicher ist, daß er sich auf dem prunkvollen Gästeklo eines nicht genannten deutschen Diözesanbischofs aufhält.«

Freitag, November 29, 2013

Unrhein! Unrhein!

[Peter Esser] Die Stärke des Rheinländers an sich ist doch gerade, daß unsereiner sogar mit OBERSCHWABEN klarkommen KÖNNTE. Der WAHRE Rheinlandversteher ist der, der das Rheinland nicht versteht und so die rheinische Tugend des Gewährenlassenkönnens erst zur Entfaltung bringt. Ich finde die Vorgehensweise der Kölner Protestler EXTREM unrheinisch. Dem Rheinen ist alles Rhein.

Mittwoch, November 27, 2013

Sprungbereite Diskussionsfreudigkeit

[Von Bastian] Der Papst hat geschrieben. Bevor ich davon aber auch nur ein einziges Wort gelesen habe, weiß ich auch schon, was ich lesen werde und wie es zu verstehen ist. Das nervt, und darüber muss ich meinen Ärger einmal loswerden.

In Portalen und auf Facebook häufen sich die Anmerkungen der schnellen Leser. Nahezu alles, was ich dort lesen durfte, dreht sich allerdings nicht um das Schreiben selbst. Stattdessen wird ausgiebig versucht, es mit vorher feststehenden Meinungen zu vergleichen und zu deren Bestätigung auszuschlachten. Von allen Seiten wird munter aufgezählt, was der Papst bitte zu verkünden hätte, wird interpretiert, was er eigentlich meint.
Trifft der Heilige Vater nicht exakt die eigene Wortwahl, redet er schwammig. Schlägt er nicht um sich, ist er wahlweise zu lasch oder ein Freiheitsrevolutionär (wobei auch die zu revolutionierende Freiheit genau definiert ist). Was Romtreue ist, wird bekanntlich in Deutschland festgelegt.
Nicht mehr lange, und es wird in vielen Diskussionen nur noch um einige wenige Aussagen des Schreibens geben. Diese Diskussionen werden zu stereotypen Wiederholungen bekannter Positionen, bis sich die Beteiligten ermüdet in ihre traurige Gewissheit zurückziehen, dass die Welt schlecht ist und der Papst schwach. Es ist ein trauriges Aggiornamento: Glaube wird zum Hadern an Kirche und Zeit. Wie man mit dieser Aussage missionieren will, ist mir schleierhaft.

Mich nervt das. Daher mache ich jetzt etwas, das man eigentlich nicht tun sollte: Du-Botschaften senden.
Hört auf damit! Mit Eurem Gezänk seid Ihr in der Lage, anderen den Zugang zu Gott und zur Kirche zu verbauen. Ihr habt beklagt, Deutschland habe die Chance verpasst, auf Benedikt zu hören, oder Ihr seid froh, dass er weg ist. Nun, gerade seid Ihr dabei, auch den nächsten Papst zu verpassen.

Dienstag, November 26, 2013

Schlechterstellung

[Von Bastian] Man geht „davon aus, dass das Karlsruher Gericht ohnehin die Schlechterstellung gleichgeschlechtlicher Lebenspaare auch bei Adoptionen kippen wird.“ (LINK)
Mir graust es!
Nicht, weil da Schwule oder Lesben ein Kind erziehen wollen, sondern weil es in unserem Land überhaupt möglich ist, dieses Thema so zu behandeln.

Ich halte es für einen Fakt, dass es bei Fragen der Adoption ausschließlich um die Frage gehen darf, was für die Kinder das Beste ist. Nicht aus Rührseligkeit, sondern aus dem praktischen Grund, dass jeder, der in irgendeiner Form ein Recht auf eine Adoptionsmöglichkeit postuliert, faktisch damit ein Recht an anderen Menschen fordert.
Adoption auch nur ansatzweise so zu verstehen, dass die Kinder dafür da sind, anderen ihr Recht auf sie zu erfüllen, ist letztlich dieselbe Haltung, mit dem man als Kunde auf einen Sklavenmarkt geht: meine Wünsche werden durch das Schicksal eines anderen Menschen erfüllt, der sich das nicht aussucht.

Ein Recht auf Menschen oder an Menschen gibt es nicht. Doch bei uns werden sie künstlich gemacht, wenn sie fehlen, oder abgetrieben, wenn sie fehl am Platze sind. Und mit Überzähligen werden Wünsche erfüllt.
Es ist eine Frage der Zeit, bis die Zugehörigkeit von Kindern zu ihrer Familie auf der Ebene diskutiert wird, wer mehr Rechte an ihnen hat: die Eltern oder die Gesellschaft. Irgendeine Schlechterrstellung, die das begründet, wir sich finden.
Wie gesagt: mir graust es!

Der Kampf der Abtreibungslobby geht weiter.

[Von Bastian]
Der Kampf der Abtreibungslobby geht weiter. Wie Familienschutz berichtet, soll kurzfristigst erneut soll über den "Estrela-Bericht" abgestimmt werden (LINK). Änderungen wurden nicht vorgenommen.

Ich habe meine Gedanken, was man einem anders denkenden Parlamentarier sagen sollte, einmal als Aufruf zusammengefasst. Kritik herzlich willkommen!

EDIT: Ich sehen gerade, dass der Beitrag wohl zu spät kommt. Ich lasse ihn trotzdem stehen.


Sehr geehrte/r XYZ,

Ich möchte Sie als Vertreter unseres demokratisch gewählten Europäischen Parlaments aufrufen, der Position, in die Sie gewählt wurden, aufrichtig und im Sinne dieser Wahl gerecht zu werden.
Anlass dieses Aufrufs ist die erneute Abstimmung über den „Estrela-Bericht“ zur „sexuellen und reproduktiven Gesundheit“.
Dieser Bericht ist am 22.10.2013 vom Europäischen Parlament an den Frauenausschuß zur Neuberatung zurückverwiesen worden, weil die Mehrheit der Abgeordneten über diesen politisch hoch brisanten Bericht in der vorliegenden Form nicht hatte abstimmen wollen. Dennoch soll der Bericht nun unverändert wieder vorgelegt werden.
Es soll offensichtlich, dass hier versucht werden soll, politisch ungewollte Folgen des Bürgerbegehrens „One of us“ im Voraus zu verhindern – daher dieser Zeitdruck.

Der Respekt vor dem anders Denkenden ist eines unserer höchsten demokratischen Güter. Die Verfahren, die zu Entscheidungen führen, sollen dieses Gut schützen. Sie als Parlamentarier sind aufgerufen, diesen Schutz zu gewährleisten. Daher sollte Ihnen bewusst sein, dass die erneute Vorlage diesen Schutz gezielt umgehen will. Änderungsanträge wurden nicht zugelassen, Gesprächsangebote an die Berichterstatterin Edite Estrela wurden nicht angenommen. Stattdessen wird versucht, dasselbe so lange vorzulegen, bis das Ergebnis stimmt. Das ist undemokratisch und verstößt gegen alle Gepflogenheiten des Europäischen Parlaments. 

Auch wenn Sie weltanschaulich anderer Meinung sein sollten, bitte ich sie dringend, sich an diesem Prozedere nicht zu beteiligen und die erneute Vorlage abzulehnen. Denn auch wenn wir in einigen Dingen uneins sein sollten (z.B. Zuständigkeit:  Abtreibung und Sexualerziehung fallen unter nationale Entscheidungskompetenz), eint uns mit Sicherheit eines: in der Sorge um wirkliche Demokratie in unserem Europa.
Ich wende mich daher gerade an Sie als möglicherweise anders denkenden Manschen: schützen Sie bitte mein Recht. Bewahren Sie die Aufrichtigkeit des Parlaments, in das Sie gewählt wurden. Werden Sie Ihrer Rolle als demokratischer Vertreter der Bevölkerung gerecht und verhindern Sie eine Entscheidung, die die Bezeichnung „demokratisch“ nicht verdient.
Dazu rufe ich Sie dringend und nachdrücklich auf!

Mit freundlichen Grüßen


Sonntag, November 24, 2013

Gewissensfreiheit und Gott – wo steht Franziskus?

[Von Bastian] Eine der päpstlichen Aussagen, an denen sich die Geister scheiden, ist die, auch ein Nichtglaubender müsse auf sein Gewissen hören und «sich dafür entscheiden, dem Guten zu folgen und das Böse zu bekämpfen, so wie er es versteht». Dazu gab es auf Facebook eine kleine Diskussion über das Gewissen, über die ich mir Gedanken mache.
Ich begegne bei diesem Thema zwei Argumentationslinien, die beide schlüssig sind.

Einmal scheint die Sache klar: selbstverständlich soll man seinem Gewissen folgen. Die alternative Forderung, im Zweifelsfall stattdessen der göttlichen Lehre zu folgen, ist ein doppelter Widerspruch in sich. Einmal ist Gottes Lehre die Lehre der Liebe. Gegen mein Gewissen lieben kann ich nicht. Zudem: erfüllte jemand tatsächlich gegen alles innere Bestreben Gottes Gebote – was wäre seine Motivation? Woraus schöpfte er den Willen und die Kraft, das zu tun? Wenn ich massiven Druck von außen ausschließe, wäre das, worauf er hört, genau das, was wir Gewissen nennen. Doch ein Appell an das Gewissen, sich gegen das Gewissen zu entscheiden, ist logischerweise ebenfalls Unsinn. Am Gewissen komme ich nicht vorbei: ich kann das Gute überhaupt nur in den Grenzen meines Gewissens tun – alles andere ist in sich absurd. Das Problem dieser Argumentation: es gibt in ihr außer der Gewissenlosigkeit keine Schuld.

Nun wurde in der folgerichtig Diskussion das Argument gebracht, dann seien auch Hitler und Stalin gerechtfertigt, wenn sie denn auf ihr Gewissen gehört hätten. Ich halte das in diesem Zusammenhang nicht für ein Totschlagargument mit Klischees, sondern für einen sehr guten Einwand: die zweite Argumentationslinie. Wenn ich nämlich nur dem Gewissen verpflichtet bin, gerate ich in den nächsten Selbst-Widerspruch. Hitler und Stalin stehen synonym für Verbrechen und Schuld. Irgendwo muss diese Schuld angesiedelt sein, ganz gleich, was die beiden dachten. Es muss eine Art objektiver Schuld geben, sonst empört sich gerade das geforderte Gewissen. Das Gewissen kann offensichtlich nicht autark sein. Es braucht eine Richtschnur, an der es sich ausrichtet. Das ist logisch: eine moralische Instanz, die alles für moralisch erklären kann, hat sich im selben Moment selbst abgeschafft, denn es gibt nichts mehr, dass sie klären müsste.

Nun baut sich ein Dilemma auf. Ich kann nur innerhalb meines Gewissens handeln, und brauche doch den übergeordneten Maßstab. Auf dieses Dilemma stoße ich allenthalben. Viele Ungläubige finden die Idee einer Lehre, nach der sich das Gewissen richten soll, absurd; sie lehnen den Glauben aus Gewissensgründen ab. Viele Christen hingegen lehnen ein Gewissen ohne Lehre ab. Die Diskussionen sind schwierig, denn beide haben mit ihren Gründen Recht, wenn sie auch beide, so denke ich, oft die falschen Schlüsse daraus ziehen. Denn weder das Ablehnen jeder Lehre als Bevormundung ist die Lösung, noch ihre Verkündigung ohne Rücksicht auf das Gewissen anderer. In beiden Fällen hat man, so meine ich, Gott vergessen.

Blickt man auf Gott, ist man nicht mehr selbst-bezogen. Die ganzen Widersprüche fallen in sich zusammen, wenn Er selbst ins Spiel kommt. Kenne ich Gott, so hat er selbstverständlich in meinem Gewissen einen Platz. Im selben Moment ist der übergeordnete Maßstab, den ich brauche, Teil meines Gewissens. Das Gewissen ist aus sich selbst heraus nicht mehr auf sich selbst fixiert. Gott erweitert es. Er schafft die Voraussetzung dafür, dass die Lehre als sein Wille erkannt und umgesetzt wird.
Dazu jedoch brauche ich Gott als Gegenüber. Gott Abstraktum, das ich in mir selbst finde, ist keine Hilfe. Der Blick ginge wieder nur auf mich selbst und das Gewissen wird letztlich haltlos. Zu erleben ist das im New-Age, wo viele Ideen erst einmal idealistisch und positiv erscheinen, sich letztlich aber als gegen Christus gerichtet entpuppen. Sie müssen den bekämpfen, der ihnen sagt: Ihr seid nicht euer eigener Herr, sondern Ich bin es. Doch auch die Vorstellung, die Lehre sei alles, kann Gottes ermangeln. Auch sie kann zum Kreisen um eigene Ideen werden, die man anderen wie eigenen Ideen verkaufen will und sich wundert, warum sie nicht angenommen werden, wo sie doch so wichtig sind. Vor meinem selbst-bezogenen Gewissen wird der andere schuldig, weil er nicht auf mich hört. Er soll jedoch auf Gott hören.

Bringe den Menschen die Lehre, rede ihnen ins Gewissen, und sie finden Gott – das mag immer wieder funktionieren. Doch ich vermute, viel häufiger muss es heißen: bringe den Menschen Gott, und in ihrem Gewissen wird Platz für die Lehre sein. Und so groß, wie unsere Lehre ist, braucht sie viel Platz!
Wie ich Papst Franziskus verstehe, will er dazu anregen, anderen Menschen diese Begegnung mit Gott zu vermitteln, die alles ändert. Dazu ruft er auf. Er respektiert den Ungläubigen, aber nicht, damit er es bleiben soll. Er tut es, damit dessen Gewissen, mit dem er Gott folgen soll, dafür intakt bleibt. Mir scheint, dass oft die Lehre dadurch verfälscht wird, dass sie wie eine Sammlung von Fakten vertreten wird, durch die nicht mehr hindurchscheint, dass es die Lehre der Liebe ist.
Für mich ist das Anliegen des Papstes Mission aus Liebe, und ich muss sagen, es spricht mich sehr an.

Samstag, November 23, 2013

Bemerkungen zum Ehebegriff

[Von Bastian]

Aus aktuellem Anlass wieder hochgeholt: In Kroatien wird über den Begriff der Ehe diskutiert (LINK) und in Deutschland wird diese Diskussion in den Bereich des Extremismus verwiesen. Ein paar eigene Gedanken dazu.

Wenn es Gesetz würde, den Begriff „Würfel“ auf alles auszuweiten, das einem Quader ähnlich sieht – was wären die Folgen? Das Wort „Würfel“ umfasst in seiner neuen Bedeutung nach wie vor das, was es vorher beschrieb, denn jeder Würfel ist auch ein Quader. Zusätzlich umfasst es jetzt auch alle anderen Quader. Positiv beschönigend ausgedrückt ist seine Bedeutung umfassender geworden. Tatsächlich ist seine Bedeutung verschwommen und unpräzise geworden. Und was dazu kommt: für richtige Würfel gibt es kein Wort mehr. Dabei hat sich an den Tatsachen nichts geändert: natürlich ist der Würfel hinterher noch ein Würfel und ein Quader ein Quader. Die Sprache wäre absichtlich ungenauer geworden – undenkbar.

Undenkbar? Nun, derzeit wird allgemein versucht, mit dem Begriff der Ehe genauso umzugehen: er soll auf alle anderen Formen der Lebens(abschnitts)partnerschaften ausgeweitet werden. Das erklärte Ziel ist, keinen Unterschied mehr zwischen den einzelnen Formen der Partnerschaft zu machen. Gleich dem Würfel im Beispiel ändert sich dabei an den Tatsachen nichts – es gibt die vor Gott geschlossene endgültig bindende Partnerschaft zwischen Mann und Frau nach wie vor, nur hat sie keinen Namen mehr. Die Sprache ist unpräziser geworden, denn die Gesellschaft beraubt sich der Möglichkeit, einen Inhalt zu formulieren. So macht sie sich selbst dümmer und ist stolz darauf. Das undenkbare ist eingetroffen.

Aber warum? Dass es dabei um das Ziel geht, die christliche Ehe auszuhöhlen, weil man selbst, triebgesteuert, wie man ist, nicht mit ihr klar kommt, liegt auf der Hand. Doch woher stammt die (abstruse) Idee, man könne durch Änderung der Begrifflichkeiten die dahinterstehenden Tatsachen mitändern? Literarisch gibt es dazu eine große Vorlage: „1984“ von George Orwell. Die dort beschriebene Gesellschaft beruht auf dem Prinzip, dass wahr ist, was ich wahrnehme, und dass ich wahrnehme, was politisch korrekt ist.
Das Werkzeug dazu ist „Newspeak“. Dabei handelt es sich um eine vorgeschriebene Sprache, in der die Bedeutung von Worten so verändert wird, dass für unangenehme (hier: dem Regime gefährliche) Dinge keine Begriffe mehr existieren. Ziel ist, bestimmte Dinge unmöglich zu machen, weil man an sie mangels Begriff nicht einmal denken kann. Damit sollen so genannte „Gedankenverbrechen“ unmöglich werden. Womit wir wieder beim Stichwort „undenkbar“ wären.

Dass wir selbst derzeit (ich behaupte: nicht mehr lange!) in einer Gesellschaft leben, die ihre eigene politisch und mainstreamtechnisch korrekte Wahrnehmung zur Wahrheit für alle machen will, ist evident. (LINKLINK) Doch sind wir tatsächlich bei der Idee von „Gedankenverbrechen“ angelangt? Ich denke, der Begriff der (natürlich abzulehnenden und schwerst zu bekämpfenden) „Homophobie“ ist die Antwort. Eine Phobie ist keine Tätigkeit, die man unter Strafe stellen könnte, sondern eine Haltung, eine persönliche Eigenschaft, eine Angst. Sie entzieht sich damit jeder Rechtsprechung: die Gedanken sind frei. Sollten sie zumindest sein. Der offene Versuch, eine Haltung notfalls (nur notfalls?) auch mit gesetzlichen Mitteln zu bekämpfen, zeigt, dass es bei uns inzwischen Gedankenverbrechen gibt, die zu begehen gefährlich ist. Eine wie auch immer geartete Ablehnung homosexuellen Verhaltens darf man nicht haben. Es kann den Job kosten, was, wenn es nach den Wortführern der Wortänderer geht, nur der Anfang ist. Und so werden schon kleine Kinder in neuen Schulbüchern darauf vorbereitet, dass es keine besondere Ehe, sondern nur Partnerschaften gibt, die vor dem Gesetz zufällig „Ehe“ heißen.

Da wird gesellschaftlich und politisch auf vielen Ebenen zugleich am selben Thema gearbeitet. Es erscheint koordiniert und zielgerichtet. Es steckt jemand dahinter, der weiß, was er will und was er tut. Und der zugleich so verblendet ist, nicht zu merken, dass das nur daneben gehen kann. Denn: Nichts verschwindet, weil ich seinen Namen verwische. Wenn ich mir an einem Mauervorsprung das Schienbein stoße, hilft es einfach nichts, das Licht auszumachen, damit ich den Vorsprung nicht mehr sehe: ich werde mich weiter daran stoßen, einfach weil es ihn gibt.
Oder biblisch gesprochen: Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, ist zum Stein des Anstoßes geworden. Einfach weil es wahr ist.

Freitag, November 15, 2013

...hat wenig von seiner Aktualität eingebüßt...

[von Bastian]
Vor ziemlich genau einem Jahr gab es diesen Beitrag schon einmal: den Speiseplan für eine kirchlich angehauchte Tagung.
Das Tagungsthema diesmal: "Was kann die Kirche vom Mainstream lernen?"
Das Menu ist aufgrund des Erfolgs nahezu dasselbe geblieben.


Als Vorspeise:
  • Carpaccio vom Schein an einer leichten Selbstverwirklichungs-Sauce mit kleinen Stückchen von verbranntem Hirn.

Als Hauptgerichte:
  • Liturgisches Frikassee an gequirltem Mainstream mit hausgemachter Wahrheit.
  • WiSiKi-Eintopf mit armen Würstchen.
  • Langendörfer Klopse mit Beschwichtigungs-Sauce.
  • Aachener Allerlei mit weichgekochten Liturgie-Splittern.

Für Weltbild-Freunde:
  • Pasta al porno an Sauce-Esoterique und geschriebenem Käse.

Für den kleinen Hunger:
  • Eulenspiegelei auf Toast.
  • 2 Scheibchen geballte Medienkompetenz. Dazu reichen wir Saure Gurken aus der Presse.

Als Nachtisch:
  • Einheitsbrei mit Süßholz-Raspeln.
  • Mousse „Inghoff“ au chocolate.
  • Ein Stückchen Limburger, Halbfettstufe.
Dazu kalter Kaffee.

Tischweine:
  • Wigratzbader Priesterrücken. Ein lang gelagerter dunkelroter Tropfen, edel, mit etwas staubigem, strengem Aroma. Nicht für jeden Geschmack.
  • Mannheimer Kreisstuhl. Ein leichter, süffiger eher farbloser Wein mit vollmundigem Aroma und etwas bitterem Nachgeschmack. Ein Wein für lockere Gespräche mit jedermann.
  • Schüllerer Zeitgeist. Ein wohlfeiler Wein, der leicht zu Kopfe steigt.
  • Schönborner Kardinal. Eine Nachlese, die geschmacklich zwischen dem Zeitgeist und dem Priesterrücken  zu vermitteln versucht.

Zur Entspannung gibt nach der Mahlzeit die Pfarrerinitiative ein kurzes Gastspiel.
Wir weisen darauf hin, dass das Abend-Mahl gemeinsam eingenommen wird, egal, was es gibt!

Endlich beantwortet!

[Von Bastian]
Die drei großen Fragen der Philosophie – wer bin ich, woher komme ich und wohin gehe ich – waren jahrhundertelang der Anstoß zu tiefen Überlegungen. Doch wenn diese Überlegungen auch zu großen Erkenntnissen führten, wurden die Fragen niemals abschließend beantwortet. Mehr noch, es kristallisierte sich immer weiter heraus, dass sie nicht zu beantworten sind. Es schien lange Zeit, als seien es weiniger Fragen, als Beschreibungen des Mysteriums menschlicher Existenz. Ein Irrtum, wie sich nun herausstellte.

Im Gegensatz zu früher wird heute ein anderer Lösungsansatz gewählt. Nicht einzelne Denker oder Gruppen von ihnen suchen die Antwort, sondern alle. Die „Schwarmintelligenz“, diese lange gesuchte intellektuelle Rechtfertigung des Zeitgeistes, fand heraus, dass die Antworten nicht in der Tiefe des Dankens liegen, sondern im Gegenteil ganz banal erscheinen. Der vereinigte Intellekt unserer Gesellschaft war in der Lage, sie herauszukristallisieren.

Und so lauten die klaren Antworten:

  • Wer bin ich? – Such’s dir selbst aus!
  • Woher komme ich? – Wen interessiert das?!
  • Wohin gehe ich? – Das weiß kein Mensch, aber wenn du keine Lust mehr hast, mach halt Schluss.

Danke, Schwarmintelligenz!