Freitag, Mai 17, 2013

Ein Aspekt meiner Glaubenentwicklung


[Von Bastian]

In facebook von einem netten atheistischen Menschen auf die ewige Verdammnis angesprochen, habe ich spontan dies geschrieben.


Die Angst vor der Verdammnis ist eine schwierige Sache. Das stimmt - diese Schwierigkeiten kenne ich selbst.

Was mir dabei allerdings wichtig war, als ich damit kämpfte (und der Kampf war lang und hart!): es war mir klar, dass es nicht darum geht, ob mir dieser Gedanke gefällt, sondern ausschließlich darum, ob er stimmt. Wenn es die Verdammnis gibt, will ich nicht hinein geraten, weil ich den Gedanken an sie doof fand und deshalb nicht zu Ende dachte.
Die Frage, der ich nachging, war nicht: pass das Christentum zu meiner Philosophie oder gefallen mir seine Konsequenzen, sondern: ist es wahr?
Diese Frage war die einzige, die mich interessierte. Denn wenn ich das Christentum auch blöd fand - und das tat ich! - war mir doch klar, dass Gott, wenn es ihn denn gibt, am längeren Hebel sitzt. Ich fand das unerträglich, aber kam nicht um diesen Fakt herum: Wenn es Gott gibt, tue ich gut daran, auf ihn zu hören.
Gott sei Dank sagte ich mir dann allerdings auch, dass es in diesem Fall wohl mein eigener Fehler ist, wenn ich ihn blöd finde, obwohl er über sich etwas anderes aussagt.

Als ich an dieser Stelle angekommen war, brauchte ich geistige Disziplin. Ich durfte auf keinen Fall in eine Art religiöses positives Denken abrutschen, dass wie eine selbsterfüllende Prophetie funktioniert: wenn ich zu allem ja sage und meine Kritikfähigkeit aufgebe, fühle ich mich im Glauben sehr wohl. Das kann und darf es nicht sein, denn Gott spricht von Freiheit. Ich musste mir meine Zweifel immer wieder bewusst machen, um glauben zu lernen. Ich musste ergebnisoffen sein, um Gott zu finden. Denn wenn er wirklich der ist, der er zu sein vorgibt, muss er zu finden sein, ohne dass man sich vergewaltigt. Ein dauerhafter religiöser Wahn wäre keine Alternative zur Hölle – das wäre die Hölle.

Die Frage, wie ich also Gott finden kann, ohne mich selbst zu manipulieren, hat mich lange umgetrieben, und das war gut so. Denn im Laufe der Zeit habe ich begriffen, dass ich falsch an die Sache heranging. Der Glaube war nicht durch Nachdenken allein erreichbar, ohne ihn selbst zu konstruieren. Den Glauben, begriff ich, gibt es nur im Zusammenspiel mit Gott selbst oder gar nicht. Und plötzlich wurde mir klar, dass ich ein sehr selektives Verhältnis zu Gott hatte: ich hatte versucht, ihn zu erreichen, ohne mir etwas einzubilden (was sich als unmöglich entpuppt hatte), aber ich hatte ihm keine Gelegenheit gegeben, mich zu erreichen. Ich hatte ihn als Prinzip verstanden, aber nicht als Person. Ich hatte Erkenntnis gesucht, aber nicht Begegnung. Ich hatte nicht gebetet.

Also habe ich gebetet, aber mit der bekannten geistigen Disziplin: ich habe versucht, dadurch aufrichtig zu sein, dass ich keinen Zweifel verschwiegen und kein falsches Versprechen gegeben habe. Denn so viel war mir klar geworden: entweder nimmt er mich, wie ich bin, oder er ist keine Alternative zur Verdammnis. Allerdings wusste ich zu unterscheiden zwischen mir und meinem halben Wissen: ich hatte lange genug in Zweifeln gelernt, dass ich mich selbst nicht zum Masstab machen kann. Gott durfte zu mir kommen und mich korrigieren, aber er musste das auch tun. Ich wollte keinen Widerstand leisten, aber auch nichts beschönigen.

Es gab kein gewaltiges Erlebnis oder so, aber es kam eine Entwicklung in Gang, die anhält. Langsam habe ich Gottes Art, die Dinge zu sehen, kennengelernt, und dabei mich selbst. Gott ist ein guter Erzieher mit viel Humor, aber er kann auch sehr deutlich und hart sein. Die meisten wichtigen Dinge bekam ich von Menschen gesagt, die ich nicht mochte. Und je mehr ich mit mir selbst konfrontiert wurde, desto einleuchtender wurde mir seine Logik: wenn ich nicht aus der Enge in mir selbst heraus komme in eine wirklich freie Begegnung mit ihm, mir selbst und den anderen, dann ist die Hölle keine Frage. So wie ich für mich bin, bin ich nicht ewigkeitstauglich. So wie Gott mich liebt, bin ich es wohl. Gottes Liebe zu mir ist das, was mich erst wirklich zu mir macht, wo es nicht eng ist und jeder Gedanke zu Ende gedacht werden kann.

Die Kunst der Manipulation aus Freiburg



[Peter Esser] Ich empfehle, diesen Vortrag von Professor Dr. Magnus Striet aufmerksam zu hören. Natürlich kann man dem Referenten dahin folgen, wenn er fordert, theologisch gelte es zu begreifen, »daß der Freiheitswille in der Moderne der frohen Botschaft vom menschenwilligen und unbedingt menschenfeundlichen Gott gerade nicht entgegensteht.« (04:30)

Aber was meint Striet eigentlich? – Das wird während des dreizehnminütigen Impulses nicht ausgesprochen. Er hätte die Sache ruhig verkürzen und sein Anliegen auf diesen Punkt eindicken können:

In der Moderne lernt nicht mehr die Welt von der Kirche; die Kirche bekehrt sich zur Welt. Nicht mehr der Bekehrungsweg des einzelnen ist gefordert, sondern die Bekehrung des Lehramtes.

Das sagt er natürlich nicht – und damit fängt die an sich belanglose Sache an, für mich interessant zu werden. Interessant ist für mich nämlich Striets codierte Sprache. Könnte ich wieder und wieder anhören. Theologie als Kunst der Manipulation. Nahezu dreizehn Minuten lang gelingt es ihm, seine Zuhörerschaft zum Zuhören, mitunter sogar zum Beifall zu bewegen, ohne die »hard facts«, die ich nur in den Bereichen »Kommunion für Wiederverheiratete, Segen für gleichgeschlechtliche Partnerschaften, Frauenpriester, und (ganz wichtig!) Dezentralisierung des kirchlichen Lehramts« vermuten kann, auch nur ansatzweise beim Namen zu nennen. Die Codes werden verstanden. Am Ende hat er (natürlich ohne es so zu sagen), die (natürlich angstbesetzte) konservative Position als »Sünde« bezeichnet. – Und damit im letzten Halbsatz zum ersten Mal einen tradierten religiösen Begriff in seinen Impuls eingeflochten.

So gelingt es den Wölfen, sich in Gegenwart der Hirten die Wollocken zu fönen, während die Schafe applaudieren.

Donnerstag, Mai 16, 2013

Die YOURS im Mai 2013


Mal was ganz anderes

[Von Bastian]

Ich bin Aquarianer, seit ich denken kann. Aquarien sind für mich eine Möglichkeit, sozusagen die Schöpfung zu meditieren. Die Beobachtungen sind für mich reine Erholung und Erkenntnis. Schon Konrad Lorenz schrieb: "Würfe ich alle Erkenntnis, die ich vor dem Aquarium  erlangte, in eine Waagschale, und in die andere das, was ich aus Büchern lernte - wie sehr schnellte diese empor!"  Ich verstehe ihn voll.

Vorgestern hatte ich die Gelegenheit, ein besonders schönes Meerwasserbecken zu fotografieren. Es steht im MegaZoo Düsseldorf und hat, wie ich finde, außergewöhnliche Farben.

Faszinierend, dass es sich bei allem Gezeigten um Tiere handelt. Pflanzen sind nicht im Bild.
Vielleicht gibt es ja außer mir noch einen Leser hier, dem bei diesen Bildern das Herz aufgeht.







Montag, Mai 13, 2013

Nachtrag zu Himmelfahrt


[Von Bastian]

Lange Zeit konnte ich mit Christi Himmelfahrt nichts anfangen. Bestenfalls war es ein Abschied, den ich eigentlich blöd fand.

Inzwischen ist mir die Himmelfahrt lieb und wichtig geworden, als Vollendung von Weihnachten.
Weihnachten kam Gott als Mensch auf die Erde - Christi Himmelfahrt stieg dieser Mensch als Gott in den Himmel auf.
An diesem Fest wird die Würde des Menschseins vollendet: einer von uns Menschen ist zugleich Gott im Himmel!
Das wurde selbst den Engeln und Cherubim nicht zuteil.
Unglaublich, was wir glauben dürfen.

Sonntag, Mai 12, 2013

ET IN ECCLESIA EGO



Nicolas Poussin, Die Hirten von Arkadien II. (1638–1640)


[Peter Esser] »In der Catholica bin auch ich« – manche Momente des Bloggertreffens in Bonn ließen die Assoziation mit diesem barocken Bildtypus zu. Vielleicht im Sinne eines saloppen »Hey, ich bin (doch) auch katholisch!« von Seiten der Blogger und von Seiten der oft gescholtenen (»gegrillten«) Medienverantwortlichen.

Vom Freitag bis zum Samstagabend trafen sich Blogger und Vertreter der kirchlichen Medienarbeit im Tagungshaus auf dem Venusberg. Vielleicht ist »Wahrnehmung« das Schlüsselwort dieser Tage. Es waren zwar nicht arkadische Faune, Schäferinnen und Gottheiten, die sich dort auf dem Venusberg begegneten, aber die Atmosphäre einer gespannten Erwartung war schier greifbar.

So tat es gut, daß wir die Praxis des ersten Bloggertreffens in Freiburg aufgriffen, den Tag durch das gemeinsame Gebet gliederten und so immer wieder auch zur Wahrnehmung des in unserer Mitte gegenwärtigen Gottes kamen.

Neben den offensichtlichen Wirken des Heiligen Geistes war es meiner Ansicht nach der umsichtigen Vorbereitung und Moderation durch Dr. Norbert Kebekus vom Erzbischöflichen Seelsorgeamt in Freiburg zu verdanken, daß alle Teilnehmer, die Blogger und Bloggerinnen selber, sowie die Vertreter von katholisch.de, der Geschäftsführer Dr. David Hober, die Redaktionsmitglieder Steffen Zimmermann und Christoph Meurer, der Politikwissenschaftler und Publizist Dr. Andreas Püttmann, sowie der Pressesprecher der Deutschen Bischofskonferenz, Matthias Kopp, auf dem Venusberg zu einem guten und für alle Seiten sichtlich bereichernden Miteinander fanden.

Dabei liefen die Wahrnehmungsprozesse keinesfalls konfliktfrei ab. Einige Blogger gestanden zu, daß sie das Portal katholisch.de kaum je rezipiert hatten, aber auch die Wahrnehmung der sogenannten Blogözese, also der nichtorganisierten katholischen Bloggerschaft als einer Gruppe von »Überzeugungstätern« schien für die Vertreter von katholisch.de eine neue Entdeckung zu sein. Mitunter gab es kurze Anfragen und Auseinandersetzungen, die besonders von Seiten der Blogger mit Nachdruck vorgetragen und geführt wurden. Aber auch der Auftrag des Internetportals katholisch.de, einen Fundus an spirituellen Angeboten, Hintergründen und verdaulichen Informationen über den christlichen Glauben bereitzustellen – und dabei Stimmen aus dem ganzen kirchlichen Spektrum bereitzustellen, wurde deutlicher. Anhand der Themen »Betreuungsgeld«, des »katholisch.de-Blogs« mit streitbaren Einzelthemen und des Kurzlexikons »Kirche von A-Z« wurde die Problematik der Themenfindung, aber auch der Kommentierung aktueller Entwicklungen in der Kirche diskutiert.

In diesem Zusammenhang war mir die Frage wichtig, wie man den Anspruch, »kein Missionsportal« zu sein, vor dem Hintergrund des Auftrags Jesu, »alle Menschen zu meinen Jüngern« zu machen, durchführen könne. Wir stehen in der Spannung zwischen der Rolle des distanzierten Beobachters und dem Verkündigungsauftrag der Kirche. Daß es nicht um die Rolle des Volksmissionars auf der Bretterkiste gehen kann, der auf das Volk herabpredigt, ist vorausgesetzt. Von Christus und seiner Kirche kann man jedoch nicht anders als mit Herzblut sprechen. Die ET-IN-ECCLESIA-EGO-Erkenntnis für mich war hier in erster Linie, daß wir mit katholisch.de ein empfehlenswertes Portal der Kirche haben. Die starke Präsenz der Redaktion von katholisch.de auf dem Bloggertreffen ist für mich eine deutliche Ermutigung, daß die Zeiten des Fremdelns zwischen professioneller katholischer Medienarbeit und frommer Freibeuterei der Blogger der Vergangenheit angehören.

Einen weiteren Themenschwerpunkt bildete die Begegnung mit Dr. Andreas Püttmann und Matthias Kopp. Dr. Püttmann skizzierte die Situation der katholischen Medienlandschaft in Deutschland – unter anderem nach dem Wegbrechen des katholischen »Flaggschiffs« des »Rheinischen Merkurs«. Seine Ausführungen fanden in vielem den Beifall der Blogger. Im internen Gespräch mit ihm und Matthias Kopp konnte die Problematik thematisiert werden, daß die gerühmte »Augenhöhe« im Dialogprozeß der Deutschen Bischofskonferenz oft nur zu erneuten Ausgrenzungen führt. Besonders da, wo Verbände wie das ZdK für sich beanspruchen, für katholische Laien zu sprechen, schien es mir wichtig, darauf hinzuweisen, daß sich katholische, »konservative«, also am Lehramt orientierte Christen oft mit ihren Anliegen marginalisiert fühlten. Auch hier gewann ich den Eindruck (»ET EGO IN…«), daß Blogger und Pressesprecher gegenseitig Verstehensbarrieren abbauen konnten.

Mein persönliches Fazit: Nicht nur die Freude am Glauben, sondern die auch Freude am Bloggen wurden während des Bloggertreffens gestärkt. Ein großes Dankeschön auch an den Stadtdechanten von Bonn, Msgr Wilfried Schumacher, der mit uns die Heilige Messe am Samstag feierte. Befreiend fand ich, daß die neuen Medien auch zu kurzen Wegen – nicht in einem ideellen Arkadien, sondern in der sehr konkreten ECCLESIA führen. Dabei ist für mich die Leitschnur das Gebet. Mir ist deutlicher geworden, wie oft Blogger und hauptberufliche Medienverantwortliche doch an einem Strang ziehen. Für mich ein Impuls, in die Bitte um den Heiligen Geist, die die Tage vor dem Pfingstfest liturgisch bestimmen, die Bitte um den Heiligen Geist für die kirchliche Medien einzuflechten. Komm herab, o Heiliger Geist!

Zum Weiterlesen:
Peter Winnemöller, Das Bloggertreffen war …
Pulchra ut luna: Gaudium verum res severa
St. Dymphnas Gedankenwelt
Religionspädagogik: Unterkomplex
Kalliopevorleserin: Bloggertreffen in Bonn
Beiboot Petri: Ein Wochenende in Bonn
Thomas sein Abendland: Wer recht spät kommt …
Non Draco sit mihi dux: Bloggertreffen 2013
Kathermometer: Bloggendentreffen auf dem Venusberg
Kreuzknappe: … reden miteinander
St. Christinas Ofenbank: #kbt13
Das Hörende Herz: Bloggertreffen, Review
Frischer Wind: Wir vom Seelsorgeamt
Bethanien bloggt: Teil I
Bethanien bloggt: Teil II
Pro Spe Salutis: Warum da nix bei rauskommen konnte

Donnerstag, Mai 02, 2013

Benedikt und Franziskus verstehen sich.

[Von Bastian]

Zum alten und zum neuen Papst:
Ich habe immer als Bild den Bau einer Kathedrale vor den inneren Augen.

Benedikt hat die Pläne gemacht und das Fundament gelegt. Das ist groß und kräftig geworden, sicher und fest verankert, und man konnte an ihm immer den Umriss des Bauwerks erkennen. Solide Wertarbeit.

Jetzt kommt Franziskus und baut auf den Fundamenten Pfeiler, Strebebögen, filigrane Säulen und große Fenster. Plötzlich ist der klare Umriss weg und alles wird zur Baustelle. Es ist beeindruckend, aber nicht mehr so einfach abzulesen. Es sieht viel zerbrechlicher aus, unfertiges muss noch von Gerüsten gestützt werden, Kunstwerke sind unfertig, Gewölben fehlt noch der Schlussstein.
Doch es ist der logische nächste Schritt - die logische Folge des soliden Fundaments. Kein Wunder, dass beide Päpste sich verstehen: sie bauen am selben Haus und wissen zu schätzen, was jeder tut.

Diskussionen, welcher Bauabschnitt der wichtigere ist, zeugen hingegen nur von mangelndem Sachverstand, genauso wie der Versuch, die Baustelle zur Ruine umzudeuten, weil man selbst zum Bauen zu faul ist und daher lieber klagt.

Samstag, April 06, 2013

Der Unterricht ist vorbei.

[Von Bastian]
Wenn man eine Sprache lernt, bekommt man Vokabeln beigebracht und die Grammatik erklärt. Hat man Glück, hat man einen Lehrer, der es versteht, das interessant zu machen. Hat man die Sprache bis zu einem gewissen Niveau gelernt, verlässt man die Schule und setzt das Gelernte ein. Jetzt, wo man sie nicht mehr ständig wiederholt, zeigt sich, ob die Übungen erfolgreich waren. Man lernt dabei im täglichen Einsatz weiter.

Wir hatten einen Lehrer, der uns die Sprache des Glaubens lehrte, die des Herzens und des Verstandes. Auf höchstem Niveau, unbeschreiblich interessant und faszinierend. Die Zeit an seiner Schule ist um. Der neue Chef wünscht nun unseren Einsatz als Lehrer und Übersetzer! Die Glaubenssprache muss denen, die sie nicht kennen, verständlich gemacht werden.

Er sagt nicht mehr so oft: „Lernt das und das“, sondern meistens „denkt an das, was Ihr könnt, und setzt es ein!“. Er hat Recht. Wozu hätten wir es sonst gelernt?
Nie käme er auf die Idee, damit zu meinen, es sei unwichtig, was wir gelernt hätten – im Gegenteil: genau damit schickt er uns los.

Ich weiß, dass meine ersten Schritte sicher stolpernd sein werden und meine Sprache stotternd.. Gott weiß das auch. Und solange es ihm nichts ausmacht, kann es mir egal sein.

Freitag, April 05, 2013

Das richtige gesagt, aber das falsche weggelassen.

[Von Bastian]

Es ist schon merkwürdig.
Auf Facebook gab es eine Diskussion über meinen letzten Beitrag (LINK).
Worum es ging: passend dazu um etwas, das ich NICHT erwähnt hatte: den Missbrauch. Dort sei Wandel dringend nötig (stimmt in vielen Dingen!) und der Text sei ein Plädoyer, das nach großer Angst vor Veränderung klinge.

Das Frappierende: die Diskussion mit der Person, die sich da engagiert, ist interessant und gut, auch wenn die Meinungen in ein paar Dingen sehr weit auseinander liegen. Und ich bin dankbar dafür, dass Menschen, die eine andere Meinung haben als ich, bereit sind, mit mir intensiv zu diskutieren und dafür richtig Arbeit in ihre Beiträge stecken. Darin steckt eine Bereitschaft zur Gemeinsamkeit auch mit Personen, deren Meinung als sehr defizitär empfunden wird, die ich bewundere und die vielleicht eine größere Einheit schafft, als viele ökumenische Bemühungen es könnten. Danke an dieser Stelle dafür.

Ich muss allerdings zugeben, dass es mich etwas fassungslos macht, dass ein Beitrag, in dem ich zur Ruhe angesichts von Änderungen aufrufe, als ängstlich kritisiert wird, und dass ein Thema, dass den Umgang mit der Schuhwahl des Papstes behandelt, sofort unter dem Missbrauchsaspekt gesehen wird.

Reden wir über Sex, kennt die moralinsaure Kirche kein anderes Thema. Reden wir nicht über Sex, ist gerade die Aussage darüber, dass wir Perversitäten gutheißen oder zumindest nicht anprangern.
Wie, ja wie nur können wir noch etwas vermitteln, was nicht unsere Sexualität respektive ihre Verzerrungen behandelt?

Donnerstag, April 04, 2013

Habemus Stress!

[Von Bastian]

Wir haben einen neuen Papst!
Ein sympathischer Mann, der aus einem anderen Kulturkreis stammt. So anders, dass Weihnachten dort ein Sommerfest ist und Ostern etwa dort liegt, wo wie Erntedank kennen. Wo Armut nicht anhand des Durchschnittseinkommens definiert und in Berichten festgehalten, sondern auf der Straße erlebt wird. Wo… kurz: es ist anders.

Dieser Papst hat mir viel Neues beizubringen. Wenn aber etwas neu ist, tue ich gut daran, es mir genau anzuschauen und zu versuchen, es zu verstehen, denn ich kenne es nicht: so geht Lernen.

Wie Lernen hingegen NICHT geht, erläutert am Beispiel der Multiplikation:
  • missbilligen, dass man sie nicht kennt.
  • missbilligen, dass etwas anderes als bei der Addition herauskommt.
  • fragen, ob es überhaupt erlaubt ist, zu multiplizieren.
  • dem Mathelehrer die Ehrfurcht vor der Addition absprechen.
  • feststellen, dass das x für „mal“ anders aussieht als das + für „und“ und deshalb anzweifeln, dass es sich noch um Mathematik handelt.
  • darüber diskutieren, ob Multiplikation nun die Fortführung der Addition oder ein Bruch damit ist.
  • hoffen, dass der Papst endlich die Subtraktion abschafft oder die persönliche Fußnote zur Grundrechenart erhebt.
Das vor Augen kommt man beim Lesen in den Medien schnell zu dem Schluss, dass große Teile unserer Bevölkerung hochgradig lernresistent sind, denn: genau so wird diskutiert. Absurd, das Ganze? Ja.

Offenbar erscheint Ungewohntes gefährlich, auch wenn es vom Heiligen Geist eingefädelt wurde. Könnte ja sein, dass der im Konklave nicht stark genug war oder nicht ganz bei der Sache.
Den Ausweg haben die Medien jedoch längst gefunden. Die gefahrlose Alternative zum Lernen ist das Spekulieren. Da brauche ich mich nichts Neuem zu öffnen, sondern kann die Dinge getrost von meiner gewohnten Warte aus im Hypothetischen halten. Es reicht, festzustellen, was anders ist, um den Unterschied dann anhand des Bekannten zu verwursten. Darauf stürzen sich derzeit die Medien! Denn Medien können sich sehr viel vorstellen, nur eines nicht: dass sie selbst zu einem Urteil noch nicht in der Lage sind.
Und so wird vor allem über das geredet, was nicht ist: nicht da, wie rote Schuhe, nicht mehr, wie Benedikts Art, Papst zu sein, oder noch nicht, wie das, was aus Georg Gänswein einmal werden könnte. Wird dann tatsächlich einmal über Franziskus geredet, dann fast immer im Zusammenhang mit einem „Nicht“: ob er die Fortführung vom Nicht-Mehr-Papst ist oder nicht, ob seine Bescheidenheit echt ist oder nicht etc. pp. Es wird spekuliert ohne Ende.
Das Schönste ist, dass man, gerade indem man nichts weiß, den Papst dabei viel besser zu verstehen glaubt, als er es selbst kann. Dadurch, dass er ständig mit unpassenden Maßstäben gemessen wird, erscheint auch alles unpassend und fremd, was er so tut. Man könnte den Eindruck gewinnen, der Papst sende unentwegt Zeichen aus, deren tiefen Sinn er selbst jedoch nicht ganz versteht. Dabei sind es in Wahrheit wir selbst, die gleichsam mit einer Karte von Deutschland durch Argentinien fahren, und, intelligent, wie wir sind,  feststellen, dass die Straßen falsch gebaut sind. Wir sind es, die es vorziehen, alles durch den Filter der Gewohnheit zu betrachten, anstatt Neues zu lernen. Durch diese Filter passt Franziskus nicht, und schon läuten die Alarmglocken. Kein Wunder, dass mancher sich Sorgen macht.

Es ist, denke ich, an der Zeit, sich Zeit zu lassen. Nicht nur der Papst braucht sie, sich in sein neues Amt zu finden – auch wir brauchen Zeit, ihn kennen zu lernen. Ihn und seine Art, Papst zu sein. Wir sollten uns selbst nicht so stressen! Nicht der vorschnelle Verdacht ist Stärke, nicht das Urteil ohne Basis, das gefällt wurde, bevor die Zeit dazu reif war, das Vorurteil. Hier liegt die katholische Kraft wirklich in der Ruhe, die nicht fragt „Was macht der Papst alles falsch“, sondern fragt: „Heiliger Geist, was willst Du von MIR?“

Mittwoch, April 03, 2013

Montag, März 25, 2013

Komplementäre Kontinuität


[Peter Esser] Katholische Los Wochos liegen hinter uns. Mitten in den Karneval – ich befand mich sogar im Brennpunkt des Düsseldorfer Straßenkarnevals – platzte die Nachricht vom Rücktritt des Heiligen Vaters, Benedikt XVI. Seit den ersten Tagen seines Pontifikats war Josef Ratzinger irgendwie mein Papst, denn zufälligerweise las ich während des Sterbens Johannes Pauls’ II, der anschließenden Trauerzeit und des Konklaves die »Einführung in das Christentum«.

Dieser Mann, mit dessen Gedankenwelt ich vertraut war, stand auf einmal der universalen Kirche als Vicarius Christi vor. Und dann einen Papst auf der Benediktionsloggia zu sehen, der nicht »Paul« oder »Johannes Paul« hieß, war eine neue Erfahrung. Eine völlig neue Erfahrung des christlichen Lebens war dieses unbefangene Schöpfen aus der geistlichen Tradition der Kirche. Ich begann, die Kirchenväter zu lesen, das Gebet wurde bereichert durch das konsequentere Mitbeten des Tagzeitengebetes. Ja, die Kirche in der Kontinuität ihres Lehrens und Betens war vertrauenswürdig. Das war eine geistliche Erfahrung, die mich innerlich stärkte und seither in meinem Denken und hoffentlich auch in meinem Tun leitete.

Aber ich wußte noch nicht alles von Josef Ratzinger, hatte seine Schriften und Gedanken zur Liturgie noch nicht zur Kenntnis genommen. Alles »Vorkonziliare« war noch ausgeblendet – und wie so vielen Katholiken schien es mir sogar etwas verdächtig. War die Wiederentdeckung des liturgischen Formalismus, des »recte et rite« nicht ein Rückfall in eine alte Gesetzlichkeit? In eine klerikale Arroganz, die notwendig in Widerspruch zu meiner in einer geistlichen Bewegung, der Charismatischen Erneuerung erworbenen christlichen Freiheit, des »du-zu-du« der Gottesbegegnung treten mußte? Im Jahre 2007 kam es zu diesen zungenbrecherischen Akt, dem Motu Proprio »Summorum Pontificum« … und prompt hatte ich mich zu fragen: Gab der Papst den »Gestrigen« mit ihrer alten lateinischen Messe recht?

Doch andererseits hatte ich nie einen Grund gehabt, Josef Ratzingers / Benedikts theologische Linie anzuzweifeln oder gar anzufeinden. Ich beschloß, der Sache auf den Grund zu gehen und wenigstens einmal eine solche Messe in der Außerordentlichen Form zu besuchen.

Mit dem Erfolg, daß ich meine neue Pfarrei gefunden hatte. Von diesem Weg habe ich ja bereits hier berichtet. Der neue Ritus bleib ja meine Heimat, aber die alte Liturgie wurde eine Gebetsschule; mir mehr und mehr vertraut.

Nun war der Papst also plötzlich nicht mehr … jedenfalls nicht mehr Papst, Statthalter Christi, Diener der Diener Gottes. Wenn man von der Trauer um einen plötzlichen Verlust die Trauer abzieht, bleibt der Schock. Trauer verbot sich von selbst, denn der Heilige Vater war ja nicht tot; er ließ seinen Gläubigen noch zwei viel zu kurze Wochen, sich mit den Gegebenheiten abzufinden.

Jeder geht mit einem schockierenden Erlebnis anders um. Ich wurde still; mein Alltag stellte mich ohnehin vor Herausforderungen, die schwer zu bewältigen schienen. Ich hatte Schwierigkeiten, die immer neuen Letztmaligkeiten anzunehmen: Die letzte Eucharistiefeier im Petersdom, die letzte Audienz, das letzte dies und das letzte jenes. Sogar das tägliche Gebet für den Papst wurde mir fast unaussprechlich: »Wir bitten Dich für unseren Papst Benedikt. Erhalte ihn deiner Kirche und gib, daß sie wachse im Glauben und in der Liebe« – das ging mir nicht mehr so leicht über die Lippen.

Und dann der Mittwoch vor zwei Wochen. Ich hatte die Abendmesse mit einem Freund besucht und das Smartphone mit der Pope-App auf der Bank liegen. Ausnahmsweise einmal. In das Schlußlied hinein auf einmal die Gewißheit: Weißer Rauch. Habemus Papam.

Nichts wie nach Hause; am TV verfolgten wir gebannt, wie sich die roten Samtvorhänge am Balkon bewegten. Bergoglio! – Ja, ich hatte mir bereits während der Sedisvakanz seinen Wikipedia-Eintrag herausgesucht, aber das war es auch – und dann: Qui sibi nomen imposuit Franciscum!

Ein Unbekannter stand auf einmal auf dem Balkon – ich war so verblüfft, daß mir nicht einmal auffiel, wie ungewöhnlich weiß die Gestalt des neugewählten Papstes aussah. Der lange Blick auf die Menschenmenge auf dem Petersplatz, als sei dies die erste Weise des Kennenlernens, das Betrachten. Der fast schüchterne Gruß mit einer Hand (»Hi!« würde ihm später eine Bildunterschrift in den Mund legen), die Augen, die zu fragen schienen: »Wißt ihr, was ich für euch zu tun im Begriff bin?«

Und der Name Franziskus. »Leo« wurde gemutmaßt, könnte ein neues Pontifikat charakterisieren. Einige hatten ja schon auf einen Piuspapst gehofft. Das Neue dieser Wahl und des Auftretens fiel auch einem bekennenden Nichtvatikanisten wie mir sofort auf. Auf die fehlende Mozzetta –ich gestehe es – hat man mich erst bringen müssen.

Aber wie konnte diesem Mann der einfachen Worte nicht meine Sympathie zufliegen? Wie können seine Predigten, die eher Exerzitienimpulsen gleichen, nicht das Herz für die Gegenwart Christi aufschließen? Benedikt und Franziskus, was für eine Regie des Himmels: Zwei Heilige, die für den Aufbau und die innere Reform der Kirche stehen, die mit den Charismen ihrer Gründungen für das Gesamte der Kirche stehen, für eine komplementäre Kontinuität!

Hatten einige Leute gehofft, der Papst würde irgendwann wieder einmal die Tiara, die dreistufige Papstkrone als Zeichen für die Königsherrschaft Christi anlegen, so bleibt jetzt die nüchterne Feststellung: So wenig monarchisch haben wir keinen Heiligen Vater gesehen. In das Lob der Demut und Bescheidenheit vermag ich nicht einzustimmen; denn der Papst ist meines Erachtens nicht bescheiden oder demütig. Er hat nämlich Romano Guardini gelesen, der in seinem Buch »Der Herr« feststellte, daß Demut im eigentlichen Sinne nur Gott selber zukommt. Der Mensch kann dieser Demut gegenüber nur »wahr« sein. In sehr energischen Entscheidungen hat Franziskus deutlich gemacht, daß er vorhat, »wahr« zu sein.

Das Ablegen päpstlicher Insignien steht in einer Tradition der letzten fünfzig Jahre. Das ist nichts radikal Neues, wie einige jetzt glauben. Ich bin sehr gespalten in der Frage, ob hier Wesensmerkmale des Papsttums zu Schaden kommen, aber ich vertraue dem Heiligen Vater. Und überhaupt: Sollte sich die Binde- und Lösegewalt des Papstes sich auf alles beziehen, aber nicht auf die eigenen Schnürsenkel?

»Und unter euch, im Kardinalskollegium, ist auch der zukünftige Papst, dem ich schon heute meine bedingungslose Ehrerbietung und meinen bedingungslosen Gehorsam verspreche.« Diesen Worten »meines Papstes« schließe ich mich aus ganzem Herzen an.

Samstag, März 23, 2013

Ergebnis religiöser Erziehung

Ich sitze vor dem Computer und betrachte das Bild von Franziskus und Benedikt gemeinsam auf der Kniebank. Ein Sohn kommt vorbei, sieht das Bild, stutzt und bleibt stehen. Er weiß, dass Bildbearbeitung bei mir zum Job gehört.
Sohn: "Was ist das denn? Wie haben die das denn gemacht?"
Papa: "Das ist echt. Die treffen sich gerade."
Sohn: "Und die beten."
Papa: "Ja."
Sohn: "Oh, geil!"
Und weg ist er.
Ich glaube, ich kann zufrieden sein.

Montag, März 18, 2013

Sonntag, März 17, 2013

Kleines Zeugnis

[Von Bastian]

Mein "dienstältester Freund" (wie wir das immer nennen) kam heute vorbei. Er hat mit der Kirche nichts am Hut (gelinde gesagt!).
Er meinte: "Du weißt, dass ich mit der Kirche nichts zu tun habe. Aber als ich den Namen vom neuen Papst gehört habe, hatte ich plötzlich ein ganz starkes Gefühl von Hoffnung!"
Ich sagte nur, der Name sei wirklich cool. Dann redeten wir über anderes. Ich gebe seit langem sehr viel auf seine Meinung!

Samstag, März 16, 2013

Arme Kirche!

[Von Bastian]

Wir tragen viel von Benedikt im Herzen. Wir haben es geliebt, wie er sich demütig in sein Amt einfügte. Er mag als Privatmann weder übermäßige Zurschaustellung seiner Person noch Pomp, doch beides nahm er mit seinem Amt auf sich. Mehr noch: er füllte all die Zeichen, die es in der Liturgie und im Protokoll des Vatikans gibt, derart mit Leben, dass man zu begreifen begann, wie großartig sie sind und welche Tiefe und Weisheit in ihnen steckt. Er erweiterte die Liturgie um den Alten Ritus. Er öffnete die große Kammer kirchlicher Schätze und holte, ganz biblisch, Altes und Neues daraus hervor. Benedikt machte die Kirche groß und reich.

Manches an den ersten Auftritten von Franziskus hingegen irritiert uns. Er betritt den Balkon nur in Weiß. Er setzt sich über viele Sitten und Erwartungen, die einen neuen Papst betreffen, hinweg. Er verwendet in seiner ersten Messe einen einfachen Volksaltar. Es kommt bei vielen nicht nur demütig und einfach, sondern fast schon wie eine Missachtung des Amtes an. Wie eine Geringschätzung dessen, was Benedikt erreichte.

Es wäre falsch, diese Irritation einfach als Engstirnigkeit oder geistliche Unbeweglichkeit abzutun. Wenn wir Benedikt ernst nehmen - und das tun wir! – ist es klar, dass wir Dinge vermissen, deren Wichtigkeit uns gerade durch seine Anleitung in den letzten Jahren immer klarer geworden ist. Kommt jetzt der Bruch?

Nein, es kommt kein Bruch. Was hier kommt, ist die Betonung eines Aspektes, den Benedikt längst eingeführt hat, der aber viel zu wenig in unser Bewusstsein gedrungen ist. Als Benedikt von Entweltlichung sprach, war das erste, was unsere Kirche in Deutschland klarstellte: dabei gehe es nicht um die Kirchensteuer, nicht ums Geld! Unser Wohlstand bleibe unangezweifelt. Es gehe eher um abstrakte Dinge wie eine innere Haltung oder geistliche Prioritäten. Die Perspektive materieller Armut der Kirche wurde zum Luxusgut, meditiert auf dem Berggipfel eines sicheren Steueraufkommens. Selten wurde eine praktische Aufforderung derart schnell in eine Theorie verwandelt. Selten sind einem Tiger derart schnell seine Zähne gezogen worden.

Wir sitzen am Fernseher oder Computerbildschirm und machen uns Gedanken. Das Prinzip geistlicher Armut haben wir oft diskutiert. Über Hartz IV und den Niedriglohnsektor auch – uns ist klar, dass hier Handlungsbedarf besteht.
Papst Franziskus jedoch kommt aus Argentinien, wo er lange Jahre Bischof war und täglich Dinge erlebte, sah und hörte, die es bei uns auch im Zeitalter von Hartz VI (fast) nicht gibt: wirkliche, lebensbedrohende Armut. Man sagt ihm ein großes Herz für die Notleidenden nach. „Ich möchte eine arme Kirche und eine Kirche für die Armen“ verkündet er bei seinem ersten Treffen mit den Medienvertretern, also genau vor dem Publikum, das für eine Verbreitung dieser Aussage Sorge tragen wird. Es ist ihm ernst. Es ist ihm so ernst, dass er es vorzieht, diesem Aspekt herauszustellen, als sich sofort in das Amt einzufügen, wie man es von ihm erwartet. In päpstlicher Vollmacht hat er dem Entweltlichungstiger als erstes neue Zähne verliehen – mehr und schärfere als er jemals hatte. Und die werden manches bei uns beißen, was uns lieb geworden ist.

Es geht nun nicht darum, dass wir ab jetzt die Freude an einer feierlichen Messe gering schätzen oder den kirchlichen liturgischen Reichtum für unwichtig halten sollen. Papst Franziskus möchte auf dem Glauben und der Freude daran aufbauen, die seit Benedikt auch daher kommt, dass wir unsere katholische Fülle kennen und schätzen. Es geht nicht darum, wichtige Dinge zu vermissen, sondern darum, andere wichtige Dinge zu lernen. Letztlich geht es um die Umsetzung dessen, was Benedikt lehrte.

Der neue Papst hat der europäischen Kirche ein großes Geschenk mitgebracht, das sie dringend braucht: die Armut.

Gedankensplitter

[Von Bastian]

Teilweise sind es Begriffe, vor denen wir erschrecken. Franziskus versteht die Kirche als etwas, das ständig voranschreiten muss. Die, die ständig Fortschritt wollen, haben in unseren Gemeinden jedoch schlimmen Schaden angerichtet. Wir werden lernen müssen, dass Voranschreiten und Fortschrittlichkeit im Sinne eines Memorandums nicht miteinander zu tun haben. Wir werden einiges lernen müssen.