Samstag, April 06, 2013

Der Unterricht ist vorbei.

[Von Bastian]
Wenn man eine Sprache lernt, bekommt man Vokabeln beigebracht und die Grammatik erklärt. Hat man Glück, hat man einen Lehrer, der es versteht, das interessant zu machen. Hat man die Sprache bis zu einem gewissen Niveau gelernt, verlässt man die Schule und setzt das Gelernte ein. Jetzt, wo man sie nicht mehr ständig wiederholt, zeigt sich, ob die Übungen erfolgreich waren. Man lernt dabei im täglichen Einsatz weiter.

Wir hatten einen Lehrer, der uns die Sprache des Glaubens lehrte, die des Herzens und des Verstandes. Auf höchstem Niveau, unbeschreiblich interessant und faszinierend. Die Zeit an seiner Schule ist um. Der neue Chef wünscht nun unseren Einsatz als Lehrer und Übersetzer! Die Glaubenssprache muss denen, die sie nicht kennen, verständlich gemacht werden.

Er sagt nicht mehr so oft: „Lernt das und das“, sondern meistens „denkt an das, was Ihr könnt, und setzt es ein!“. Er hat Recht. Wozu hätten wir es sonst gelernt?
Nie käme er auf die Idee, damit zu meinen, es sei unwichtig, was wir gelernt hätten – im Gegenteil: genau damit schickt er uns los.

Ich weiß, dass meine ersten Schritte sicher stolpernd sein werden und meine Sprache stotternd.. Gott weiß das auch. Und solange es ihm nichts ausmacht, kann es mir egal sein.

Freitag, April 05, 2013

Das richtige gesagt, aber das falsche weggelassen.

[Von Bastian]

Es ist schon merkwürdig.
Auf Facebook gab es eine Diskussion über meinen letzten Beitrag (LINK).
Worum es ging: passend dazu um etwas, das ich NICHT erwähnt hatte: den Missbrauch. Dort sei Wandel dringend nötig (stimmt in vielen Dingen!) und der Text sei ein Plädoyer, das nach großer Angst vor Veränderung klinge.

Das Frappierende: die Diskussion mit der Person, die sich da engagiert, ist interessant und gut, auch wenn die Meinungen in ein paar Dingen sehr weit auseinander liegen. Und ich bin dankbar dafür, dass Menschen, die eine andere Meinung haben als ich, bereit sind, mit mir intensiv zu diskutieren und dafür richtig Arbeit in ihre Beiträge stecken. Darin steckt eine Bereitschaft zur Gemeinsamkeit auch mit Personen, deren Meinung als sehr defizitär empfunden wird, die ich bewundere und die vielleicht eine größere Einheit schafft, als viele ökumenische Bemühungen es könnten. Danke an dieser Stelle dafür.

Ich muss allerdings zugeben, dass es mich etwas fassungslos macht, dass ein Beitrag, in dem ich zur Ruhe angesichts von Änderungen aufrufe, als ängstlich kritisiert wird, und dass ein Thema, dass den Umgang mit der Schuhwahl des Papstes behandelt, sofort unter dem Missbrauchsaspekt gesehen wird.

Reden wir über Sex, kennt die moralinsaure Kirche kein anderes Thema. Reden wir nicht über Sex, ist gerade die Aussage darüber, dass wir Perversitäten gutheißen oder zumindest nicht anprangern.
Wie, ja wie nur können wir noch etwas vermitteln, was nicht unsere Sexualität respektive ihre Verzerrungen behandelt?

Donnerstag, April 04, 2013

Habemus Stress!

[Von Bastian]

Wir haben einen neuen Papst!
Ein sympathischer Mann, der aus einem anderen Kulturkreis stammt. So anders, dass Weihnachten dort ein Sommerfest ist und Ostern etwa dort liegt, wo wie Erntedank kennen. Wo Armut nicht anhand des Durchschnittseinkommens definiert und in Berichten festgehalten, sondern auf der Straße erlebt wird. Wo… kurz: es ist anders.

Dieser Papst hat mir viel Neues beizubringen. Wenn aber etwas neu ist, tue ich gut daran, es mir genau anzuschauen und zu versuchen, es zu verstehen, denn ich kenne es nicht: so geht Lernen.

Wie Lernen hingegen NICHT geht, erläutert am Beispiel der Multiplikation:
  • missbilligen, dass man sie nicht kennt.
  • missbilligen, dass etwas anderes als bei der Addition herauskommt.
  • fragen, ob es überhaupt erlaubt ist, zu multiplizieren.
  • dem Mathelehrer die Ehrfurcht vor der Addition absprechen.
  • feststellen, dass das x für „mal“ anders aussieht als das + für „und“ und deshalb anzweifeln, dass es sich noch um Mathematik handelt.
  • darüber diskutieren, ob Multiplikation nun die Fortführung der Addition oder ein Bruch damit ist.
  • hoffen, dass der Papst endlich die Subtraktion abschafft oder die persönliche Fußnote zur Grundrechenart erhebt.
Das vor Augen kommt man beim Lesen in den Medien schnell zu dem Schluss, dass große Teile unserer Bevölkerung hochgradig lernresistent sind, denn: genau so wird diskutiert. Absurd, das Ganze? Ja.

Offenbar erscheint Ungewohntes gefährlich, auch wenn es vom Heiligen Geist eingefädelt wurde. Könnte ja sein, dass der im Konklave nicht stark genug war oder nicht ganz bei der Sache.
Den Ausweg haben die Medien jedoch längst gefunden. Die gefahrlose Alternative zum Lernen ist das Spekulieren. Da brauche ich mich nichts Neuem zu öffnen, sondern kann die Dinge getrost von meiner gewohnten Warte aus im Hypothetischen halten. Es reicht, festzustellen, was anders ist, um den Unterschied dann anhand des Bekannten zu verwursten. Darauf stürzen sich derzeit die Medien! Denn Medien können sich sehr viel vorstellen, nur eines nicht: dass sie selbst zu einem Urteil noch nicht in der Lage sind.
Und so wird vor allem über das geredet, was nicht ist: nicht da, wie rote Schuhe, nicht mehr, wie Benedikts Art, Papst zu sein, oder noch nicht, wie das, was aus Georg Gänswein einmal werden könnte. Wird dann tatsächlich einmal über Franziskus geredet, dann fast immer im Zusammenhang mit einem „Nicht“: ob er die Fortführung vom Nicht-Mehr-Papst ist oder nicht, ob seine Bescheidenheit echt ist oder nicht etc. pp. Es wird spekuliert ohne Ende.
Das Schönste ist, dass man, gerade indem man nichts weiß, den Papst dabei viel besser zu verstehen glaubt, als er es selbst kann. Dadurch, dass er ständig mit unpassenden Maßstäben gemessen wird, erscheint auch alles unpassend und fremd, was er so tut. Man könnte den Eindruck gewinnen, der Papst sende unentwegt Zeichen aus, deren tiefen Sinn er selbst jedoch nicht ganz versteht. Dabei sind es in Wahrheit wir selbst, die gleichsam mit einer Karte von Deutschland durch Argentinien fahren, und, intelligent, wie wir sind,  feststellen, dass die Straßen falsch gebaut sind. Wir sind es, die es vorziehen, alles durch den Filter der Gewohnheit zu betrachten, anstatt Neues zu lernen. Durch diese Filter passt Franziskus nicht, und schon läuten die Alarmglocken. Kein Wunder, dass mancher sich Sorgen macht.

Es ist, denke ich, an der Zeit, sich Zeit zu lassen. Nicht nur der Papst braucht sie, sich in sein neues Amt zu finden – auch wir brauchen Zeit, ihn kennen zu lernen. Ihn und seine Art, Papst zu sein. Wir sollten uns selbst nicht so stressen! Nicht der vorschnelle Verdacht ist Stärke, nicht das Urteil ohne Basis, das gefällt wurde, bevor die Zeit dazu reif war, das Vorurteil. Hier liegt die katholische Kraft wirklich in der Ruhe, die nicht fragt „Was macht der Papst alles falsch“, sondern fragt: „Heiliger Geist, was willst Du von MIR?“

Mittwoch, April 03, 2013

Montag, März 25, 2013

Komplementäre Kontinuität


[Peter Esser] Katholische Los Wochos liegen hinter uns. Mitten in den Karneval – ich befand mich sogar im Brennpunkt des Düsseldorfer Straßenkarnevals – platzte die Nachricht vom Rücktritt des Heiligen Vaters, Benedikt XVI. Seit den ersten Tagen seines Pontifikats war Josef Ratzinger irgendwie mein Papst, denn zufälligerweise las ich während des Sterbens Johannes Pauls’ II, der anschließenden Trauerzeit und des Konklaves die »Einführung in das Christentum«.

Dieser Mann, mit dessen Gedankenwelt ich vertraut war, stand auf einmal der universalen Kirche als Vicarius Christi vor. Und dann einen Papst auf der Benediktionsloggia zu sehen, der nicht »Paul« oder »Johannes Paul« hieß, war eine neue Erfahrung. Eine völlig neue Erfahrung des christlichen Lebens war dieses unbefangene Schöpfen aus der geistlichen Tradition der Kirche. Ich begann, die Kirchenväter zu lesen, das Gebet wurde bereichert durch das konsequentere Mitbeten des Tagzeitengebetes. Ja, die Kirche in der Kontinuität ihres Lehrens und Betens war vertrauenswürdig. Das war eine geistliche Erfahrung, die mich innerlich stärkte und seither in meinem Denken und hoffentlich auch in meinem Tun leitete.

Aber ich wußte noch nicht alles von Josef Ratzinger, hatte seine Schriften und Gedanken zur Liturgie noch nicht zur Kenntnis genommen. Alles »Vorkonziliare« war noch ausgeblendet – und wie so vielen Katholiken schien es mir sogar etwas verdächtig. War die Wiederentdeckung des liturgischen Formalismus, des »recte et rite« nicht ein Rückfall in eine alte Gesetzlichkeit? In eine klerikale Arroganz, die notwendig in Widerspruch zu meiner in einer geistlichen Bewegung, der Charismatischen Erneuerung erworbenen christlichen Freiheit, des »du-zu-du« der Gottesbegegnung treten mußte? Im Jahre 2007 kam es zu diesen zungenbrecherischen Akt, dem Motu Proprio »Summorum Pontificum« … und prompt hatte ich mich zu fragen: Gab der Papst den »Gestrigen« mit ihrer alten lateinischen Messe recht?

Doch andererseits hatte ich nie einen Grund gehabt, Josef Ratzingers / Benedikts theologische Linie anzuzweifeln oder gar anzufeinden. Ich beschloß, der Sache auf den Grund zu gehen und wenigstens einmal eine solche Messe in der Außerordentlichen Form zu besuchen.

Mit dem Erfolg, daß ich meine neue Pfarrei gefunden hatte. Von diesem Weg habe ich ja bereits hier berichtet. Der neue Ritus bleib ja meine Heimat, aber die alte Liturgie wurde eine Gebetsschule; mir mehr und mehr vertraut.

Nun war der Papst also plötzlich nicht mehr … jedenfalls nicht mehr Papst, Statthalter Christi, Diener der Diener Gottes. Wenn man von der Trauer um einen plötzlichen Verlust die Trauer abzieht, bleibt der Schock. Trauer verbot sich von selbst, denn der Heilige Vater war ja nicht tot; er ließ seinen Gläubigen noch zwei viel zu kurze Wochen, sich mit den Gegebenheiten abzufinden.

Jeder geht mit einem schockierenden Erlebnis anders um. Ich wurde still; mein Alltag stellte mich ohnehin vor Herausforderungen, die schwer zu bewältigen schienen. Ich hatte Schwierigkeiten, die immer neuen Letztmaligkeiten anzunehmen: Die letzte Eucharistiefeier im Petersdom, die letzte Audienz, das letzte dies und das letzte jenes. Sogar das tägliche Gebet für den Papst wurde mir fast unaussprechlich: »Wir bitten Dich für unseren Papst Benedikt. Erhalte ihn deiner Kirche und gib, daß sie wachse im Glauben und in der Liebe« – das ging mir nicht mehr so leicht über die Lippen.

Und dann der Mittwoch vor zwei Wochen. Ich hatte die Abendmesse mit einem Freund besucht und das Smartphone mit der Pope-App auf der Bank liegen. Ausnahmsweise einmal. In das Schlußlied hinein auf einmal die Gewißheit: Weißer Rauch. Habemus Papam.

Nichts wie nach Hause; am TV verfolgten wir gebannt, wie sich die roten Samtvorhänge am Balkon bewegten. Bergoglio! – Ja, ich hatte mir bereits während der Sedisvakanz seinen Wikipedia-Eintrag herausgesucht, aber das war es auch – und dann: Qui sibi nomen imposuit Franciscum!

Ein Unbekannter stand auf einmal auf dem Balkon – ich war so verblüfft, daß mir nicht einmal auffiel, wie ungewöhnlich weiß die Gestalt des neugewählten Papstes aussah. Der lange Blick auf die Menschenmenge auf dem Petersplatz, als sei dies die erste Weise des Kennenlernens, das Betrachten. Der fast schüchterne Gruß mit einer Hand (»Hi!« würde ihm später eine Bildunterschrift in den Mund legen), die Augen, die zu fragen schienen: »Wißt ihr, was ich für euch zu tun im Begriff bin?«

Und der Name Franziskus. »Leo« wurde gemutmaßt, könnte ein neues Pontifikat charakterisieren. Einige hatten ja schon auf einen Piuspapst gehofft. Das Neue dieser Wahl und des Auftretens fiel auch einem bekennenden Nichtvatikanisten wie mir sofort auf. Auf die fehlende Mozzetta –ich gestehe es – hat man mich erst bringen müssen.

Aber wie konnte diesem Mann der einfachen Worte nicht meine Sympathie zufliegen? Wie können seine Predigten, die eher Exerzitienimpulsen gleichen, nicht das Herz für die Gegenwart Christi aufschließen? Benedikt und Franziskus, was für eine Regie des Himmels: Zwei Heilige, die für den Aufbau und die innere Reform der Kirche stehen, die mit den Charismen ihrer Gründungen für das Gesamte der Kirche stehen, für eine komplementäre Kontinuität!

Hatten einige Leute gehofft, der Papst würde irgendwann wieder einmal die Tiara, die dreistufige Papstkrone als Zeichen für die Königsherrschaft Christi anlegen, so bleibt jetzt die nüchterne Feststellung: So wenig monarchisch haben wir keinen Heiligen Vater gesehen. In das Lob der Demut und Bescheidenheit vermag ich nicht einzustimmen; denn der Papst ist meines Erachtens nicht bescheiden oder demütig. Er hat nämlich Romano Guardini gelesen, der in seinem Buch »Der Herr« feststellte, daß Demut im eigentlichen Sinne nur Gott selber zukommt. Der Mensch kann dieser Demut gegenüber nur »wahr« sein. In sehr energischen Entscheidungen hat Franziskus deutlich gemacht, daß er vorhat, »wahr« zu sein.

Das Ablegen päpstlicher Insignien steht in einer Tradition der letzten fünfzig Jahre. Das ist nichts radikal Neues, wie einige jetzt glauben. Ich bin sehr gespalten in der Frage, ob hier Wesensmerkmale des Papsttums zu Schaden kommen, aber ich vertraue dem Heiligen Vater. Und überhaupt: Sollte sich die Binde- und Lösegewalt des Papstes sich auf alles beziehen, aber nicht auf die eigenen Schnürsenkel?

»Und unter euch, im Kardinalskollegium, ist auch der zukünftige Papst, dem ich schon heute meine bedingungslose Ehrerbietung und meinen bedingungslosen Gehorsam verspreche.« Diesen Worten »meines Papstes« schließe ich mich aus ganzem Herzen an.

Samstag, März 23, 2013

Ergebnis religiöser Erziehung

Ich sitze vor dem Computer und betrachte das Bild von Franziskus und Benedikt gemeinsam auf der Kniebank. Ein Sohn kommt vorbei, sieht das Bild, stutzt und bleibt stehen. Er weiß, dass Bildbearbeitung bei mir zum Job gehört.
Sohn: "Was ist das denn? Wie haben die das denn gemacht?"
Papa: "Das ist echt. Die treffen sich gerade."
Sohn: "Und die beten."
Papa: "Ja."
Sohn: "Oh, geil!"
Und weg ist er.
Ich glaube, ich kann zufrieden sein.

Montag, März 18, 2013

Sonntag, März 17, 2013

Kleines Zeugnis

[Von Bastian]

Mein "dienstältester Freund" (wie wir das immer nennen) kam heute vorbei. Er hat mit der Kirche nichts am Hut (gelinde gesagt!).
Er meinte: "Du weißt, dass ich mit der Kirche nichts zu tun habe. Aber als ich den Namen vom neuen Papst gehört habe, hatte ich plötzlich ein ganz starkes Gefühl von Hoffnung!"
Ich sagte nur, der Name sei wirklich cool. Dann redeten wir über anderes. Ich gebe seit langem sehr viel auf seine Meinung!

Samstag, März 16, 2013

Arme Kirche!

[Von Bastian]

Wir tragen viel von Benedikt im Herzen. Wir haben es geliebt, wie er sich demütig in sein Amt einfügte. Er mag als Privatmann weder übermäßige Zurschaustellung seiner Person noch Pomp, doch beides nahm er mit seinem Amt auf sich. Mehr noch: er füllte all die Zeichen, die es in der Liturgie und im Protokoll des Vatikans gibt, derart mit Leben, dass man zu begreifen begann, wie großartig sie sind und welche Tiefe und Weisheit in ihnen steckt. Er erweiterte die Liturgie um den Alten Ritus. Er öffnete die große Kammer kirchlicher Schätze und holte, ganz biblisch, Altes und Neues daraus hervor. Benedikt machte die Kirche groß und reich.

Manches an den ersten Auftritten von Franziskus hingegen irritiert uns. Er betritt den Balkon nur in Weiß. Er setzt sich über viele Sitten und Erwartungen, die einen neuen Papst betreffen, hinweg. Er verwendet in seiner ersten Messe einen einfachen Volksaltar. Es kommt bei vielen nicht nur demütig und einfach, sondern fast schon wie eine Missachtung des Amtes an. Wie eine Geringschätzung dessen, was Benedikt erreichte.

Es wäre falsch, diese Irritation einfach als Engstirnigkeit oder geistliche Unbeweglichkeit abzutun. Wenn wir Benedikt ernst nehmen - und das tun wir! – ist es klar, dass wir Dinge vermissen, deren Wichtigkeit uns gerade durch seine Anleitung in den letzten Jahren immer klarer geworden ist. Kommt jetzt der Bruch?

Nein, es kommt kein Bruch. Was hier kommt, ist die Betonung eines Aspektes, den Benedikt längst eingeführt hat, der aber viel zu wenig in unser Bewusstsein gedrungen ist. Als Benedikt von Entweltlichung sprach, war das erste, was unsere Kirche in Deutschland klarstellte: dabei gehe es nicht um die Kirchensteuer, nicht ums Geld! Unser Wohlstand bleibe unangezweifelt. Es gehe eher um abstrakte Dinge wie eine innere Haltung oder geistliche Prioritäten. Die Perspektive materieller Armut der Kirche wurde zum Luxusgut, meditiert auf dem Berggipfel eines sicheren Steueraufkommens. Selten wurde eine praktische Aufforderung derart schnell in eine Theorie verwandelt. Selten sind einem Tiger derart schnell seine Zähne gezogen worden.

Wir sitzen am Fernseher oder Computerbildschirm und machen uns Gedanken. Das Prinzip geistlicher Armut haben wir oft diskutiert. Über Hartz IV und den Niedriglohnsektor auch – uns ist klar, dass hier Handlungsbedarf besteht.
Papst Franziskus jedoch kommt aus Argentinien, wo er lange Jahre Bischof war und täglich Dinge erlebte, sah und hörte, die es bei uns auch im Zeitalter von Hartz VI (fast) nicht gibt: wirkliche, lebensbedrohende Armut. Man sagt ihm ein großes Herz für die Notleidenden nach. „Ich möchte eine arme Kirche und eine Kirche für die Armen“ verkündet er bei seinem ersten Treffen mit den Medienvertretern, also genau vor dem Publikum, das für eine Verbreitung dieser Aussage Sorge tragen wird. Es ist ihm ernst. Es ist ihm so ernst, dass er es vorzieht, diesem Aspekt herauszustellen, als sich sofort in das Amt einzufügen, wie man es von ihm erwartet. In päpstlicher Vollmacht hat er dem Entweltlichungstiger als erstes neue Zähne verliehen – mehr und schärfere als er jemals hatte. Und die werden manches bei uns beißen, was uns lieb geworden ist.

Es geht nun nicht darum, dass wir ab jetzt die Freude an einer feierlichen Messe gering schätzen oder den kirchlichen liturgischen Reichtum für unwichtig halten sollen. Papst Franziskus möchte auf dem Glauben und der Freude daran aufbauen, die seit Benedikt auch daher kommt, dass wir unsere katholische Fülle kennen und schätzen. Es geht nicht darum, wichtige Dinge zu vermissen, sondern darum, andere wichtige Dinge zu lernen. Letztlich geht es um die Umsetzung dessen, was Benedikt lehrte.

Der neue Papst hat der europäischen Kirche ein großes Geschenk mitgebracht, das sie dringend braucht: die Armut.

Gedankensplitter

[Von Bastian]

Teilweise sind es Begriffe, vor denen wir erschrecken. Franziskus versteht die Kirche als etwas, das ständig voranschreiten muss. Die, die ständig Fortschritt wollen, haben in unseren Gemeinden jedoch schlimmen Schaden angerichtet. Wir werden lernen müssen, dass Voranschreiten und Fortschrittlichkeit im Sinne eines Memorandums nicht miteinander zu tun haben. Wir werden einiges lernen müssen.

Freitag, März 15, 2013

Ich frage mich, was denkt ein Papst…

… über Armutsprobleme in einem Land, dessen Sozialhilfe für viele in seiner Heimat großen Reichtum bedeuten würde?

… der in seiner Heimat gegen Korruption und unsittlichen Lebensstil kämpfte, über eine Kirche, die es nicht schafft, sich wirklich von einem Verlag zu trennen, in dessen Bereich Pornographie hergestellt wurde und die daran verdiente?

… der auf die Straße gehen will, um Menschen in die Kirche zu holen, wenn Christen sich stattdessen streiten, in welchem Ritus die Messe dann gefeiert werden soll?

… der ein besonderes Herz für die Armen hat, über ein Land, in dem mittels einer Kirchensteuer Gremien finanziert werden?

… der im Heiligen Geist gewählt wurde, der Fels der Kirche zu sein, wenn ihm andere erklären wollen, was Tradition und das Messopfer wirklich sind?

… der Menschen vor einem Terrorregime versteckt hat, von Priesterinitiativen und Laiengruppen, die Rebellion gegen die Kirche predigen?

… der in seiner Heimat Menschen auf der Straße verrecken sah, von einem Land, das ihm erzählen will, die hiesigen Probleme seien die wichtigsten der Weltkirche und ohne Kondome gehe gar nichts?

Orientierungshilfe

[Von Bastian]
Woher die ganzen interessanten Diskussionen stammen:


Donnerstag, März 14, 2013

WiSiKi spricht - Echo Romeo kommentiert.

Aus gegebenem Anlass (LINK) holen wir einen alten Cartoon wieder hoch:

 

Enthüllungen und kein Ende. Wie ich soeben erfahre, hat die allseits beliebte Massenkirchenfolkbewegung »Wir sind Kirche« jetzt eine Tochtergruppierung in der Ewigkeit gegründet.

(Idee von Sebastian (Sierra Victor), Umsetzung Peter Esser.)

Offen für neue Kriterien?

[Von Bastian]

"Wenn wir rausgehen auf die Straße, dann können Unfälle passieren...aber wenn sich die Kirche nicht öffnet, nicht rausgeht, und sich nur um sich selbst schert, wird sie alt. Wenn ich die Wahl habe zwischen einer Kirche, die sich beim Rausgehen auf die Straße Verletzungen zuzieht und einer Kirche, die erkrankt, weil sie sich nur mit sich selbst beschäftigt, dann habe ich keine Zweifel: Ich würde die erste Option wählen."
(Papst Franziskus)

Der neue Papst ist da. Jetzt ist es an mir, ihm zu folgen.
Es ist noch zu früh, irgendetwas über das neue Pontifikat zu sagen. So früh, dass es schon dümmlich wirkt, auf diese Unmöglichkeit überhaupt hinzuweisen. Es sei entschuldigt angesichts vieler selbstsicher klingender Analysen, geschrieben von Leuten, die keine Ahnung haben, in Zeitungen, die dagegen sind.

Worüber ich schreiben könnte, wäre mein erster Eindruck. Das lasse ich lieber. Denn Benedikt XVI mochte ich anfangs gar nicht…
Was ich fortführen möchte, sind Gedanken zum Thema „Treue zu Rom“. Und da stelle ich fest, dass der Heilige Vater Franziskus mir allein durch seine Existenz bereits Fragen stellt. Denn gerade indem ich nichts über ihn und die Zukunft weiß, weiß ich auch nicht, ob meine Gedanken und Probleme überhaupt noch relevant sein werden. Natürlich weiterhin für mich, doch haben sie den Stellenwert, den ich ihnen zugewiesen habe, oder wird die Situation der Kirche künftig anhand von ganz anderen Kriterien bewertet? Die Presse macht es uns täglich vor: man kann nicht nur an bestimmten Lösungen hängen – man kann auch in Bezug auf die zu stellenden Fragen festgefahren sein. Bin ich es?

Was muss sich an der Kirche ändern? Ich, hält Mutter Teresa mir mit Recht vor Augen.
Benedikt hat mich gelehrt, wie wichtig die Kirche ist. Dass ich Gott folge, indem ich ihr folge. Jetzt zeigt sich, ob ich damit letztlich doch mich selbst und meine Erkenntnis gemeint habe. Jetzt ist der Zeitpunkt, an dem ich mich entscheiden muss, ob ich Papst Franziskus „kritisch begleite“, um mich von seiner Vertrauenswürdigkeit überzeugen zu lassen, oder ob ich ihm von Anfang an offen folge, im Glauben, dass Gott die Kirche führt.
Bei Benedikt XVI war es mir leicht, das nachzuvollziehen. Vielleicht wird es wieder einfach. Vielleicht aber muss ich auch das erlernte Vertrauen jetzt anwenden. Doch das kann ich nicht alleine – ich brauche Gottes Hilfe.

Was ich jetzt tun muss, ist beten. Allerdings nicht gleich für den Papst, dass er die Kirche richtig führen möge, auch wenn das wichtig ist. Solange ich noch „richtig“ gleichsetze mit „wie ich es für richtig erkenne“ - und das tue ich sicher zu einem guten Teil - laufe ich Gefahr, nicht im Willen Gottes, sondern im eigenen Willen zu sein. Erst brauche ich das Gebet zum Heiligen Geist, dass er mir all die Offenheit, Bereitschaft und Liebe schenkt, die es braucht, um segensreich Mitglied unserer Kirche sein zu können.
Was mir auf dem Herzen liegt, wäre:

Komm, Heiliger Geist, und schenke mir ein Herz, das Dich ersehnt.
Schenke mir einen freien Geist, der Dir folgt.
Schenke mir Augen, die Dich auch dort erkennen, wo es mir unbekannt ist.
Lass meinen Willen, meine Wünsche und Vorstellungen, meine Gewohnheiten aufgehen in Dir.
Mache mich frei von mir selbst und lass mich Dir in Deiner Kirche folgen, durch die Du uns führen und leiten willst.
Amen

Dienstag, März 12, 2013

Mit den eigenen Wünschen allein…

[Von Bastian]
Die Tür ist zu. Und jetzt? Warten. Erwarten. Aber was?

Wenn ich im Internet die Kommentarspalten lese, scheinen da zwei unterschiedliche Strömungen zu herrschen, die sich für sachlich halten, mir jedoch wie Befindlichkeitsäußerungen vorkommen.

Die eine Strömung hofft vom neuen Papst, er möge bitte all das erlauben, was bisher verboten war, was man aber gern hätte. Dann wäre die Kirche in Bewegung und freier.
Nur geht das von einem falschen Kirchenbild aus, denn die Kirche verbietet im eigentlichen Sinne nichts. Sie macht etwas, das viel mehr als Verbote schmerzt: sie sagt, wo die Wahrheit liegt und überlässt es jedem selbst, sich danach zu richten oder nicht. Verbote kann man ändern oder ignorieren. Doch der Wahrheitsanspruch steckt wie ein Stachel im Fleisch. Und man selbst ist es, der ihn dort hinein stößt: den nagenden Zweifel, dass die katholische Lehre, die das eigene Leben radikal infrage stellt, wahr sein könnte, den hat man selbst zugelassen. Es ist das Aufbäumen der eigenen Seele, die sich meldet, wenn sie die Wahrheit hört. Es ist das schmerzhafte Zeichen, dass Hoffnung ist. Vielen Menschen ist dieser Schmerz inzwischen so unerträglich, dass sie die Kirche am liebsten zum Schweigen bringen würden. In der Hoffnung, dass die Seele dann Ruhe gibt.
Hinter der Strömung „Weg mit den Regeln!“ meine ich, den inneren Konflikt herauszuhören, der eigentlich meint: „Es tut weh!“ In diesem Licht sind solche Konflikte keine berechtigte kritische Anfrage an die katholische Lehre, sondern ihre Bekräftigung.

Die zweite Strömung hofft, ein neuer Papst möge all das sanktionieren, was man selbst gerne aus der Welt hätte. Dann wäre alles besser.
Wenn es auch stets viele theologische Gründe dafür gibt: mir bleibt immer wieder der Eindruck, dass hier der eigene Zorn zum Leiter gemacht werden soll. Viele Äußerungen lassen vermuten, dass die Hoffnung auf Strafe gesetzt wird, sei es die Strafe für Sünden oder seien es Sanktionen gegen bestimmte Personen. Nur dass Strafe die Übertretung eines Verbotes voraussetzt, die Kirche jedoch nichts verbietet, sondern die Wahrheit verkündet.
Wenn der eigene Frust, dass sich diese Wahrheit nicht besser durchsetzt, zur Annahme führt, dann müsse man halt durchgreifen, entsteht ein Irrtum, der zum gleichen falschen Kirchenbild führt wie die erste Strömung: die Kirche, die politisch agiert und nicht verkündet.

Und ich? Wie komme ich dazu, das hier so anzuprangern?
Ich komme dazu, weil ich beides in mir selbst entdecke. Weil ich mir eben auch Sorgen mache, ob ich denn wieder einen Papst bekomme, bei dem mir das Gehorchen derart leicht fällt. Ich kann mir das fast nicht vorstellen.
Doch wenn ich in letzter Zeit stets geschrieben und gesagt habe, dass ich die Treue zu Rom und zum Lehramt für eine wichtige Sache halte, muss ich jetzt auch dazu stehen. Die Zeit des Wartens ist für mich eine Zeit der inneren Prüfung: bin ich bereit, auch weiterhin zu folgen? Letztlich: vertraue ich auf Gott oder meine Vorstellungen? Meine Vorstellungen nehmen weiten Raum ein! Schaffe ich es, sie Gott anzuvertrauen?
Ich erhoffe einen Papst, der fest in Gottes Wahrheit steht. Einen betenden, Gott liebenden Papst, der den Heiligen Geist durch sich wirken lässt. Dann ist der Rest Nebensache.

Ein Versuch, auf Einwände gegen Benedikt XVI zu antworten.

[Ein Gastbeitrag von Wolf]

Soweit ich es übersehe, unvollständig selbstverständlich, wird Papst Benedikt vorgeworfen, er habe die Kirche nicht "reformiert" im Sinne eines Umsetzens der o.g. Anliegen.
In der Tat, natürlich kann dies als Mangel seines Pontifikats kritisiert werden. Er hat es unterlassen, die Kirche zu verweltlichen, den Wünschen der Gesellschaft, oder auch deren Vorgaben, anzupassen. Im Gegenteil: er forderte die Entweltlichung der Kirche.

Diese Kritik ist in meiner Sicht nicht überzeugend. Ich teile sie nicht.
Die Größe seines Pontifikates liegt für mich gerade darin, auch darin, daß er diesen Forderungen der Gesellschaft anderes entgegengehalten hat. Nicht Zustimmung der Akzeptanz wegen, nicht so betriebene Sicherung der (Macht-)Position der Kirche, nicht leichtere "Verteidigung" der Zugehörigkeit zur Kirche durch Modernisierung. Sondern Zumutung des Aushaltens der Distanz zur Gesellschaft, und dem Angebot seiner Begründung der Richtigkeit in seinen Werken und Handlungen.

"Unmenschlich und weltfremd" sei die Kirche "unter" ihm "geblieben", hörte ich.
"Weltfremd": nun ja. Das mag so sein, ihm folgend. Und dies mag auch gut sein, für mich. (Soeben hörte und sah ich dieses Youtube-Video, zur Passion des HERRN, nichts Versöhnliches, keine Gesellschaftskonformität.) Unser Glauben ist nur selten ohne Distanz zur gegenwärtigen Gesellschaft zu leben, Anderssein-Aushalten, zumindest im Versuch, gehört dazu. (Meine eigenen Anpassungen, Lauheiten sprechen nicht dagegen, ich weiß darum und es grämt mich sehr; immer wieder.)

Anpassung an die Gesellschaft wurde von Benedikt verweigert, in der Praxis, in seinen Büchern: "... der Preis für die Verschmelzung von Glauben und politischer Macht besteht zuletzt immer darin, dass der Glaube in den Dienst der Macht tritt und sich ihren Maßstäben beugen muss." (Jesus von Nazareth, Bd. 1, S. 69) Das gilt für die Gesamtbeziehungen, und für einzelne Aspekte, m.E. Weltfremd? so gesehen, wiederholend: sehr gut so. (Differenzierungen hinsichtlich der Einzelanliegen können und sollen sein, ggf., aber für mich müssen sie vom Lehramt ausgehen, nicht als Reaktion auf Vorhaltungen dieser Gesellschaft.)

So gesehen ist auch die Überraschung über seinen Rücktritt verständlich: freiwilliger Machtverzicht ist dieser Gesellschaft fremd, bedroht sie in ihrem Suchtverhalten, wie auch die freiwillige sexuelle Enthaltsamkeit. (Deswegen muß in den Augen der Gesellschaft letzteres zu Verbrechen führen, ersteres kann nicht freiwillig sein, sondern muß Ausdruck von Verschwörungen sein; und so werden ja auch schon Theorien gestrickt.)

"Unmenschlich" - so nur verständlich, wenn "menschlich" als "Mensch bzw seine Bedürfnisse ist/sind Maß aller Dinge" verstanden wird, in Hinsicht auf solche Bedürfnisse, welche in der jeweiligen Gesellschaft vorgegeben werden. Hier: Beliebigkeit, Manipulierbarkeit ("Meinung", nicht Wissen, ist gefragt), Begierden ("Hol es Dir"), Macht und Geld und sexuelle Augenblicksbefriedigung, ... so gesehen kann ein Leben nach den Geboten des HERRN, nach der Bergpredigt, nach all den wirklich schönen und guten Werten, nicht "menschlich" sein. Und eine Kirche, die ebendiese Werte vertritt, ist "unmenschlich". Dann auch hier: richtig so, für mich.

Dies wurde eher spontan geschrieben - ich stelle es dennoch in den Raum, behalte mir bessere Erkenntnis vor und auch Ergänzungen. Für Fehler bitte ich um Nachsicht.

Freitag, März 08, 2013

Warum das ...

... mit dem Konklavebeginn so lange gedauert hat.