Samstag, Dezember 31, 2011
Braucht Gott?
Benötigt - oder stärker gesagt: braucht - Gott unsere Liebe?
Ist Gott daher sozusagen abhängig von uns?
Hat Gott überhaupt Bedürfnisse?
Diese 3 Fragen treten bei Frère Alois´ Worten und Gedanken dazu zu Tage (Link Link).
Ich beantworte alle 3 Fragen mit einem klaren „Ja!“
Da es darüber unterschiedliche Meinungen gibt, möchte ich ein paar Gedanken beisteuern.
Erst einmal ist Gott aus sich selbst, wir aber sind aus Gott. Er ist der Schöpfer. Die Abhängigkeit von uns ist existenziell klar, wie auch die Unabhängigkeit Gottes. Ein jedes „Brauchen“ kann also nur außerhalb dieses existenziellen Bereichs liegen. Es wäre jedoch meiner Meinung nach fatal, aus der Anerkennung dieser Tatsache heraus Gott Bedürfnislosigkeit zu unterstellen.
Zu unterstellen? Wäre nicht die Zuordnung von Bedürfnissen zu Gott die eigentliche Unterstellung? Wenn ich Gott ernst nehme und ihn als die Liebe erkenne, darf ich die Liebe betrachten und in ihr Gottes Eigenschaften erkennen. In ihr betrachte ich Gott. Und ich stelle fest, dass es zum Wesen der Liebe gehört, Bedürfnisse zu haben, ja Bedürfnis zu sein. Warum zieht das Kind die armen Eltern den reichen Bekannten vor, die ihm alles und jedes zu Verfügung stellen? Weil die Eltern sich nach ihm sehnen, weil sie das Bedürfnis nach ihm haben. Nicht in der Befriedigung meiner Bedürfnisse erkenne ich, dass ich geliebt bin, sondern im Empfinden des Bedürfnisses meines Gegenübers nach mir. Im Empfinden des frei gewählten Bedürfnisses. Am größten erlebt man die Liebe, wenn man sein Bedürfnis nach dem Geliebten völlig frei lassen kann und erlebt, dass der Geliebte es auffängt und erwidert. Die Erfüllung, nach der meine Liebe sich sehnt, liegt völlig in der Hand des Geliebten, ist vollständig von ihm abhängig. Wäre sie es nicht, wäre es keine Liebe, sondern Manipulation. Ohne Bedürfnis keine Liebe, sondern bestenfalls unpersönliche Generosität. Gott damit gleichzusetzen - das wäre die Unterstellung.
Meine Kinder verdanken mir ihre Existenz. Ich sorge für sie. Auf dieser Ebene brauchen sie mich, ich sie aber nicht. Doch was ist das für eine kümmerliche Ebene, verglichen mit der, auf der ich sie und ihre Liebe brauche. Darf ich das so vergleichen? Sicherlich ist jeder Vergleich mit der Liebe Gottes unzulänglich, aber nur deshalb, weil Gottes Liebe unvergleichlich tiefer, reiner, leidenschaftlicher, eben unvergleichlich mehr ist, keinesfalls aber weniger. Realitätsfern ist der Hinweis, der Liebende könne auf das Brauchen verzichten, weil es freiwillig sei und damit kein Brauchen im eigentlichen, existentiellen Sinn. Wer das sagt, kennt keine Liebe. Ich könnte keinem Gott vertrauen, der mir sagt, er brauche mich nicht. Ich wüsste nicht, wie. Und weil Liebe so persönlich ist, möchte ich Gott auch nicht dadurch verletzen, dass ich ihm seine Liebe zu mir kleinrede. Es mag menschlich sein, sich unter Allmächtigkeit und Vollkommenheit Bedürfnislosigkeit vorzustellen – göttlich ist es wohl nicht.
Göttliche Liebe ist mehr als auf Dauer zugesagter guter Wille. Das Wesen der Liebe ist es, zu brauchen. Nicht weil man ohne den anderen nicht sein könnte, sondern weil man nicht ohne ihn sein will. Und Gott ist die Liebe.
Freitag, Dezember 23, 2011
Operation Manger – Final Decision

Dr. Willibert Schultz-Hagen gab auch im Entscheidungsgefecht um die Krippe den Herstellern von Elektrospielzeug um keinen Millimeter nach.
Echo Romeo wünscht allen Bloglesern und -leserinnen (auch den Spitzenkandidaten zur Verleihung des Ebenezer Scrooge Awards) ein frohes und besinnliches Weihnachtsfest.
Mittwoch, Dezember 21, 2011
Kreuzkathspiegel.net
Die Diskussion um den Beitrag hat die journalistischen Standards ins Gespräch gebracht. Da haben die Christen für das Internet eine wichtige Aufgabe. Es gibt noch keinen Presserat, der sich als Selbstorganisation der Medien solcher Fragen annimmt. Wir sollten die Diskussion weiterführen und einen katholischen Kodex für das Internet entwickeln. Ich werde mit den Studierenden an diese Frage herangehen. Wenn kath.net und kreuz.net an einem solchen Kodex mitarbeiten, wäre das sehr hilfreich.
Quelle
Ich habe darauf geantwortet:
Lieber Pater Bieger,
als Sie in Ihrem letzten Beitrag kath.net und kreuz.net gleichsetzten, wähnte ich einen Moment lang, Sie wüßten nicht so recht, wovon Sie da schrieben. Auf meiner Facebook-Seite benutzte ich einen drastischen Vergleich, um die Welten zu beschreiben, die trotz der (gesprächshalber gerne zugestandenen Mängel bei kath.net) zwischen den beiden Portalen liegen. Hier eine am Rande der Legalität operierende, anonyme, außerhalb der Kirche und jeglicher Form kirchlicher Ordnung operierende Hetzseite, die tragische Gestalten wie den Sedisvakantisten-»Pater« Lingen geifern läßt, dort ein Portal, auf dem Texte geschätzter Autoren und Autorinnen wie Paul Badde, Michael Hesemann, Barbara Wenz, Armin Schwibach (welcher gestern vom heiligen Vater empfangen wurde) veröffentlicht werden.
Und auch heute schreiben Sie wieder: »Könnte nicht auch kreuz.net seinen journalistischen Esprit da einbringen, als sich immer noch mit Paul VI. auseinanderzusetzen?«
Ich halte diese Verharmlosung des vom Verfassungsschutz beobachteten kreuz.net für brandgefährlich. Sicher, in Ihrem Beitrag relativieren Sie und stellen dar, daß Sie beide Portale nur unter EINEM Gesichtspunkt vergleichen, und doch: Durch die faktische Gleichsetzung beider Portale und den Ruf zur Entwicklung allgemein gültiger Standards suggerieren Sie eine Katholizität von kreuz.net.
Diese ist jedoch objektiv nicht gegeben.
Zur Entwicklung journalistischer katholischer Standards: Ich bin Blogger … und als solcher bezeichne ich mich auch gern als »ungezähmt«. Die Standards dafür entwickle ich nicht mit der GKP – dazu müßte sie erst wirklich katholisch werden – sondern mit meinem Beichtvater.
Herzliche Grüße und Ihnen und Ihren Redaktionsmitgliedern
ein gesegnetes Weihnachtsfest.
Peter Esser
Allegorie
In dieser Jahreszeit, wenn die Straßen glatt sind, erinnere ich mich immer wieder an meine Zeit als Motorradfahrer. Zur Erklärung: ich habe fast 100.000 sturzfreie Kilometer auf unterschiedlichen Maschinen hinter mir. Nicht zuletzt deshalb sturzfrei, weil ich stets vorsichtig war. Besonders, was die Straßenoberfläche anging.
Man kennt die Haftung der unterschiedlichsten Oberflächen (und ordnet unbekannte vorsichtshalber unter „sauglatt“ ein), bemerkt jeden Oberflächenwechsel, jede Feuchtigkeit. Am Fahrbahnrand erkennt man die Gefahr von Laub- und Erdflecken auf der Straße (Bäume mit Laubverlust? Feldwegeinmündungen? Wagenspuren? Reitschild (Pferdeäpfel!)?). Man erkennt auf große Entfernung Spurrillen und Straßenbahnschienen. Man sieht die Schneisen, aus denen plötzlicher Seitenwind kommen kann, oder auch feuchte Luft bei Frostgefahr etc…
Anfangs ging das bewusst so, später automatisch.
Viele Autofahrer und auch einige andere Motorradfahrer fanden das übertrieben. Alle jedoch, die ich kennengelernt habe und die etwas von der Sache verstehen, die mehr sind als ein cooler Schönwetterfahrer, kennen das ganz genauso. Und es hat funktioniert, trotz vieler Winter-, Regen- und Herbstfahrten zur Arbeit auf schlechten Straßen. Und ich bin froh darüber, denn ein Unfall kann das Leben kosten.
Jetzt übertrage ich das auf die geistliche Welt. Dort kann ein Unfall das ewige Leben kosten. Wie damit umgehen?
Oft habe ich erlebt, wie es von anderen Christen als unnötig, ja ungläubig abgetan wird, wenn jemand sozusagen vorsichtig durch das spirituelle Leben geht. Skrupel und Fundamentalismus sind schnell diagnostiziert und fast noch schneller sind Argumente, die vermeintlich fundamentalistisch sind, als nicht ernst zu nehmen abgetan. Warum?
Warum wird jemand, der die Gefahren des Motorradfahrens aufzeigt, als verantwortungsvoll empfunden, doch jemand, der sie Gefahren der Sünde aufzeigt, schnell als Spaßverderber gebrandmarkt? Meine Freiheit als Motorradfahrer lag nicht darin, die Physik ständig heraus zu fordern, sondern darin, sie zu kennen und zu nutzen, aber auch zu respektieren. Um anzukommen brauchte es 2 Dinge: das Fahren als Ausnutzen dessen, was geht, und das Aufpassen als Akzeptieren dessen, was nicht geht.
Niemand käme als Motorradfahrer auf die Idee, selbst zu entscheiden, welcher Belag gut haftet und worauf man ausrutscht. Als Christen hingegen glauben wir sehr oft, es liege in unserer eigenen Entscheidung, was uns spirituell zu tragen in der Lage ist. Wie kommt das?
Liegt es daran, dass man diesen Vergleich nicht ziehen darf, da das eine mit dem anderen nichts zu tun hat und schlicht andere Gesetze gelten? Nun, sicher darf man den Vergleich nicht überstrapazieren, aber ziehen darf man ihn, denke ich, schon. Er macht vielleicht eine Struktur deutlich, mit der man sich das geistliche Leben scheinbar einfacher, in Wirklichkeit aber gefährlicher macht (wobei sicher mancher bereits die Idee einer Gefahr im spirituellen Leben als falsch empfindet).
Für mich ist die Grenze, die es einzuhalten gilt, eigentlich recht klar – ich kann sie aber nur im gewählten Bild verdeutlichen.
Solange ich mein Wissen dazu einsetze, sicher ans Ziel zu kommen, sind es keine unnötigen Skrupel. Es ist ein freiwillig gewählter Weg mit Sinn, auch wenn andere sagen, man stelle sich an. Wenn jedoch mein Wissen dazu führt, dass ich gar nicht mehr erst in den Sattel steige, weil ja überall Gefahren lauern, hat es mich nicht sicherer gemacht, sondern das Ankommen von vorne herein verhindert. Auch wenn ich nur noch Schritt fahre und aus jedem geöffneten Hauseingang Sturmböen erwarte, dazu möglichst noch jedem, der es nicht hören will, physikalisch nachweise, dass der Gedanke durchaus nicht abwegig ist, dann bin ich kein Motorradfahrer mehr, sondern ein Motorradverhinderer. Dann habe ich Skrupel, denn die helfen der Sache nicht mehr, sondern blockieren sie.
Fahren mit Skrupeln macht keine Freude mehr. Doch ohne Freude sind sowohl der Motorradsattel als auch die Kirchenbank für mich ziemlich unerträgliche Aufenthaltsorte.
Dienstag, Dezember 13, 2011
Vorsicht, Werte welken!
Sonntag, Dezember 11, 2011
Welche Chance wird da vertan!
Montag, Dezember 05, 2011
Ich stehe vor der Tür und klopfe an
[von Peter Esser] »Ich hab ja eigentlich kein direktes Bekehrungserlebnis gehabt!« – Ein Satz, für den ich gerade in den letzten Jahren sehr viel Verständnis (und auch ein wenig Neid) aufgebracht habe. Wer in den Glauben der Kirche hinein aufgewachsen ist, wessen Glaube Kindheitsphasen und die Krisen des Erwachsenwerdens erlebt hat, blickt auf eine Jugend zurück, die bereits Glaubensbiographie ist.Bei mir war es halt nicht so. Im (groß)elterlichen Haus war es irgendwie unschicklich, irgendeiner Gemeinschaft anzugehören, die nicht irgendwie Teil des Familienbetriebs war. Unmöglich, sich einen »Esser« vorzustellen, der nicht dem Beruf des selbständigen Metzgers nachging. Und das genügte als Lebensdeutung. Für Kirche ist da kein Platz. Und Christus war Zimmermann, nicht Metzger. Der konnte doch für uns nicht zuständig sein.
Irgendwann waren meinen Eltern die Reste des Familienbetriebs in einem gewaltigen Knall um die Ohren geflogen. Schon zur Abiturzeit hatte ich festgestellt, daß mir der Duft bedruckten Papiers lieber war als der Geruch von Schweinehälften. Als ich dann bereits mein Studium begonnen hatte und schon einige Zeit in Düsseldorf wohnte, da habe ich zum Glauben gefunden.
Am 5. Dezember 1987, etwa um 21:10 Uhr war es. Ich hatte, um »mir das mal von außen anzusehen«, einen Abend im Jesushaus, einer freikirchlichen Gemeinde in Düsseldorf besucht. Mit einem Mal wußte ich: Jesus Christus ist da. Er kennt mich. Er will, daß ich ihm glaube, ihm mein Leben anvertraue.
Spät an diesem Abend kam mich nach Hause. Ich rief einen Krefelder Priester an, den ich vorher bereits kennengelernt hatte und vereinbarte einen Termin. Zum Gespräch. In meinem Regal lag angestaubt meine Bibel. Ich schlug sie aufs Geratewohl auf und las:
»Ich stehe vor der Tür und klopfe an. Wer meine Stimme hört und die Tür öffnet, bei dem werde ich eintreten und wir werden Mahl halten, ich mit ihm und er mit mir.« (Offb 3,20)
Heute vor 24 Jahren. Danke, lieber Gott.
Dienstag, November 29, 2011
Was Aufsehen erregt im Bordell
Dienstag, November 22, 2011
Das Ergebnis ist eine Ankündigung
Warum ich die Handkommunion liebe
Freitag, November 18, 2011
Ein Zeugnis
Mittwoch, November 16, 2011
Ein politisch korrekter Skandal?
Dienstag, November 15, 2011
...und das bei unserem intellektuellen Papst!
Montag, November 14, 2011
Schatz, ich habe Dir heute keine Blumen mitgebracht – so simpel sind die Dinge nicht.
[von Bastian Volkamer]
Mehrere Bistümer lehnen die Aktion „Weihnachten im Schuhkarton“ ab und raten, nicht daran teilzunehmen. Die Gründe für diesen Rat offenbaren ein erschütterndes Ausmaß an Verkopftheit und Lieblosigkeit.
Tausenden Kindern wird jährlich mit dieser Aktion eine große Freude gemacht. Ohne dass von einer Alternative gesprochen wird, soll damit von katholischer Seite Schluss sein. Die Gründe sind prinzipieller Natur.
Da ist einmal die Islamfeindlichkeit des Sohnes von Billy Graham, anhand derer die ganze Aktion als fundamentalistisch dargestellt wird. Der Hinweis, dass es bei Evangelikalen zu kruden Aussagen kommt, mag stimmen, aber es dürfte den Evangelikalen kaum schwer fallen, auch in katholischen Kreisen derartiges zu finden. Darauf muss wohl kaum weiter eingegangen werden. Das Totschlagargument des Fundamentalismus ist hier ein gefährlicher Bumerang.
Anderen Religionen sei auf Augenhöhe zu begegnen. Das klingt vielversprechend aus einem Mund, der soeben die Aktionen einer anderen Denomination mit Standardargumenten nieder gemacht hat. Zudem ist die geforderte Begegnung mit dem Islam auf Augenhöhe zumindest in diesem Fall reines Blendwerk. Realistisch ist doch, dass die Alternativen hier lauten: Begegnung und keine Begegnung, Reden auf eine Weise, die sicher verbessert werden könnte, oder Schweigen auf Augenhöhe, das schon immer sehr produktiv war.
Auch praktisch sei die Sache wenig nutzbringend. Es reiche nicht, notleidenden Heranwachsenden ein Geschenk zu machen und davon auszugehen, damit sei ihnen geholfen. Die Logik ist zwingend. Es reicht nicht, also lassen wir’s. Wozu brauchst Du was zu essen? Morgen hast Du wieder Hunger. Freude willst Du? Nix da – Du wartest, bis es was Nachhaltiges gibt. Das ist nämlich die frohe Botschaft! Kapiert?
Man frage sich, ob ein Kind in Afrika oder Asien überhaupt etwas mit einem Teddybären anfangen könne. (Diese Frage lässt sich beantworten: ja, es kann. Ich war da und habe es gesehen. Allerdings hätte diese Antwort Recherche erfordert und nicht so intellektuell geklungen.) „Es geht um Produkte aus unserer Hemisphäre, dahinter steckt unser Verständnis des Spielens.“ Damit könnten anderen Kulturkreisen europäische Verhaltensmuster aufgezwungen werden. Noch einmal in normale Sprache übersetzt: Ein Teddybär für Afrika? Können die damit überhaupt spielen? Werden die durch den Spielzwang nicht verwestlicht? Das können wir nicht verantworten. Da ist es besser, die bekommen nichts. Nun ja.
Die Aktion helfe eher den Schenkenden als den Beschenkten. Hier wurde ein großes Geheimnis des Christentums entdeckt: Nächstenliebe erfreut den Liebenden selbst. Ein Thema, dass so abgedroschen ist, dass man es in keiner Weihnachtspredigt mehr hören mag. Interessanterweise scheint es aber in Teilen der Bistumsverwaltung noch nicht bekannt zu sein.
Mir ist klar, dass die Kritiker der Aktion ihren Kindern und Verwandten selbstverständlich nichts zu Weihnachten schenken, sondern sie mit Medikamenten und Bildung beglücken. Ebenso ist mir klar, dass diese Kinder und Verwandten gern auf die Freude verzichten, weil es so sinnvoller ist. Doch ist diese Einstellung z.B. meiner Familie noch viel fremder als unser Spielzeug irgendeinem anderen Kulturkreis. Ihr lieben Kritiker, habt Ihr Euch mal gefragt, wie kulturfremd Euer Anliegen ist? Und mit welcher Rücksichtslosigkeit Ihr Eure Ansichten verbreitet?
Die Broschüre über das Christentum wird abgelehnt, weil sie zu vereinfachend ist. Das mag sein. Ich würde sie auch nicht so schreiben. Aber sie ist da. Keine Freude, dass da jemand ist, der Christus bekannt machen will. Stattdessen Ablehnung, weil man es selber besser könnte. Könnte – nicht tut.
Das einzig erfreuliche an der Nachricht – die Stellungnahme der Organisatoren von „Weihnachten im Schuhkarton“ – „konnte die grundsätzlichen Bedenken nicht entkräften“. Nun, das war bei den genannten Argumenten auch nicht zu erwarten.
Die Zuständigen sind weise und haben gesprochen: Freude machen ist sinnlos. Selbst dabei Freude zu haben, ist abzulehnen. Unvollkommenes findet besser erst gar nicht statt. Schaut auf uns – wir können es besser und tun auch nichts. Hoch leben unser Intellekt und unsere Prinzipien. Ein paar tausend verpasste Gelegenheiten zur Freude fallen da nicht ins Gewicht.
Wenn noch jemand eine Antwort darauf sucht, warum die Evangelikalen so viel Zulauf haben und die Katholiken so wenig - hier ist sie.
Samstag, November 12, 2011
Denn sie wollen verköstigt sein
- Carpaccio vom Schein an einer leichten Selbstverwirklichungs-Sauce mit kleinen Stückchen von verbranntem Hirn.
- Liturgisches Frikassee an gequirltem Mainstream mit hausgemachter Wahrheit.
- WiSiKi-Eintopf mit armen Würstchen.
- Langendörfer Klopse mit Beschwichtigungs-Sauce.
- Aachener Allerlei mit weichgekochten Liturgie-Splittern.
- Pasta al porno an Sauce-Esoterique und geschriebenem Käse.
- Eulenspiegelei auf Toast.
- 2 Scheibchen geballte Medienkompetenz. Dazu reichen wir Saure Gurken aus der Presse.
- Einheitsbrei mit Süßholz-Raspeln.
- Mousse „Inghoff“ au chocolate.
- Wigratzbader Priesterrücken. Ein lang gelagerter dunkelroter Tropfen, edel, mit etwas staubigem, strengem Aroma. Nicht für jeden Geschmack.
- Mannheimer Kreisstuhl. Ein leichter, süffiger eher farbloser Wein mit vollmundigem Aroma und etwas bitterem Nachgeschmack. Ein Wein für lockere Gespräche mit jedermann.
- Schüllerer Zeitgeist. Ein wohlfeiler Wein, der leicht zu Kopfe steigt.
- Schönborner Kardinal. Eine Nachlese, die geschmacklich zwischen dem Zeitgeist und dem Priesterrücken vermittelt.
Donnerstag, November 10, 2011
Eine Idee zieht Kreise

Wir Fahrer wollen künftig Zeichen setzen:
WIR WERDEN in Zukunft an jedem Auto einen Aufkleber mit unseren Forderungen anbringen.
WIR WERDEN an gutwillige Passagiere unsere Fahrscheine ausgeben. Dies gilt auch für Passagiere, die mit einer anderen Linie woanders hin fahren und fallweise auch für Schwarzfahrer.
WIR WERDEN möglichst vermeiden, eine Strecke mehrmals täglich zu befahren, oder fremde Fahrer einzusetzen. Besser gut zu Fuß als zu viel gearbeitet.
WIR WERDEN künftig auch in stehenden Bussen Tickets ausgeben und dies als fahrerlose Fahrt ansehen und auch so nennen. So erfüllen wir die Transportpflicht in fahrerarmer Zeit.
WIR WERDEN auch das Lenkverbot für sportliche Radfahrer ohne Führerschein missachten. Es ist gerade bei viel Verkehr und Staugefahr wichtig, vorwärts zu kommen.
WIR WERDEN uns dafür einsetzen, dass trotz Personalmangels jede Linie einen eigenen Zugführer bekommt: hauptamtlich oder nebenamtlich. Das aber nicht durch Vereinfachung der Strecken, sondern durch ein neues Fahrerbild.
WIR WERDEN deshalb jede Gelegenheit nützen, öffentlich zu fordern, den Begriff des Fahrers auch auf Menschen auszudehnen, die keine Fahrer sind. Nur so bekommen wir unsere Personalnot in den Griff.
Im Übrigen sehen wir uns solidarisch mit jenen Kollegen, die wegen der Wahl eines anderen Berufes nicht mehr fahren, sowie mit allen, die noch fahren, obwohl sie zum Sitznachbarn und nicht nach vorne schauen. Sie verfolgen ihre Ziele, wie wir ja auch mit unserem Protest. Wir sehen in ihnen wie im Verkehrsminister und dem ADAC unsere Kollegen. Und Kolleginnen – sollte es unter Passagieren und Passagierinnen wohl heißen. Dafür wollen wir hupen, dafür drücken wir auf die Tube.
Diesel.
Mittwoch, November 09, 2011
Ein Offener Brief
Sehr geehrter Herr Pater Langendörfer,
wie Ihnen mittlerweile bekannt ist, werden auf der Homepage und im Webshop des von Ihnen durch Ihren Sitz im Aufsichtsrat mitverantworteten Weltbild-Verlags erotische, kirchenfeindliche und esoterische Literatur vertrieben.
Durch einige Klicks auf der Homepage landet man zum Beispiel in der Sparte »Psychologie«, danach im Unterpunkt »Psi-Phänomene« und kann dann folgendes von Ihnen (oder in Ihrer Mitverantwortung) beworbene Buch finden:
ALOHA
Gelebte Liebe und hawaiianische Huna-Philosophie
Die Wikipedia erläutert den Begriff »Huna«: »Huna ist eine esoterische Interpretation der alten schamanistisch geprägten Naturreligion Hawaiis mit psychologischen, religiösen und magischen Elementen. Huna hat sich im Laufe der letzten Jahrzehnte einen gewissen Kreis von Anhängern in vielen Ländern Europas sowie in Amerika erobert, da Überschneidungen mit Weltanschauungen aus Esoterik, New Age und Neoschamanismus vorhanden sind.«
So findet sich im – von »Weltbild« redaktionell eingepflegten Klappentext folgende Aussage:
»Wenn wir die Lebensenergie mit Freude teilen, kommen wir in Einklang mit der göttlichen Kraft, die »Mana« genannt wird. HUNA zeigt uns also auf einzigartige Weise, wie wir unser Potenzial entfalten und so alte Dinge in Liebe erlösen, Gesundheit, Glück, Wohlergehen und Erfolg erzeugen sowie die göttliche Harmonie in uns und damit in der Welt herstellen können.«
Quelle: http://www.weltbild.de/3/16543077-1/buch/aloha.html
Nun habe ich im Johannesevangelium gelernt, daß Jesus Christus der Weg, die Wahrheit und das Leben sei. Ich kann daher nicht verstehen, wie die Kirche in Deutschland durch den Profit an esoterischer Literatur ihrem vom Herrn gegebenen Auftrag, Sauerteig zu sein, nachkommen will.
Ich bitte Sie höflich, das Angebot des Weltbild-Verlags nicht nur um pornographische, sondern auch um esoterische Literatur zu bereinigen. Da das Problem bereits seit Jahren bekannt ist, und die Bischofskonferenz bislang keine Anstalten unternommen hat, wirksame Schritte einzuleiten, erlaube ich mir, dieses Schreiben als »Offenen Brief« auf unserem Blog »Echo Romeo« zu veröffentlichen.
Mit freundlichen Grüßen und der Zusicherung meines Gebets
Ihr Peter Esser
Montag, Oktober 31, 2011
Sonntag, Oktober 30, 2011
Matthäus heute für mich
Von Bastian
Heute ist endlich Matthäus 23 wieder dran. Eine meiner Lieblings-Bibelstellen, weil sie die Kirche so wunderbar stärkt und entspannt.
„Tut und befolgt also alles, was sie euch sagen, aber richtet euch nicht nach dem, was sie tun…“
Es ist die Trennung von Amt und Person. Eine Trennung, die mir derzeit in einigem durchaus entgegen kommt, wie ich zugeben muss.
Die Autorität wird bestätigt: Tut, was sie sagen. Sie ist aber unabhängig von der Person: schau nicht auf das, was sie tun. Die Autorität, die von Gott kommt, hat auch dann Vollmacht, wenn die Amtsinhaber versagen. Sogar dann, wenn sie ausdrücklich in ihrer Amtsausübung versagen: die Ehrenplätze nehmen die Pharisäer gerade aufgrund ihrer Stellung ein.
So sagt mir Gott in seiner Schrift hier: „Vertraue ruhig dem Amt. Es hat meinen Segen. Nicht die Amtsinhaber sind der Garant dafür – ich bin es, denn ich bestätige die Vollmacht. Durch das Amt hindurch vertraust Du mir.“
Ich finde das sehr beruhigend: letztlich führt Gott seine Kirche selbst. Für die Priester und Bischöfe und alle Christen heute ist dieses Evangelium viel mehr, als die Schelte, die es irgendwo für jeden von uns darstellt. Es ist zugleich ein Freispruch für den, der wirklich Gott sucht: ich kann Gott letztlich nicht verhindern, denn er bestätigt das, was er ins Leben ruft, unabhängig von meinen Fehlern und Sünden. Die anderen sind aufgefordert, sich von mir nicht irre machen zu lassen. Gott sei Dank! Gerade weil Gott im Zweifelsfall sagt: „Stört Euch nicht am Bastian – der dreht gerade etwas ab!“, gerade deshalb kann ich ich sein, ohne Perfektionismus.
Doch ich bin zu mehr berufen, als nur dazu, letztlich nicht zu stören. Christus beklagt ausführlich, wie die Pharisäer mit ihrem Handeln im Widerspruch zur Botschaft Gottes stehen, und zeichnet so zugleich ein Bild, wie es richtig wäre: lebe das, was zu verkünden Du berufen bist, und spiegele so Gott wider.
So bleiben erst einmal drei Dinge für mich übrig: ich soll leben, was ich eigentlich glaube, der Autorität des Amtes gehorchen und mich ansonsten von anderen nicht kirre machen lassen. So bin ich in die Kirche hineingenommen, ohne dass ich mich von einigen Bischöfen verwirren lassen muss, die derzeit offenbar selbst verwirrt sind und ein eher abstruses Weltbild verbreiten.

