Samstag, April 29, 2006

Linkliste - Update

Aus der Linkliste »CatholiX« wurden die »Blogozesanen« Der Begriff kommt von dem Wort »Diözesanen«. – Die »Blogozese« als Pendant zur Diözese (Bistum) ist der liebevoll-selbstironische Begriff für die katholischen Blogger. Einige alte Bekannte habe ich (neu) in die Liste aufgenommen. Aber noch ist meine Linkliste nicht vollständig …

Falls jemand sich oder andere vermißt, bitte kundtun!

Deutschland, deine Diözesen ...

Warum sind eigentlich unsere Bischöfe so zurückhaltend in Sachen »Sakrileg« und Apologetik? Ich meine, man könnte doch das Negativ-Interesse an der Herkunft des christlichen Glaubens, das in den nächsten Wochen die Leute scharenweise ins Kino treiben wird, zu einer missionarischen Offensive nutzen.

Vielleicht, weil man mit dem Schund Reibach machen kann?

Ich will nicht ungerecht sein: ich verstehe das Dilemma. Wenn man mit einem populären Buchversand am Markt präsent sein will, kann man nicht an den Top-Bestsellern vorübergehen. Und vielleicht ist es der »Verlagsgruppe Weltbild« positiv anzurechnen, daß sie immerhin zur Vorsicht aufrufen.

Und doch bleibt ein übler Geschmack bei der Sache: Das Engagement der Bistümer in »Sakrileg« scheint größer zu sein als das Engagement dagegen.

(Wobei man ja nicht in das Geschnatter gewisser Leute einstimmen muß, die wie ich gerade sah, zum Proteststurm rüsten.)

Donnerstag, April 27, 2006

Judas, Dan und Co.

Bischof Gerhard Ludwig Müller in seiner Osterpredigt zur aktuellen Debatte. Mit diesem Beitrag möchte ich eine Reihe von Anmerkungen zu Dan Browns »Da Vinci Code«, zu Deutsch »Sakrileg« starten.

Im Judasevangelium wird der Verräter Judas zum wahren Zeugen des Messias gegen die apostolische Kirche mit ihrem katholischen Glaubensbekenntnis und ihrer Liturgie. Besonders scharf wendete der Verfasser sich gegen den Opfercharakter der Eucharistie und den priesterlichen Dienst der Apostel und ihrer Nachfolger im Bischofs- und Priesteramt.

Eben dieses antikatholische Evangelium ist vor einiger Zeit in Ägypten in koptischer Übersetzung wiederentdeckt worden. Geschäftstüchtige Romanschreiber und Filmemacher haben es unter die Leute gebracht. Das Buch "Der da Vinci Code" und der Film "Sakrileg" sind bei einem sensationslüsternen Publikum gut angekommen. Nicht weil es wirkliche und gesicherte historische Kenntnis übermitteln würde, sondern weil es der eigenen Skepsis gegenüber dem überliefertem christlichen Glauben entgegenkommt.

Die Parallele zwischen dem zweiten und dem 21. Jahrhundert ist deutlich zu erkennen: Den Glauben an die Schöpfung des Kosmos als Teilhabe an der Güte Gottes hält man ebenso für undenkbar, wie die wirkliche Menschwerdung Gottes und die wirkliche Erlösung des Menschen durch Leiden und Tod Jesu Christi am Kreuz und seine leibliche Auferstehung von den Toten.

Und ebenso wie damals streut man bewusst den Zweifel aus an der geschichtlichen Zuverlässigkeit der Evangelien und der getreuen Überlieferung des apostolischen Glaubens in der katholischen Kirche aufgrund der rechtmäßigen Nachfolge der Bischöfe im Sendungsauftrag der Apostel. Man arbeitet mit einem klug ausgestreuten Verdacht: Der Vatikan opfere die Wahrheit dem Machtanspruch, so wie auch die Apostel und die Bischöfe der frühen Kirche aus Berechnung oder mangelnder Aufgeklärtheit sich ihre Wahrheiten von der Gottheit Christi und der Auferstehung von den Toten erfunden hätten. Dagegen sei der "wahre Jesus" unterdrückt worden. Nur das so genannte Judasevangelium, das aber schon von Irenäus als ein pseudoreligiöses Machwerk entlarvt worden war, beschreibe Jesus so, wie er wirklich gewesen sein soll.

Wie der Bischof Irenäus von Lyon haben die Bischöfe und alle wahrhaft Gläubigen bis heute die Aufgabe, diese Geschichtsfälschung zu entlarven. Jeder Mensch mit einem klaren Verstand erkennt, dass solche Machwerke wie das Judasevangelium und seine Aufbereitung in Romanen und Filmen niemals die Wahrheit des christlichen Glaubens antasten können. Wer kann sich von solchen gnostischen Phantastereien die Erlösung aus Sünde und Tod erwarten? Die Glaubwürdigkeit der Apostel und der Evangelien lässt sich weder historisch noch spekulativ erschüttern.


Quelle: Zenit

Dienstag, April 25, 2006

Echo aus dem Archiv: Pater Tardif

Pater Tardif …

… er feierte mal eine Heilige Messe in Köln, in der Minoritenkirche.



Irgendwie war ich sehr gespannt, wie der Abend werden würde. Ich gehörte damals zu einem Gebetskreis in Düsseldorf, und auch unser Kreis war an der Planung und Vorbereitung des Abends beteiligt. Nun gut … ich durfte Ordner spielen. (Den Bock zum Gärtner gemacht …)

Ich erinnere mich daran, dass ich eine Bekannte, Nicole, aus einer freikirchlichen Gemeinde eingeladen hatte, mitzukommen. Nun rief sie einige Stunden vor dem Gottesdienst bei mir an und sagte mir, dass sie einen kleinen Unfall, oder eher gesagt, ein Missgeschick hatte, als ein Bekannter sie mit Freunden auf einem Motorrad mitgenommen hatte. Sie hatte sich ein Knie gequetscht, und ein Schleimbeutel im Knie war stark geschwollen, so dass er punktiert werden musste. Sie hatte dabei starke Schmerzen, stützte sich auf Gehstöcke und konnte das geschwollene Knie nicht beugen. Ich schlug ihr (Super-Gläubiger, der ich war und bin!) vor, doch zu Hause zu bleiben, wenn es ihr so schlecht ginge. Der Abend würde sicherlich anstrengend werden.

Nun hatte Nicole einen gesunden Widerspruchsgeist – und darauf wollte sie sich nicht einlassen! Also kam sie mit und fand im hinteren Teil des Kirchenschiffs einen Platz, wo sie das Knie hochlegen und der für sie fremden Zeremonie einer Eucharistiefeier folgen konnte. Ich lief derweil im Kirchenschiff munter auf und ab und ordnete die Sache – führte Leute hinein und heraus, bot Stühle an und machte mich nützlich. In der Zwischenzeit hatte der Gottesdienst begonnen. Ich erinnere mich daran, dass ich während der Predigt, in der Pater Tardif versuchte, den Glauben an Jesus zu wecken und in sehr einfachen Worten die theologischen Grundlagen seines Heilungsdienstes beschrieb, mich draußen um eine ältere Frau kümmerte, die einfach einmal frische Luft schneppen musste.

Als ich wieder in den Kirchenraum kam, hatte das Gebet für die Kranken bereits begonnen. An diesem Abend gab es, wenn ich mich recht erinnere, nicht so spektakuläre Heilungen wie in den beiden Büchern von Pater Tardif. Dann aber sagte Pater Tardif, dass jemand im gleichen Augenblick am Knie eine starke Wärme spüre – und Jesus ihn gerade heilte.

Ich war doch einigermaßen platt, dass, die Krücken geschultert, Nicole durch den Kirchenraum marschierte! Sie berichtete ins Mikrophon, dass sie das prophetische Wort, welches auf eine Heilung eines Kniekranken verwies, im ersten Moment gar nicht mitbekommen hatte, sondern nur die Wärme im Knie spürte.

Wir hatten im Anschluss an die Heilige Messe Gelegenheit, bei den Patres, die P. Emiliano Tardif aufgenommen hatten, mit einem kleineren Kreis ein spätes Abendessen einzunehmen und mit Pater Tardif an einem Tisch zu sitzen. An Einzelheiten des Gespräches erinnere ich mich nicht so sehr, wohl aber an seine ruhige, bescheidene Art, die so gar nicht dem Klischee entsprach, welches man im allgemeinen von Erweckungspredigern hat.

Das war meine Begegnung mit Pater Tardif. Ich nehme auch heute noch manchmal seine beiden Bücher aus dem Regal und lese ein oder zwei Zeugnisse. Wenn ich es nicht selbst erlebt hätte … und wenn nicht ein ähnliches Erlebnis mich selbst zum Glauben geführt hätte … ich würde es auch heute nicht glauben.

Übrigens soll, wie Nicole mir berichtete, auch der Arzt überrascht gewesen sein. Er habe, sagte sie, noch mit mehreren Punktierungen gerechnet. Die aber war bereits am nächsten Tag nicht mehr nötig.

«Halleluja! Er ist wahrhaft auferstanden!»

Freitag, April 21, 2006

Tante Zeit wackelt nach Popetown ...

Wieder einmal nichts verstanden hat die ZEIT. Hier mit der Feder von Jürgen Krönig:

Aber bekanntlich protestiert es sich umso ungehemmter, wenn man unbeleckt ist von Faktenkenntnis. Zugegeben, die mittlerweile abgesetzte Werbung des Senders – Jesus, vom Kreuz gestiegen, schaut sich, gemütlich im Sessel sitzend, Popetown an, darunter das Motto „Lachen statt rumhängen“ – war nicht gerade geschmackvoll. Auch in der Serie geht es nicht zimperlich zu.


Der Schuß geht latürnich nach hinten los: Denn auch Popetown persifliert den Papst (oder etwas, das so aussehen soll wie Papst), ohne sich um die Realität – oder gar Faktenwahrnehmung – zu scheren.

Doch das Konzept westlicher Freiheit, das wir für eine zivilisatorische Errungenschaft halten, umfasst nun mal das Recht, auch Religionen und Kirchen verspotten, ja beleidigen zu können. Ein Recht, das Christen im konkreten Einzelfall murrend, ja widerwillig hinnehmen mögen. Aber generell ist es in den westlichen Gesellschaften von allen Seiten akzeptiert. Jeder Versuch, diese Freiheit einzuschränken, stößt auf erbitterten Widerstand, allen voran von Künstlern, Intellektuellen und Journalisten.


Tja, Mann. Und zu diesem Recht gehört auch das Recht der Christen, Sturm zu laufen, bis die Schwarte kracht. Einfach weil wir das Zeug nicht wollen. Es geht nicht um »Verbote« oder «Maulkörbe«; es geht darum, daß mtv auf unsere Kosten Geld machen will. Und daß wir dazu einfach – und zwar ziemlich laut, und daß man’s hört – »Nein« sagen.

»Just say no.«

Link zur ZEIT

Donnerstag, April 20, 2006

Daily Toon: City of Joy


Stadt des Jubels – am Ostermontag ist Aachen in die erste Liga (wieder) aufgestiegen. Ein schwacher Abglanz der Osterfreude sei das, meinte der Prediger im Aachener Dom. Recht hat er, meine ich! Denn seit der Auferstehung Jesu Christi von den Toten spielen wir alle in der ersten Liga.

Daher beglückwünsche ich uns alle mit dem Ostergruß: Christus ist aufgestiegen … pardon, auferstanden! Alleluja Alemannia!

Bevor mich ein Mönchengladbacher oder Kölner darauf hinweist: Ja, das ist der Unterschied zwischen der Alemannia und Jesus Christus – Jesu Platz im Himmel ist abstiegssicher.

Ich habe einen Igel aus dem Winterschlaf geweckt

Popetown – nachösterlich: Auf den mtv-Seiten gibt’s jetzt auch einen »virtuellen Beichtstuhl«; dort wird unter dem Slogan »Formular ausfüllen - beichten – Erlösung« eingeladen, seine »Sünden« zu bekennen.

Wir erfahren, wer VIVA geschaut hat, wer einen Igel aus dem Winterschlaf geweckt, wer den Freund des Freundes liebt (warum soll das eigentlich eine Sünde sein?) und so weiter und so fort.

Also Kids: die Motivation für den Beichtstuhl und für die Ausstrahlung von Popetown ist – falls euch das nicht aufgefallen sein sollte – nicht etwa redliche Aufklärung, sondern Gewinnmaximierung für mtv. Die würden euch jedes Liedchen pfeifen, von dem sie sich profit (englisch aussprechen) versprechen.

Pfeift denen auch was: Sagt denen, daß ihr Popetown Scheiße findet. Immer und immer wieder.

Donnerstag, April 13, 2006

Triduum

DIE DREI ÖSTERLICHEN TAGE
VOM LEIDEN, VOM TOD
UND VON DER AUFERSTEHUNG
UNSERES HERRN JESUS CHRISTUS




Während der Kar- und Osterfeiertage ist das Weblog geschlossen. Ich wünsche allen Mitreisenden frohe und gesegnete Feiertage.

Er bringt’s auf den Punkt

Scipio bringt es mit einem Zitat aus Habermas’ und Ratzingers Gespräch »Dialektik der Säkularisierung« auf den Punkt.

Ja. Gerade deshalb fordere ich: Weg mit Popetown. Just say no … oder so.

Popetown und die Folgen

Komisch, daß eine etwas abgedrehte, aber durchaus »mainstreamige« Cartoonserie einen derartigen Wirbel erzeugt. Wie man an den Kommentaren auch in diesem Blog sehen kann, scheint es denjenigen, die ich einmal verkürzt als »Laizisten« bezeichnen möchte, fast schon unverständlich zu sein, daß Christen den Kakao nicht begierig schlürfen, durch den sie gezogen werden sollen.

Da ist von Chancen für »souveräne Katecheten« die Rede. Was das wohl sein mag, ein »souveräner Katechet«?

Das gesellschaftliche Eis, auf das sich die »Protestierer« begeben, wird dünner – immer dünner, in dem Maße es zu einer Art kanonisierten Allgemeinguts geworden ist, daß «Kirche» mit Korruption und allen Arten von Übel gleichzusetzen ist. Zur Illustration, auf welcher Ebene sich diese »Kritik« vollzieht, ein etwas entlegeneres Beispiel.


(aus: TV Tody 07/06, S. 212)

Da ist von »Jesus Gefährtin« die Rede und vom »Nachfolger Petris« als sei Dan Brown mittlerweile zum neuesten Kirchenlehrer erhoben worden und die Regeln der Kasusbildung von Fremdworten im Deutschen völlig unbekannt. Banausentum, sagte eine Bekannte unlängst, sei keine nur punktuell auftretende Erscheinung.

Wenn es tatsächlich eine Freiheit zum Banausentum gibt, dann gibt es auch ein verbrieftes Recht, Banausentum anzuprangern und Korrektur zu fordern. (Ein anderes und durchaus Zweitrangiges ist, ob dieser Forderung stattgegeben wird …)

Noch haben die Zyniker und Religionsverächter den Glauben nicht aus dem öffentlichen Leben ins Private verdrängt – er gehört auch nicht in die reine, abgeschiedene Innerlichkeit, sondern er hat sein Recht auch auf dem Areopag. Und es gibt ein Recht, gegen die Dummheit zu kämpfen – ebenso wie es selbstverständlich auch ein Recht auf Dumpfheit gibt. Christlicher Glaube ist immer noch Motivation und Inspirationsquelle für gesellschaftliches Handeln. Prophetische (aus dem Glauben heraus lebende und handelnde) Menschen werden nicht aufhören, diese Gesellschaft mitzugestalten. Verhöhnung und Lächerlichmachung sind nicht begrüßenswerte Elemente des öffentlichen Diskurses, sondern Elemente der Dialogverweigerung. So mache ich mir die Aussage des ZDK zu eigen, daß es sich bei der Serie (und der im Vorfeld geschalteten Anzeige) nicht um Elemente einer ernstzunehmenden demokratischen und gesellschaftlichen Auseinandersetzung handelt, sondern um eine schwerwiegende Störung des öffentlichen Friedens. Etwa so wie Pinkeln gegen die Kirchenmauer.

Dienstag, April 11, 2006

Popptown


Diese Mail von m-tv erhelt ich gestern … wie, ich denke, viele andere Christen auch, die dem Aufruf der Bischofskonferenz und des ZdK gefolgt sind und Beschwerde gegen die Ausstrahlung der Sendung »Popetown« und der unsäglichen »Rumhängen«-Anzeige in TV Today und ähnlichen Blättern gefolgt sind:

Hallo,

vielen Dank für die Mail.

Die Serie Popetown polarisiert das Publikum und spricht nicht jeden Zuschauer an, jedoch kommt es weder zu Verunglimpfungen noch zu Beleidigungen von Glaubensrichtungen. Das Format soll in keiner Weise eine Haltung von MTV Networks dem Katholizismus oder der katholischen Kirche gegenüber ausdrücken, vielmehr ist es als Form satirischer Unterhaltung und somit als Kunstform zu verstehen.

Vielen Dank & viele Grüße,

Das MTV-Team


Darf ich höflich und freundlich meine neue Comicfigur vorstellen, die selbstverständlich nicht verunglimpfend oder beleidigend ist. Sie stellt den Programmchef von M-TeeVee (Mud Television) dar, einen machtgeilen und geldgierigen kleinen Choleriker, der überall herumläuft, Jugendlichen das Geld aus den Taschen und die Seelen aus dem Leib zieht, indem er ihnen ein Verdummungsserum spritzt und Glasperlen, sowie ähnlichen Tand andreht. Ich nenne die Serie »Popptown«.

Die Message von Popptown ist eigentlich ganz einfach:

– Leute, die Typen, die behaupten, euch einfach nur zum Lachen bringen zu wollen, sind nur auf euer Geld aus, und auf eure Seelen.

— Auf unsere Seelen? So was Altmodisches!

– Stimmt aber: Nur wenn sie eure Seelen haben, wenn ihr also willig bereit seid, euch an ihre Weltdeutung zu hängen, können sie mit euch machen, was sie wollen.

Sonntag, April 09, 2006

Daily Ton: Orgelmeditation

Zu Umkehr und Buße ruft meine kleine Orgelmeditation im Stile von Rameau und Widor auf.

Freitag, April 07, 2006

Lautgebegesellschaft

Wuff – in unserer Gesellschaft muß man immer Laut geben, wenn man nicht totgesagt werden möchte (oder schreibt man »tot gesagt«? – egal).

Also tu ich’s Ralf gleich: Wuff, wuff!

Freitag, März 31, 2006

Stein des Nicht-Anstoßes

In unserer Firmgruppe wurde die Frage diskutiert, ob es Gott gelingen könne, einen Stein zu erschaffen, den er selbst nicht heben könne. Nach C. S. Lewis ist diese Frage weniger eine Frage nach Gottes Möglichkeiten, sondern vielmehr nach dem, was in sich sinnvoll oder in sich widersinnig ist.

In seinem Buch »Über den Schmerz« fand ich diesen Text:

Allmacht heißt »die Macht, alles und jedes tun zu können«. (Die ursprüngliche Bedeutung im Lateinischen mag gewesen sein: »Macht über alles oder in allen Dingen«. Ich gebe hier wieder, was ich für den landläufigen Sinn halte.) In der Bibel wird uns gesagt, daß »bei Gott alle Dinge möglich sind«. In der Erörterung mit einem Nichtchristen bekommt man häufig genug gesagt, Gott würde, falls Er existierte und falls Er gut wäre, dieses oder jenes tun; und wenn wir dann darauf hinweisen, daß »dieses« oder »jenes« zu tun unmöglich sei, dann hören wir die Entgegnung: »Aber ich dachte, von Gott würde angenommen, Er könne alles tun.« Damit sind wir bei der Frage, was unmöglich sei und was nicht.

Im gewöhnlichen Sprachgebrauch ist im Wort unmöglich durchweg ein unausgesprochener Nebensatz mitgemeint, der mit den Worten beginnt: »es sei denn...«. So ist es mir unmöglich (von dem Platz aus, an dem ich jetzt sitze und schreibe) die Straße zu sehen, »es sei denn«, ich steige in das oberste Stockwerk, von wo aus ich über das dazwischenliegende Gebäude hinwegblicken kann. Hätte ich das Bein gebrochen, so würde ich sagen: Aber es ist unmöglich, ins oberste Stockwerk zu steigen - womit ich meine: dies ist unmöglich, »es sei denn«, Freunde kommen und tragen mich hinauf. Nun wollen wir einen weiteren Schritt tun zu einer neuen Stufe von Unmöglichkeit. Wir sagen: »Es ist in jedem Fall unmöglich, die Straße zu sehen, sofern ich bleibe, wo ich bin, und sofern das dazwischenliegende Gebäude bleibt, wo es ist.« Es könnte aber jemand hinzufügen: »Es sei denn, die Natur des Raumes oder des Sehens wäre anders, als sie ist.«

Ich weiß nicht, was die Philosophen und Wissenschaftler hierzu sagen würden. Aber ich würde zu antworten haben: »Ich weiß nicht, ob der Raum oder das Sehen möglicherweise von der Art sein könnten, wie du es vorschlägst.«

Nun ist es klar, daß die Worte »möglicherweise... sein könnten« hier eine absolute Art Möglichkeit oder Unmöglichkeit meinen, verschieden von den nur relativen Möglichkeiten oder Unmöglichkeiten, die wir bislang betrachtet haben. Ich vermag nicht zu sagen, ob Um-die-Ecke-sehen in diesem neuen Sinn »möglich« ist oder nicht; denn ich weiß nicht, ob es widerspruchsvoll in sich selbst ist oder nicht. Ich weiß aber sehr genau, daß es absolut unmöglich ist, wenn es in ,sich selbst widerspruchsvoll ist. Das »absolut Unmögliche« mag auch das »in sich Unmögliche« heißen; denn es trägt seine Unmöglichkeit in sich selbst, statt sie von andern Unmöglichkeiten zu borgen, die ihrerseits wieder von andern abhängen. Hier kann nicht ein »es sei denn« hinzugedacht werden. Es ist unmöglich unter allen Umständen und in allen denkbaren Welten und für jeden. »Für jeden«: darin ist selbst Gott miteinbegriffen. Seine Allmacht bedeutet die Macht, alles zu tun, was in sich möglich, nicht aber zu tun, was in sich unmöglich ist.

Du darfst Ihm Wunder zuschreiben, aber nicht Widersinn. Dies bedeutet keine Begrenzung Seiner Macht. Wenn es dir einfällt zu sagen: »Gott kann einem Geschöpf einen freien Willen geben und gleichzeitig ihm den freien Willen vorenthalten«, - dann ist es dir einfach nicht gelungen, irgend etwas über Gott auszusagen. Sinnlose Wortverbindungen werden nicht plötzlich dadurch sinnvoll, daß wir ihnen die beiden Worte »Gott kann« voranstellen. Es bleibt wahr, daß alle Dinge bei Gott möglich sind; das innerlich Unmögliche aber ist nicht ein Ding, sondern ein Nichts. Es ist für Gott genausowenig möglich wie für das schwächste Seiner Geschöpfe, von zwei einander ausschließenden Alternativen beide zu verwirklichen; nicht weil Seine Macht behindert wäre, sondern weil Unsinn eben Unsinn bleibt, selbst wenn er von Gott handelt.


C. S. Lewis, Über den Schmerz, Brunnen-Verlag, Gießen 1998, ISBN 3-7655-3355-6, Seite 23f

Donnerstag, März 30, 2006

Ein schwarzes Schaf dreht auf!

Während ich in dieser Woche von Termin zu Termin und von Kundenkorrektur zu Korrektur eile, kann ich nur schnell auf ein Schwarzes Schaf hinweisen, das aufdreht: und zwar den Hahn der wissenschaftlichen Bibelexegese. Unbedingt lesen!

Montag, März 27, 2006

Der Zerbrochene Krug - und Bischof Klaus

Gestern, in der Familienmesse: Der Pfarrer hat einen zerrochenen Krug vor der Gemeinde aufgebaut und fragt die Kinder, was wohl die Besucher der Frühmesse gesagt haben könnten, als er die großen Tonscherben über den Kirchhof zur Kirche trug. Die Vermutung eines etwa Zehnjährigen ist präzise und schonungslos. Mit großem Ernst und glockenklarer Stimme verkündet er vor der Gemeinde: »Die sagten wohl: ›Oh Mann, bist du doof, daß du einen zerbrochenen Topf über den Hof schleppst!‹«

(Eine solche Antwort muß man erst mal wegstecken können.)

Die Katechese zum »Zebrochenen Krug« ist eindringlich und klar … bisweilen mag ich Familiengottesdienste. »Zerbruch« gehört ja zum seelsorglichen Grundvokabular der freikirchlichen Geschwister. Was ist nicht alles zerbrochen, was muß alles zerbrechen, bevor ich mein Innerstes Gott offenbare und seine Herrschaft über mein verheertes Land anerkenne?

Wäre ich zehn Jahre alt, schnippste ich jetzt ich mit den Fingern und riefe mit glockenklarer Stimme: »Ich weiß was!« Bischof Hemmerle ist nämlich vor etwa vierzehn Jahren in einer Predigt anläßlich einer Priesterweihe schon einmal auf das Bild vom entzweigeratenen Gefäß gekommen. Angeblich gibt es eine chinesische Porzellanart, die nach dem Brennen zerbrochen und dann mit Goldfugen wieder zusammengesetzt wird. Daran schloß sich das typisch Hemmerlesche Wort vom »Erscheitern« des Lebens an. Das Leben – keine Erfolgsstory, sondern ein Erscheitern des Weges. Nicht müde werden, wenn alles unter den Fingern zu zerrinnen droht, oder wenn unsere Bemühungen so gar keine Frucht zu bringen scheinen. Vertrauen, daß Gott die Scherben nicht nur zusammensetzt, sondern daß die Füllung das Gefäß noch veredelt.

Gefiel mir gestern, der Gedanke.

Freitag, März 17, 2006

Medjugorje

Nein, ich bin kein »Medjugorje-Fan«. Medjugorje ist ein völlig verbauter Ort, den kann man nicht »schön« finden. Aber ich bin ein Fan der Muttergottes – und dies scheint mir dann doch ihre liebe Handschrift zu sein:
Ich wurde geheilt, als ich auf den Kreuzberg ging. Die starken Schmerzen, die ich während des Hinaufgehens spürte, verschwanden nach und nach. Und als ich oben unter dem Kreuz stand, rief ich meine Frau an und erzählte ihr das. Ihr Glück war unbeschreibbar.

Quelle

Regina Pacis ora pro nobis! – Königin des Friedens, bitte für uns! (Aus der Lauretanischen Litanei)

(P.S.: Ich war schon da …)

Donnerstag, März 16, 2006

Daily Toon


Mitunter ist nichts so grotesk komisch wie die Realität. Internet-Reisende wissen, daß die Catholica von einem neuen Hündchen angeheult wird. Diesmal kommt der Köter in Gestalt eines skurrilen »Traditionalismus« daher. Was sich hier allerdings mit den Namen von Heiligen, Bischöfen und Kardinälen schmückt, ist weit entfernt vom Anliegen aller Brüder und Schwestern, die mit großer Besorgnis den Traditionsbruch in der Katholischen Kirche diagnostiziert und begleitet haben, daß ich mich fast berufen fühle, ihnen zuzurufen: Keine Bange! Auch als Katholik aller Konzilien und gerade als bekennender Ratzingerfan weiß ich um euer Anliegen und laufe nicht Gefahr, eine marodierende Bande von Irrläufern mit der einen, heiligen, katholischen und apostolischen Kirche zu verwechseln – mögen sie sich auch elfmal elf Mal mit dem Namen des Kreuzes zu schmücken versuchen – und mit ihren Bußwerken protzen.

Merke: Glaube niemandem sein Zeugnis, der nicht auch bereit ist, mit seinem Namen dazu zu stehen.