Dienstag, November 15, 2005

Le Christ et son ami


Christus und sein Freund – so wird die koptische Ikone in Taizé genannt, die ihren Platz am linken Pfeiler hat – wo der Kirchenraum in den erweiterbaren Mehrzweckraum übergeht, wo Frère Roger bei den Gebetszeiten saß (und wir oft, einige wenige Meter neben ihm). Die Ikone stellt den Abt Menas dar, der, von Christus gehalten, in Taizé als Sinnbild der Freundschaft gilt. Freundschaft Christi, Freundschaft der Menschen untereinander. – Natürlich ist die Ikone in Taizé auch eine Reproduktion; aber fast scheint es, als sei die Reproduktion originaler als das Original.

Das Erstaunliche für mich immer wieder: Der Ältere, Ergraute, Weise wird vom Jüngeren gehalten. Wenn ich davon ausgehe, daß für die frühen Betrachter des Bildes das Alter als Symbol und Sitz der Weisheit galt, stellt die Ikone die Weisheit der Menschen auf den Kopf. (Heute ist die Deutung vermutlich etwas anders, aber das ist ein anderes Thema. Ich gehe mal vom »Weisen Ältesten« aus.)

Gestern habe ich einen großflächigen Druck der Ikone (etwa 50x50 cm) beim Buchbinder aufziehen lassen, um ihn in die Jugendvesper mitzunehmen. Christus und sein Freund.

Montag, November 14, 2005

Daily Toon



Irgendwie wurde Astronaut Gary L. das Gefühl nicht los, von einer mysteriösen Kreatur beschattet zu werden.

Sonntag, November 13, 2005

Ich bin ein ganz Lästiger

Augustinus, aus der Rede über die Hirten der Kirche

[…] So, du willst also verirrt sein, und du willst verloren sein? Um so mehr aber will ich das nicht. Ja, ich wage zu sagen, daß ich ungelegen komme. Ich höre den Apostel sagen: »Verkünde das Wort, tritt dafür ein, zu gelegener und ungelegener Zeit.« Für wen zu gelegener Zeit? Zu wem zu ungelegener Zeit? Gelegen für die, die wollen, ungelegen für die, die nicht wollen. Ich bin ein ganz Lästiger und wage zu sagen: »Du zwar willst dich verlieren, du willst verloren sein. Aber ich will das nicht! Schließlich will es auch der nicht, der mich in Furcht versetzt! Wollte ich es auch, so höre du, wie er tadelt: » Die verschreckten Schafe holt ihr nicht zurück, die verirrten sucht ihr nicht.« Soll ich dich mehr fürchten als ihn? »Wir alle müssen vor dem Richterstuhl Christi Zeugnis ablegen.«
Ich will die verirrten Schafe zurückrufen, die verlorenen suchen. Du magst wollen oder nicht, ich werde danach handeln. Und wenn mich beim Suchen die Dornen des Waldes zerfleischen, durch alles Dickicht werde ich mich durchzwängen, alle Zäune aufbrechen. Alles will ich durchstreifen, soweit mir Gott, der furchterregende, die Kraft dazu gibt. Ich will das verirrte Schaf zurückrufen, das verlorene suchen.

(Zitiert aus: Die Feier des Stundengebets, Lektionar, Heft 8, Erste Jahresreihe, Sonntag der 33. Woche im Jahreskreis)

Samstag, November 12, 2005

Imperialer Zahn

In London wurde nach einer Pressemeldung Boneys Zahn versteigert. Nun ja: Ich kann mich da ja ganz gut mit der jüdischen Auffassung anfreunden, nach der auch ein Zahn zu den sterblichen Überresten eines Menschen gehört – und Respekt heischt. (Aber es sollte nicht mit Knochen um sich schmeißen, wer im Reliquiar sitzt.)

AP äußert sich in der Pressemitteilung nicht darüber, ob es sich um den Zahn handelt, den sich Napoleon bei Trafalgar an der englischen Flotte ausgebissen hat. Es lebe Hornblower!

Daily Toon


Aus der Serie: »Wir Brückenbauer«

Freitag, November 11, 2005

Immobilie Kirche

Die Kirche von Aachen hat ein Problem … mit den Immobilien. (Lustig, daß Kirchegebäude als Immobilien bezeichnet werden. Ich meine, daß sie es sind, davon kann mancher Kirchenvorstand ein Lied singen. Aber daß mir keiner auf die Idee kommt, daraus den Schluß zu ziehen, die Kirche an sich sei unbeweglich.)

Sei’s drum. Immobilien halt. Man kann sie nicht wegrücken, sie stehen da, mitten im Dorf oder in der Stadt. So eine Kirche wie die neugotische Liebfrauenkirche in Krefeld bildet sogar den Mittelpunkt eines sehr malerischen Viertels.

Und doch ist sie gefährdet; eine überalterte, ständig schrumpfende Gemeinde, ein dringend sanierungsbedürftiger Innenraum. Keine Zukunftsperspektive.

Was tun? Abreißen? Umwidmen? Wohnetagen einziehen? Eventhalle draus machen? Vielleicht eine Ausstellungshalle mit lebensgroßen Figuren: So lebten Christen im ausgehenden zwanzigsten Jahrhundert? Ein Dilemma, wie es scheint.

Ein Bekannter, der sich auskennen muß, meint: Stehenlassen. Verfallen lassen. Angeblich könnten andere Europäer – er nannte die Italiener – kaum verstehen, wie schnell wir in Deutschland die Abrißbirne oder die Umnutzung (Vermarktung, wie es in einem Bericht der Rheinischen Post über die Kirchenbaunutzung in Krefeld heißt) als vermeintliche Lösung sehen.

So wie der Turm unserer Hauptkirche. Nahezu ein Jahrhundert lang trug er eine wilhelminische Dachhaube, bis Ende 2003 ein Sturm eine kupferne Fiale abriß und auf den Vorplatz schleuderte. Die Haube mußte weg, der digitus dei über Krefeld ist gekappt. Oups!



Ich lese weiter in der Rheinischen Post. Offen ist die Fortexistenz von Gemeinden wie St. Hubertus. Das trifft mich. Unsere Pfarre – und zwar eine Pfarre, die das Prädikat »lebendig« zu recht trägt. – Nicht wie Gemeinden, in denen einfach »viel los« ist. Sondern eine Pfarre, in der verkündet, gebetet, und gelebt wird. Ach ja … und in der die Versöhnung gefeiert wird. In den fünfziger Jahren als Behelfskirche gebaut, damit man sie bei einem möglichen Ausbau der benachbarten Ausfallstraße leicht wieder abbauen und woanders aufbauen könne – Eine »Zeltkirche«.

Ich lege die Zeitung zur Seite und frage mich, nach welchen Kriterien eigentlich dieser »Rückbau« geschieht?

Daily Toon




Einen kleinen Gruß an alle (anderen) Narren. Heute, zu Beginn der »Fünften Jahreszeit« . (Hätte Petra mich nicht daran erinnert, ich hätt’ nicht daran gedacht.)

Allen Martins und sonstigen PannonierInnen ein frohes und gesegnetes Fescht!

Donnerstag, November 10, 2005

Erkenne, wen du vor dir erblickst

Ich möchte euch zum Martinsfest aber auch etwas Geistlicheres »servieren«. Sankt Martin ist ja am Niederrhein ein ganz wichtiger Festtag. Für uns Kinder läutete er definitiv die kalte Jahreszeit mit den unbeschreiblichen Glanzlichtern »Nikolaus«, »Advent«, »Weihnachten« ein. Ich kann bis heute nicht den dumpfen Klang der Blaskapellen hören, ohne zu hinzulaufen so schnell es geht. So auch heute, als der Zug geradewegs unter unserer Haustür vorbeizog.



Aber Martin ist nicht nur der achtzehnjährige Soldat, der sein Letztes dahergab (»unser« Sankt Martin war sicher bereits jenseits der sechzig«) … und der Clou der Geschichte wird auch gerne verschwiegen: Christus, der ihm im Traum erscheint, mit dem Mantelstück bekleidet und ihm zu verstehen gibt, daß Martin, obwohl noch Katechumene, dem Herrn selbst die Liebe erwiesen hat: »Martinus, obwohl erst Katechumen, hat Mich mit diesem Mantel bekleidet.«

Ich teile eine Episode, die Sulpicius Severus, Martins Biograph, aufgeschrieben hat, mit euch. Der Text ist aus dem »Leben des Heiligen Martinus«, BKV, Band 20, Kösel 1914, Schriften des Sulpicius Severus:

Ich darf nicht übergehen, auf welch schlaue Weise der Teufel damals Martinus versuchte. Eines Tages stand er vor ihm in der Zelle, während er betete. Purpurlicht strahlte er vor sich her und war auch selbst ganz davon umflossen; mit diesem erborgten Lichtglanze hoffte er um so leichter täuschen zu können. Ein Königsmantel umwallte ihn, er trug ein edelsteinfunkelndes, goldenes Diadem auf dem Haupt, seine Schuhe waren golddurchwirkt; gewinnend war seine Miene, freundlich sein Antlitz, so daß man eher alles andere als den Teufel in ihm vermuten mußte. Auf den ersten Blick war Martinus höchlichst überrascht; beide schwiegen geraume Zeit. Dann begann der Teufel zuerst: »Erkenne, wen du vor dir erblickst. Ich bin Christus. Da ich im Begriff bin, auf die Erde herniederzusteigen, wollte ich mich dir zuerst offenbaren.« Martinus schwieg und antwortete mit keiner Silbe darauf. Da hatte der Teufel die Frechheit, sein frevelhaftes Bekenntnis zu wiederholen: »Martinus, warum zweifelst du. Glaube doch, da deine Augen es ja schauen? Ich bin Christus.« Jetzt ward es Martinus durch eine Geistesoffenbarung kund, der Teufel stehe vor ihm, nicht Gott. Daher sprach er: »Jesus, unser Herr, hat nicht gesagt, daß er in Purpur und im Glanze einer Krone wiederkommen werde. Ich kann nicht glauben, daß Christus anders gekommen wäre als in jener Haltung und äußeren Gestalt, so wie er gelitten, als mit den Wundmalen des Kreuzes«. Bei diesen Worten verschwand der Teufel plötzlich wie Rauch und erfüllte die Zelle mit üblem Geruch. Dieses Vorkommnis habe ich wortgetreu nach der Aussage des Martinus erzählt; das bemerke ich deshalb, daß niemand die Erzählung für ein Märchen halte.

Daily Toon

Mittwoch, November 09, 2005

Marathon



Ob es schon Illustratoren gegeben hat, die nach dem zehnten Storyboard zusammengebrochen sind? Irgendwie waren die letzten 24 Stunden mal wieder die kreative Rakete. Das sieht dann etwa so aus. Am Anfang steht das Kundenscribble (siehe unten).

Erster Schritt: Wahrnehmen.



Zweiter Schritt: Was sagt Google zum Thema?

Dritter Schritt: Zeichnen. Filzer auf Papier.




Vierter Schritt: Vorlage einscannen. (Sieht noch wild aus. Aber für die Illustration habe ich nur zwanzig Minuten. Ingesamt. Da müssen Schönheit und »Richtigkeit« hintanstehen.)

Füneff: Durchzeichnen – in Painter. Ab jetzt geschieht alles »im Rechner« – also mit einem Zeichentablett.



Sechster Schritt: Farben drauf. Alles digital – fertich.

Dienstag, November 08, 2005

Besuch aus der Uhrzeit



Jeder wird, denke ich, sofort und bereitwillig zugeben, daß zu einem guten Weblog auch ein echter Saurier gehört. Also habe ich aus meiner paläontologischen Schatzkiste den »Bloggosaurus« hervorgezaubert. Dieser zugegeben recht kleine Saurier ist zur Zeit noch dabei, das Weblog zu tapezieren. (Css will noch nicht so recht kleben.)

Leute, lest mehr Kettenbriefe!

»Wer das löscht, hat kein Herz! Hallo mein Name ist Krita Marie und habe vor kurzen eine kleine Tochter erhalten, die Natalie heisst.«
Diese Mail erhielt ich am Freitag von einem Bekannten aus einer Agentur. Da ich mir nicht Herzlosigkeit nachsagen lassen wollte, habe ich (vor dem Löschen der Mail) den Namen Krita Marie in die Suchmachine eingegeben und bin sofort fündig geworden. Den Link habe ich mailwendend an den Absender (nein, nicht an »allen antworten«) zurückgeschickt. Und einen kurzen Augenblick juckte mich das Fell: er solle lieber Aufträge rüberwachsen lassen als Hoax-Mails zu versenden.
Lustig: Heute ist der Auftrag da. Da sage einer, Kettenbriefe seien komplett sinnlos.

Nachtrag zu Halloween

Ein schöner Kommentar aus der Blogozese: Das Grauen hat erst begonnen. Sehr schön, Yon …

(Da bei uns die letzten Gruselgestalten erst vorgestern gesichtet wurden, erlaube ich mir das Aufwärmen kalten Kaffees.)

Montag, November 07, 2005

Heute muß die Glocke werden

Heiliger Willibrord – ein Mann mit einem fast unaussprechlichen Namen; und doch!

Heute muß die Glocke werden – heute muß das Weblog online gehen. Dieser Mann, der aus England kommend, sich ganz der Aufgabe verschrieben hat, das Evangelium in unseren Breiten bekannt zu machen, ist der Patron für diesen Blog. Noch hängen überall die ausgehöhlten Kürbisse in den Fenstern, brennen überall Kerzen, die unsere Nachbarn als »Totenlichter« bezeichneten, sind die Skelett-Kostüme der Kinder noch nicht weggeräumt. (In wieviel Schwarz muß man sich kleiden, um als Skelett zu erscheinen!)

Was hättest du, Willibrord, wohl zu diesem Ausbruch heidnischer Kulte nach 1300 Jahren gesagt? Vielleicht: «Nimm’s mal nicht so wichtig; es sind ja nur Kinderspiele?» Oder doch: «Achte nicht auf sie – laß dich aus deiner Halbherzigkeit und Trägheit aufrütteln?«

Eine Bekannte stöhnte heute über den Streß, jedes Fest mit der dazugehörigen Ausstattung zu feiern (Totenlichter (sic!), Skelettkostüme, Kürbisse …). Vielleicht, schlug ich vor, einfach katholisch werden! Das sei so uncool, daß man alles Nötige zu jeder Zeit noch bekommen könnte.

Ein klein wenig noch zum heiligen Willibrord. Da schreibt Alkuin von Tours nach Willibrords rascher Heiligsprechung:

»In der Inbrunst seines Glaubens hat (Willibrord) Gott zuliebe Vaterland, Verwandte und Freunde verlassen,« – Vielleicht können wir es uns gar nicht mehr vorstellen, was es zur damaligen Zeit bedeutet haben muß, die Heimat (Northumbrien/England) zu verlassen - »die irdischen Güter geringgeschätzt, um die himmlischen zu erlangen. Deshalb hat er auch für seine Mühen die verdienten Erfolge gehabt: Viele Völkerscharen hat er zu Christus bekehrt, viele Heiden von Irrtum und Sünde abgebracht und so, mit Hilfe der göttlichen Gnade, aus Kindern des Zornes Kinder des Erbarmens gemacht. Die Hölle hat er verschlossen, den Himmel aufgetan. Zahlreiche Völker hat er aufgesucht, um alle auf den Weg der Wahrheit zu führen. Er hat sich selbst nicht geschont, sondern sich unter wilde Stämme begeben, um dort vielleicht die purpurne Krone des Martyriums zu finden. Gott aber hat ihn um des Heiles vieler willen bewahrt: Er sollte durch seine Verkündigung höhere Ehre empfangen, als wenn er als einzelner die Krone durch das Martyrium erlangt hätte. Der sich voll Hoffnung abgemüht hat, ist im Frieden entschlafen. Der das zeitliche Leben verlassen hat, hat nun das ewige erlangt. Uns wurde er weggenommen, den Engeln wurde er zugesellt.«

Mir ist von diesem Eifer, dieser Selbstvergessenheit um Christi willen nichts oder wenig eigen – das weiß ich nur gut. Aber bitte, Willibrord, dein Beispiel – wie Alkuin von Tours schreibt – »möge uns aus unserer Halbherzigkeit und Trägheit aufrütteln«, damit die Totenlichter dem einen Licht des Lebens weichen.

(Kursiver Textauszug aus: Lektionar zum Stundenbuch I/8, S. 278)

Freitag, Oktober 28, 2005

Ein neuer Ort – und gestalterisch nicht so vorgemustert wie
der alte Ort
. Hier entsteht mein neues Weblog. Ein Verweis von Ralf auf die Internetpräsenz eines holländischen Podcasters hat mir wieder die Freude am Hobby«publishen» gebracht. Mal schauen, was draus wird ...

(So, das war mein obligates Einstiegsposting am Fest der Hll. Apostel Simon und Judas. Ohne dieses gibt es kein sichtbares Weblog im Internet. Gewissermaßen die symbolische Mark oder der symbolische Euro zum einzahlen auf das neue Konto.)