Mittwoch, Oktober 31, 2012

Begriffe, die mich nerven (1)

[Von Bastian]
Ein Blog ist eine Art Tagebuch, heißt es. Und dieser Tage sind mir im "katholischen Bereich" ein paar Begriffe aufgefallen, die ich nicht mag. Ein Tagebuch ist subjektiv; daher kann es sich bei diesen Postings nur um mehr oder weniger durchdachte Befindlichkeiten handeln. Der/die LeserIn mag unter diesen Begriffen etwas völlig anderes verstehen, und das mit gleichem oder gar größerem Recht. Das sei unbenommen.

Der erste Begriff: das "Wagnis des Glaubens".
Da ist natürlich etwas dran: der Schritt auf Gott zu ist jedesmal ein Wagnis, oder besser: er fühlt sich so an. Jeder Vertrauensschritt hat das so an sich. Das Wagnis der Liebe, der Kindererziehung, des ersten Schwimmens und des Bungee-springens: beim Vertrauen geht man ein Risiko ein. Vertrauen ist Wagnis.
Das einzige Vertrauen, das faktisch keinerlei Wagnis bedeutet, ist der Glaube. Gott ist absolut zuverlässig. Er ist eben kein Risiko, sondern der unglaublich erholsame risikolose Bereich.
Da ist jemand, der eigentlich alles haben kann, was er will, und der mich trotzdem derart liebt, dass er sich lieber zu Tode martern lässt, als auf meine Nähe zu verzichten. Und da soll die Frage lauten, ob ich wage, ihm zu vertrauen? Die angemessene Frage ist: "Wie kannst Du es wagen, ihm NICHT zu vertrauen?!"

Das nette, süßliche, ach so menschliche, wo-man-gerade-ist-abholende Wagnis des Glaubens verstellt schnell den Blick auf das eigentliche, nicht ungefährliche Risiko: das Wagnis des Unglaubens.

Wie gesagt: Befindlichkeiten.

Dienstag, Oktober 30, 2012

Interessantes Gespräch


[Von Bastian]
Kürzlich hatte ich ein interessantes Gespräch über unterschiedliche Wahrnehmungen. Die Ausgangsfrage war: wie kann es sein, dass an einer Schule im Unterricht gesagt werden darf, Abtreibung sei im Zweifelsfall OK, aber nicht, Abtreibung sei im Zweifelsfall nicht OK? Wie kann es sein, dass eine Position vertreten werden darf, die Gegenposition aber nicht?
Meinungsdiktatur? Selbst in diesem Fall, in dem für alle evident eine Meinungsäußerung erlaubt und die andere verboten ist, kommt man damit nicht weiter, denn genau das ist auch der Vorwurf, der den Abtreibungsgegnern gemacht wird: sie wollten ihre Ansichten anderen aufzwingen. Mit der Antwort, die Abtreibungsbefürworter hätten eben das Sagen und nutzten das aus, wird man der Sache also nicht gerecht – sie würden sich gegen diese Anschuldigung verwahren! Damit bringt man kein Gespräch voran.

Der entscheidende Unterschied liegt nicht in den Meinungen, die vertreten werden, sondern in einer grundlegend unterschiedlichen Wahrnehmung dessen, was überhaupt eine Meinung ist. Darüber gibt es inzwischen einen großen gesellschaftlichen Konsens.
Wer sagt, Abtreibung sei eine Entscheidung der betroffenen Frau, in die man nicht hereinzureden habe, vertritt keine Meinung. Im Gegenteil enthält er sich jeder Meinung und verhält sich daher angemessen, weil es nicht um ihn geht. In dieser Logik kommt hier jede Meinungsäußerung einem Angriff gleich, da sie den Entscheidungsbereich der Frau antastet, indem sie manipuliert und unter Druck setzt. Da aber Manipulation und Ausübung von Druck an der Schule selbstverständlich nicht erlaubt sind, haben in den Augen der Gesellschaft Abtreibungsgegner zu schweigen. Man darf dagegen sein, aber niemandem in die eigene Entscheidung hineinreden.
Pro choice um der Freiheit willen ist weit mehr als das kurzsichtige Vertreten egoistischer Positionen, wie es oft dargestellt wird. Es ist vielmehr auf Grundlage einer allgemein anerkannten Logik eine durchdachte Gewissensentscheidung.

Diese Logik definiert Freiheit als die Möglichkeit, freie Entscheidungen aus einem freien und daher unbeeinflussten Gewissen heraus zu treffen. Gewissensbeeinflussungen sind abzulehnen, denn sie machen unfrei. Alleine ist der Mensch am freiesten.
Der Fehler, der dieser Logik innewohnt, wird vielleicht am deutlichsten, wenn man sie auf den Intellekt anwendet. Sie lautete dann: der beste Intellekt ist möglichst ungebildet, denn nur unbeeinflusst kann er sich entfalten.
Letztlich ist es eine völlig anders tickende innere Logik, die es Abtreibungsbefürwortern oft unmöglich macht, Argumentationen zu folgen, die für mich bestechend klar und einfach sind. Diese andere Logik, die eine Logik der Einsamkeit als Tugend ist, gilt es zu überwinden.

Freitag, Oktober 26, 2012

Drei-faltig!

Gott ist alt. Er hat schon drei Falten.

(Kindermund aus zweiter Hand, was ebenso missverständlich sein dürfte...)

Bedingungslose Annahme – aber dann!


[Von Bastian]
Jesu Verkündigung sei die vom menschenfreundlichen Gott, vor dem jeder Mensch eine unzerstörbare Würde habe und von ihm bedingungslos angenommen werde - egal, ob "heilig" oder "Sünder". Die Botschaft von einem Gott, der auf der Seite der Armen und Benachteiligten stehe.
Der auch mich bedingungslos annehme - in all meinem Unvermögen und meiner Gebrochenheit.
So wurde einmal das zusammengefasst, was persönlich für den großen Schatz an der Botschaft Jesu gehalten werde.

Oft habe ich von solchen Aussagen ob eines leichten inneren Konfliktes leichte Bauchschmerzen bekommen: einerseits stimmen diese Aussagen natürlich, andererseits scheinen sie doch die Lehre vom Reich Gottes zu relativieren, für das definitiv nicht alles gleich bzw. gleichwertig ist. Wenn ich nicht große Teile der Verkündigung weglassen will, dann hat dieses Reich als Eingang einen Gerichtssaal, den ich erst einmal als freier Mann verlassen muss, um hineinzukommen. Und das klingt nicht besonders bedingungslos.

In der Verkündigung gibt es, wie ich oft erlebe, zwei Richtungen, die jeweils einen der Aspekte zum höheren Gut machen. Manchmal scheint es einen unübersehbaren Wust an Vorschriften zu geben, die zu erkennen, zu bejahen und zu befolgen sind, bevor man sich „Christ“ nennen darf; manchmal scheint es ein großer Fehler zu sein, überhaupt einen Anspruch an sich zu stellen, außer dem einen, sich lieben zu lassen, wie man nun einmal ist. Beides leitet sich aus der Botschaft Jesu her, und es gibt endlose Diskussionen zwischen den Vertretern beider Ansätze, die sich dabei durchaus auch gegenseitig den richtigen, freien Glauben absprechen.

Das Missverständnis liegt dabei, so denke ich, darin begründet, dass nicht unterschieden wird zwischen der Begegnung mit Gott und dem Weg mit ihm. Es ist wahr: Christus will jedem Menschen begegnen, völlig egal, wie sehr er in Sünde und Schuld verstrickt ist. Diese Nähe Gottes ist bedingungslos, dogmen- und bekenntnisfrei und gilt selbst reueresistenten schweren Sündern. Insofern trifft die Aussage oben voll zu. Niemals darf eine Verkündigung diese bedingungslose liebende Nähe Gottes einschränken! Eine Theologie, die diese Nähe verkennt und an Bedingungen knüpft, verkennt Gott. Allerdings ist dies die Nähe, die zu ersten Begegnung führen soll. Es ist nicht die Beschreibung der Art von Freundschaft, die Gott sich mit dem Menschen wünscht. Gottes „Menschenfreundlichkeit“ ist nämlich mehr, als das Wohlwollen eines netten Beobachters, der letztlich nicht eingreifen will. Es ist eine tiefe Sehnsucht nach jedem und jeder einzelnen von uns, nach mir – eine Sehnsucht, die nur durch meine Liebe zu ihm gestillt werden kann. Gemeinsame Liebe aber bedeutet einen gemeinsamen Weg.
Im Klartext: sobald ich Gott begegnet bin, ist es mit der Bedingungslosigkeit vorbei. Dann heißt es: Willst Du mich lieben? Kommst Du mit?

Dann zu sagen: „Nein, ich bleibe, wo und wie ich bin, denn so liebst du mich!“ bedeutet, nicht zurück zu lieben. Eine Theologie, die sagt, für Gott sei alles gut und sein Wunsch sei, dass man das erkenne und sich einfach so geliebt wisse, redet zwar von Liebe, ist aber eine Theologie der Lieblosigkeit, denn sie antwortet nicht. Sie liebt nicht zurück.
Eine gute Verkündigung lehrt die Liebe in ihrer Fülle: im Geliebt-sein und im Selber-lieben. Und sie bekennt, was Gott uns sagt: Er hat uns zuerst geliebt.

Der Raum, den wir in dieser Liebe gemeinsam mit Gott betreten, ist die Wahrheit. Hier gibt es mehr, als persönliche Empfindungen – hier herrscht das Reich Gottes. Alle Regeln, Dogmen und moralische Vorstellungen, alle Gebete und alle Sakramente ergeben erst einen Sinn, wenn sie in diesem Raum und in seinem Licht betrachtet werden. Von außen betrachtet sind sie aus Stein, der im Weg stehen kann, von innen betrachtet sind sie aus Licht, das von Gott kommt. Und wenn ich das weiß, tue ich gut daran, sie zu pflegen, auch wenn sie mir wieder einmal steinern vorkommen, weil ich wieder einmal Liebe und Wahrheit verlassen habe. Doch das gute ist: auch dann gilt wieder Gottes erste und bedingungslose Liebe zu mir: er ist da. Es ist ein Hand-in Hand beider Aspekte: der Bedingungslosigkeit und der Größe und Fülle an Erkenntnis und Gesetzmäßigkeiten, die sich daraus ergeben.

Wer die Größe des Schatzes erkennen will, den die Kirche von Gott übergeben bekommen hat, der kann bedingungslos eintreten und sich dann belehren lassen. Wer verkünden will, soll Gottes bedingungslose Liebe lehren, aber er lasse niemanden am Eingang stehen, als sei das alles. Das Gericht, so denke ich, verlässt jeder als freier Mensch, der zumindest ein wenig zurückgeliebt hat. Den fehlenden Rest schenkt Gott: wer hat, bekommt noch dazu.

Mittwoch, Oktober 24, 2012

Weisheitsspruch

[Von Bastian]
Da es mal wieder um Kinder und Familien geht: im Baumarkt habe ich vorgestern ein stolzes junges Ehepaar getroffen, deren noch stolzere 3jährige Tochter das 3monatige Brüderchen durch die Gegend schob. Wir kamen kurz ins Gespräch. Ich erzählte, dass es mit immer mehr Kindern eigentlich immer einfacher werde - bei uns war die Umstellung von einem auf zwei kinder größer als die von zweien auf gleich vier.
Und ich schob den Kalauer nach, der nicht von mir, aber trotzdem weise ist und den ich daher jetzt auch hier einmal schreibe:

Den Unterschied zwischen dem ersten, zweiten und dritten Kind erkennt man, wenn das Kind einen Euro verschluckt:
Beim ersten Kind rennt man zum Arzt.
Beim zweiten Kind durchsucht man die Windeln.
Beim dritten Kind zieht man den Euro vom Taschengeld ab.

Man wird lässiger.

Elternreiche Familien

[Von Bastian]
Kinderreiche Familien gibt es immer weniger. In den Niederlanden versucht man nun, mit neuen Wegen die Familien wieder größer zu bekommen: mit mehr Eltern. (LINK)

Ich wünsche viel Spaß beim Festlegen der Erbfolge von Eltern, die die Kinder selbst nicht gezeugt haben, zu Geschwistern, die keine sind. Ebenso bei der Festlegung von Besuchsregelungen im Scheidungsfall oder der Frage, welches der 4 Elternteile Anspruch auf das Kindergeld hat oder welcher der Väter bei der Geburt dabei sein darf. Elternabende dürften sich mittelfristig zu Massenveranstaltungen entwickeln.
Die logische Weiterentwicklung: Stopp der Diskriminierung der Kinderlosen! Der Begriff „Eltern“ wird auf alle Erwachsenen ausgeweitet, gleich ob sie Kinder haben oder nicht. Überhaupt wäre anstelle des Wortes „Eltern“ die Einführung des Terminus „Person mit Zeugungshintergrund“ sinnvoll. Dabei muss selbstverständlich „Zeugung“ analog zu Gender nicht mit der biologischen Tatsache, sondern mit dem selbstgewählten Wunsch danach gleichgesetzt werden.

Kämpfen wir also für große und freie Familien in einer großen, freien Welt.

Als Schnorrer geh' ich über Leichen.

[Von Bastian]
Wenn ich mir Kleidung kaufe, oder Tee, oder Kaffee, oder Südfrüchte, oder ein Auto, oder Computerteile, oder ein Handy, oder, oder…  jedenfalls bin ich meistens froh, wenn es preiswert ist. Oft mache ich mir nicht klar, dass jemand anders da für mich bezahlt: in anderen Ländern. Mit Arbeit, die er/sie kaum vergütet bekommt, mit seiner/ihrer Gesundheit. Letztlich mit dem Leben, denn ich wollte so nicht leben. (LINK) (LINK) etc.

Eigentlich wollte Gott der einzige sein, der mit Seinem Leben für mich zahlt…

Prognosen sind gefährlich!

[Von Bastian]
Die 6 verurteilten Geologen in Italien (LINK) zeigen wieder einmal, dass unsere Gesellschaft sich mit dem gesunden Menschenverstand immer schwerer tut. Eine falsche Prognose hatte fatale Folgen: es wurden keine Vorkehrungen für ein Erdbeben getroffen, dass daraufhin unangekündigt eintrat. Für die fehlende Warnung vor dem Beben, bei dem zahlreiche Menschen umkamen, sollen die Wissenschaftler nun ins Gefängnis.

Abgesehen davon, dass ich kaum glaube, dass bei einer Vorhersage viel mehr passiert wäre, als offizielle Beschwichtigungen und Angst vor einer „überzogenen Panikmache“: wer, bitte, ist so blöde, sich jetzt noch aus dem Fenster zu lehnen? Die ersten Wissenschaftler sind von ihren entsprechenden Ämtern zurückgetreten. Ich wage die Prognose (hört, hört!), dass das noch viel mehr werden, wenn sich das Urteil bestätigen sollte. (LINK)
Allen, die das anders sehen, empfehle ich den Film „Der weiße Hai“ (engl.: „Jaws“). Abgesehen davon, dass das ein Klassiker ist, zeigt er peinlich realistisch, wie mit Warnungen umgegangen wird, selbst wenn es dabei um Leben und Tod geht.

Als ich noch bei der Flugsicherung war, sagte man uns: „Wenn Sie mal einen Fehler machen, der Folgen hat, wird eine 20-köpfige Expertengruppe nach 5 Monaten Diskussion erklären, was Sie allein in 5sec. hätten berücksichtigen müssen, und Sie dafür schuldig sprechen." Ich fühle mich daran erinnert.

Für mich nicht folgerichtig.

[Von Bastian]

Die Piusbruderschaft schließt Bischof Williamson aus. (LINK)
Williamson habe sich «seit mehreren Jahren von der Führung und Leitung der Priesterbruderschaft entfernt und sich geweigert, den Respekt und den Gehorsam zu bezeigen, den er seinen rechtmäßigen Oberen schuldet».

Von der rechtmäßigen Führung entfernt?
Gehorsam und Respekt verweigert?
Das alles über Jahre?

Vielleicht irre ich mich ja, doch für mich klingt das, als habe Bischof Williamson damit genau im Geiste der Bruderschaft gehandelt.

Freitag, Oktober 19, 2012

Widerlich und doch bezeichnend!

[Von Bastian]
Eigentlich mag ich über derart widerliche Dinge nicht schreiben. Ich tue es nicht der Sache wegen, sondern weil es wieder einmal ein Zeichen für die absurde Weise ist, wie unsere öffentliche Meinung so tickt.
Der Bundesrat will ein Verbot der Sodomie gesetzlich verankern - im Tierschutz. Tierschutzverbände begrüßen das Vorhaben. (LINK)
Abgesehen davon, dass dieses Vorhaben eine unglaublich geschmacklos-makabere Komik beinhaltet, wird noch eines deutlich: der Mensch ist offensichtlich gesetzlich nicht mehr schützbar. Was beim Tier oder anderswo strafbar ist, ist beim Menschen ein Freiheitsrecht. Freiheit braucht eine Ordnung, die höher ist, als sie selbst, sonst ist jede Perversion schützenswert. Eine Gesellschaft mit diesem Verständnis von Freiheit ist auf Dauer nicht lebensfähig.

Mittwoch, Oktober 17, 2012

Im Westen nichts Neues.


[Peter Esser] Zur redaktionellen Einleitung dieses Interviews mit Bischof Overbeck und zum Zuschnitt der Fragen:

Ob die Redakteure einfach nicht realisieren WOLLEN, daß auch ihre Fixierung auf das ihnen richtig Erscheinende eine Form der Erstarrung ist? Ob sie vielleicht einmal die Toleranz aufbringen können, Andersartiges, verstörend Fremdes einfach einmal andersartig und verstörend fremd sein zu lassen? Katholisch katholisch sein lassen? Ist denn ihr Weltbild nur dann harmonisch, wenn alle Menschen die gleiche Einheitsjacke tragen?

Komischerweise nimmt keiner der Kirchenkritiker Anstoß an Forderungen Jesu wie der Feindesliebe oder der völlig vertrauenden Hingabe an den Willen des Vaters bis hinein in den Tod. Können sie denn wirklich sagen: »Meister – sofern sie Jesus ihren Meister nennen – alle diese Gebote habe ich von Jugend auf befolgt«?

Bitte Vorsicht bei der Rücksichtnahme!


[Von Bastian]
Das Karussell der gesellschaftlichen Spinnereien dreht sich weiter. Der neueste Coup:
Nachdem es als unerheblich gilt, ob ich Männlein oder Weiblein bin (Gender) und woher ich wirklich stamme (Leihmütter und anonyme Samenspender), ist es neuerdings wichtig, kein Alter zu haben.
Mit seiner Entscheidung, all seinen Beamten – zumindest übergangsweise – 30 Tage Urlaub zu gewähren, zieht das Land die Konsequenzen aus dem Urteil des Bundesarbeitsgerichts. Es hatte dieselbe Urlaubsstaffelung für die angestellten Landesbediensteten, die bislang auch für die Beamten gilt, als "altersdiskriminierend" gebrandmarkt.  (LINK)
Was nur scheinbar menschlich war – die Berücksichtigung der Leistungsfähigkeit in unterschiedlichem Alter – war in Wirklichkeit eine Sauerei! Dank dieser neuen Regelung wissen wir, wie wir umzudenken haben: wahre Menschlichkeit ist, keine Rücksicht zu nehmen. Und es ist gut, dass das endlich gesetzlich festgeschrieben wird.

Weitere Beispiele:
Wer an der Kasse mit vollem Einkaufswagen einen Penner mit 2 Flaschen Bier vor lässt, diskriminiert ihn aufgrund seiner geringen finanziellen Möglichkeiten.
Wer im Straßenverkehr einem anderen Wagen die Vorfahrt lässt, sollte vorher sicherstellen, dass der andere Fahrer dasselbe Geschlecht hat. Er/Sie könnte sich sonst angemacht fühlen.
Wenn im Bus ein junger Mann den Platz für eine alte Dame frei macht, diskriminiert er gleich zweifach.

Es wird höchste Zeit, dass Schulbusse und Seniorentickets auf den Prüfstand kommen, ebenso wie „geschlechts“-spezifische Waschräume und Toiletten. Nieder mit den Unterschieden.
Unsere Fußballmannschaft (MANNschaft?) hat‘s kapiert. Nachdem sie eine ganze Weile forsch-maskulin aufspielte, besann sie sich doch noch und verwandelte in der letzten halben Stunde zum Ausgleich ihr Tor in ein feminin-warmes Nestchen für die Schweden. Na bitte – geht doch!

Montag, Oktober 15, 2012

39.045m gefallen - und jetzt?

[Von Bastian]
Felix Baumgartner hat eine sensationelle Ballonfahrt und einen ebenso sensationellen Fallschirmsprung hinter sich. Es war faszinierend, mit wunderbaren Bildern der Erde - ich habe es live verfolgt und jede Minute genossen.
Was mich aber am meisten berührt hat, war die Einblendung von Emails, die beim Sender eingingen. Eine davon lautete: "Glückwunsch, dass du deinen Traum verwirklicht hast!" Passend dazu sagte der Reporter gegen Ende des Sprungs (nach meiner Erinnerung - ähnlich war es in jedem Fall): "Baumgartner hat mit Sicherheit die aufregendsten und wichtigsten Minuten seines Lebens hinter sich!" Gibt es etwas trostloseres?

"Traum verwirklicht", "die wichtigsten Minuten hinter sich" - das klingt wie "Lebensziel erreicht" oder zumindest "den persönlichen Gipfel erklommen". Der Mann ist 43 und am Ziel? Mehr ist nicht?
Die Gesellschaft ist so drauf, dass sie Menschen bewundert, die einmal was ganz tolles gemacht haben. Sie bewundert Ehrgeiz, Wagemut und Selbstvertrauen. Kurz: sie bewundert Leistungen, die herausragen. Doch Leistung und Prestige als Sinn des Lebens? Tut mir leid, aber da habe ich mehr vor!

Das Abenteuer, das mein Leben bedeutet, stammt nicht von mir, und ich  habe es allerallerallergrößtenteils noch vor mir (denn ich beabsichtige, mit Gottes Gnade ein ewiges Leben zu führen!). Es wurde auf mich zugeschnitten von dem, der die Naturgesetze schuf, die Baumgartner für sich ausnutzte. Ich sitze an der Quelle!
5 Jahre lang hat Baumgartner sich vorbereitet - meine Vorbereitung dauert das ganze Leben. Sein Sprung war lebensgefährlich - meiner erfolgt am Ende des Lebens. Es hatte 4'19'' freien Fall - ich werde unbegrenzte Freiheit haben. Er sah die Erde von oben - ich werde Gottes Angesicht und die gesamte Schöpfung sehen. Er kam sicher unten an - ich werde sicher oben ankommen. Er hatte eine Pressekonferenz - ich werde das jüngste Gericht erleben.
DAS, liebe Gesellschaft,  ist ein Abenteuer und ein Sinn, der lohnt.


Sonntag, Oktober 14, 2012

Tröstlich!

[Von Bastian]
Brief an die Hebräer 4,12-13. Denn lebendig ist das Wort Gottes, kraftvoll und schärfer als jedes zweischneidige Schwert; es dringt durch bis zur Scheidung von Seele und Geist, von Gelenk und Mark; es richtet über die Regungen und Gedanken des Herzens; vor ihm bleibt kein Geschöpf verborgen, sondern alles liegt nackt und bloß vor den Augen dessen, dem wir Rechenschaft schulden.
Früher machten mir solche Aussagen in der Schrift Angst; heute trösten sie mich. Denn hier wird mir zugesagt, dass Gott sich von all dem Unsinn, den ich veranstalte, um vor ihm gut dazustehen, nicht beeindrucken lässt. Dass Er mich sieht, wie ich wirklich bin und dass daher Seine Liebe zu mir wirklich bedingungslos ist. So viele Gedanken, die ich mir mache, sind überflüssig. Nichts ist Ihm verborgen, Er sieht, Er richtet und ich darf in Seine Kirche. Es gibt nichts entspannenderes, als von Gott durchschaut zu werden.

Sonntag, Oktober 07, 2012

Für's Tagesevangelium wieder hochgeholt.





[ER]Ein mir namentlich bekannter Autor hat den Sitz im Leben des heutigen Evangeliums herausgefunden. Und ich freue mich sehr, das geneigte Publikum an den Früchten der mühseligen Rekonstruktionsarbeit theylhaben zu lassen. Herzlichen Dank an Anonymus!

"Von dort brach Jesus auf und kam nach Judäa und in das Gebiet jenseits des Jordan. Wieder versammelten sich viele Leute bei ihm, und er lehrte sie, wie er es gewohnt war. Da sagten seine Jünger: „Jesus, lass uns doch mal einen Dialog führen. Die Menschen möchten das. Von allen Seiten bedrängen sie uns. Dialog, Dialog – das ist es was sie wollen. Nicht immer nur zuhören.“ Und sogleich erhoben sich einige Theologen, nickten beifällig und eröffneten den Diskurs: „Darf ein Mann seine Frau aus der Ehe entlassen?“ Jesus antwortete ihnen mit einer Gegenfrage: „Was hat euch Mose vorgeschrieben?“ Die Theologen sahen sich an, lächelten fein und sprachen: „Mose hat erlaubt, eine Scheidungsurkunde auszustellen und (die Frau) aus der Ehe zu entlassen.“ Jesus entgegnete ihnen: „Nur weil ihr so hartherzig seid, hat er euch dieses Gebot gegeben. Am Anfang der Schöpfung aber hat Gott sie als Mann und Frau geschaffen. Darum wird der Mann Vater und Mutter verlassen, und die zwei werden ein Fleisch sein. Sie sind also nicht mehr zwei, sondern eins. Was aber Gott verbunden hat, das darf der Mensch nicht trennen.“ Da wurden die Theologen zornig und verfassten an Ort und Stelle ein Memorandum: „Die Kirche ist kein Selbstzweck. Sie hat den Auftrag, den befreienden und liebenden Gott Jesu Christi allen Menschen zu verkünden. Das kann sie nur, wenn sie selbst ein Ort und eine glaubwürdige Zeugin der Freiheitsbotschaft des Evangeliums ist.“ Da trat ein kleines Grüpplein hervor, schwenkte eine Petition in Richtung der Jünger und entgegneten den Professoren: „Aber die Freiheitsbotschaft des Evangeliums ist doch das, was Jesus gerade gesagt hat, oder?“ Die Professoren schmunzelten über diesen kindischen Einwurf, warfen sich beredte Blicke zu und antworteten wie aus einem Munde: „Der Respekt vor dem individuellen Gewissen bedeutet, Vertrauen in die Entscheidungs- und Verantwortungsfähigkeit der Menschen zu setzen. Diese Fähigkeit zu unterstützen, ist auch Aufgabe der Kirche; sie darf aber nicht in Bevormundung umschlagen. Damit ernst zu machen, betrifft besonders den Bereich persönlicher Lebensentscheidungen und individueller Lebensformen. Die kirchliche Hochschätzung der Ehe und der ehelosen Lebensform steht außer Frage. Aber sie gebietet nicht, Menschen auszuschließen, die Liebe, Treue und gegenseitige Sorge in einer gleichgeschlechtlichen Partnerschaft oder als wiederverheiratete Geschiedene verantwortlich leben.“ Auch die Jünger Jesu waren nun sehr verunsichert. Wer hatte nun recht? Deshalb befragten die Jünger Jesus noch einmal darüber: „Also was sollen wir den Leuten denn jetzt sagen? Was ist denn jetzt deine Freiheitsbotschaft in dieser Frage? Nur damit wir es den Leuten nicht falsch erklären?“ Jesus sagte: „Wer seine Frau aus der Ehe entlässt und eine andere heiratet, begeht ihr gegenüber Ehebruch. Auch eine Frau begeht Ehebruch, wenn sie ihren Mann aus der Ehe entlässt und einen anderen heiratet.“ Und er stand auf und ging. Die Theologen aber riefen ihm nach: „Selbstgerechter moralischer Rigorismus steht der Kirche nicht gut an! Die Kirche kann nicht Versöhnung mit Gott predigen, ohne selbst in ihrem eigenen Handeln die Voraussetzung zur Versöhnung mit denen zu schaffen, an denen sie schuldig geworden ist!“ Jesus aber war schon auf dem Weg nach Jerusalem."

Freitag, Oktober 05, 2012

Piusbruderschaft – wie darauf reagieren?


[Von Bastian]
Dass es mit den Piusbrüdern und uns erst einmal nichts wird, hatte ich befürchtet. Mir tut das sehr leid – um ehrlich zu sein am meisten für Papst Benedikt, danach erst für die Piusbrüder selbst. Es wäre eine tolle Sache gewesen.
Worüber ich mir aber fast noch mehr Gedanken mache, sind die Reaktionen auf das Ende der Gespräche, meine eigenen und die, die ich im Internet lese
Natürlich ist man selbst emotional an einem solchen Prozess beteiligt. Natürlich macht sich diese Emotion Luft, wenn das Ergebnis feststeht, in Form von „Endlich!“ oder „Oh nein!“. Und natürlich muss man selbst erst einmal ein eigenes Verhältnis zu den neuen Tatsachen finden.
Mir ist dabei wichtig, dass ich Mitglied der Römisch-Katholischen Kirche bin, und das aus Überzeugung. Meine Kirche gibt es nur in Einheit mit Rom. Das ist eine Herausforderung, denn der ganze Einigungsversuch lief so ab, dass es durchaus zu Konflikten in mir selbst kommen konnte: ich hätte vieles anders gemacht und anders reagiert und überhaupt! Das ist erst einmal legitim, doch irgendwann muss ich wieder ruhig werden und mein Vertrauen auf Gott über die eigenen Bedenken stellen. Das ist immer wieder auch ein Willensakt – leichter ist das Verharren in der eigenen emotionalen Position.

Wenn ich als Ergebnis festhalte, dass Rom nun endlich das getan hat, was ich ohnehin bereits wusste, bin ich auf derselben Schiene wie die Piusbruderschaft: ich ordne Rom meiner Meinung und Interpretation unter. Rom hat mir zu folgen und war hier folgsam, wenn auch etwas langsam. Wenn ich mich daran festhalte, Rom habe einen großen Fehler gemacht, und auf bessere Zeiten warte, habe ich genau die Position der Piusbruderschaft, die sich als nicht einigungsfähig herausgestellt hat: ich folge dir, wenn du hingehst, wo ich hin will. Ich kann nicht jemandem folgen, auf den ich gerade warte.

Die Falle, die sich hier gleichermaßen in Richtung der Freunde und der Gegner der Bruderschaft auftut, ist die Versuchung, selbst zu bestimmen, was katholisch ist, und im Namen des Katholizismus zum Kirchengegner zu werden.

Warum aber soll ich keine eigene Meinung haben? Es kann doch nicht sein, dass ich die beim Kircheneintritt an der Garderobe abgeben muss, wenn ich mich katholisch nennen will. Tut der Autor dieser Zeilen nicht gerade genau dasselbe: bestimmen, was katholisch ist? Die Frage ist essentiell, denn Katholizismus kann und darf keine Bevormundung sein.
Dieser Einwand ist immer berechtigt, wenn es um politische – auch kirchenpolitische – Fragen geht. Das hat etwas mit der Einschätzung einer Situation zu tun, mit Taktik und Kalkül. Das aber stand hier nicht zur Debatte. Hier ging es um eine Frage der Wahrheit: lässt sich die Piusbruderschaft von ihrem Glauben her in die katholische Kirche einordnen? In Fragen dieser Art entscheidet die Kirche.

Der Blick darauf, dass es hier um eine Glaubensfrage geht und nicht um Politik, wurde oft verstellt. Immer wieder wurden in den Diskussionen taktische und politische Aspekte angeführt. Diese Aspekte gibt es, nur dass sie hier mögliche Folgen der Entscheidung waren, nicht aber mögliche Gründe dafür. Der Glaube ordnet sich keinen taktischen Überlegungen unter. Erzbischof Müller sagt: „Wir können den katholischen Glauben nicht den Verhandlungen preisgeben. Da gibt es keine Kompromisse.“ Mit dem Ausspruch macht er nicht klar, dass die Kirche endlich einmal ihre Identität bewahren will. Er setzt auch kein Zeichen, dass die Kirche weniger „rechts“ ist, als viele meinen. Es geht nicht um die Außenwirkung, sondern um viel mehr: um die Wahrheit. Uns so sehr ich bereit bin, bei der Außenwirkung mitzureden, bin ich auch bereit, in Wahrheitsfragen Rom zu folgen. Genau darum bin ich schließlich in der Kirche: weil ich in ihr Gott finde und mich durch sie von Ihm leiten lasse. Die Person von Erzbischof Müller spielt da gar keine Rolle.

Das Ergebnis ist kein Sieg für irgendjemanden und auch kein Verlust. Es ist das Feststellen einer Tatsache. Um diese Tatsache selbst wird es ohne neue Aspekte nicht mehr gehen, doch auf dieser Basis wird es weiter gehen. Ich denke, die Botschaft der Kirche an uns ist diese: Kopf frei von Enttäuschung und Genugtuung und Ring frei für die nächste Runde von Gesprächen und Gebeten.

Donnerstag, Oktober 04, 2012

Was sagt das über unsere Presse?

[Von Bastian]
Focus online berichtet über das TV-Duell zwischen Obama und Romney. Und zwar gleich zweimal. In dem Moment, in dem dieser Beitrag entsteht, ist das Duell die erste Schlagzeile, die zu diesem Artikel führt und Obama ein Desaster zuspricht. Zugleich ist es der erste Hinweis auf einen Filmbericht, der hierher führt, und komischerweise unter dem Titel "Hier punktet Romney gegen Obama" von einem Sieg Obamas spricht.
Wie der Titel der Zeitung schon impliziert: es hängt wohl sehr davon ab, was man gerade fokussiert. Oder anders gesagt: man sieht, was man sehen will.

Montag, Oktober 01, 2012

Esser wie Messer

Günter Wallraff (»Der Mann, der bei BILD ›Hans Esser‹ war«) wird siebzig. Damit er sich nicht angegriffen fühlt, gratuliere ich schon mal vorsichts- und überzeugungshalber. Er hat sich schließlich nicht nur Freunde geschaffen. Ich erinnere mich noch daran, daß ich seine Reportage »Ganz unten« atemlos gelesen und viel davon profitiert habe.

Zum Geburtstag tat er jedoch seinen Glauben kund, daß man sich zur Verteidigung der Freiheit gleich über alle Religionen lustig machen sollte. Der aktuelle Hintergrund ist natürlich der Streit um Schmähvideos und die Reaktionen in der islamischen Welt. Mit Beruhigung schließe ich daraus, daß er sich nicht in eine Moschee einschleichen wird – wie er es zum Beispiel als vorgeblich beichtwilliger »Ali« gemacht hat, um überforderte katholische Priester vorzuführen. Also keine Gefahr für Leib und Leben für »Ali«.

Stattdessen also allgemeiner Spottprotest gegen alle Religionen. Das ist aber in etwa so sinnvoll, wie zum Ladendiebstahl in Deutschland aufzurufen, um damit Protest gegen empfindliche Körperstrafen für ertappte Diebe in anderen Regionen der Erde einzulegen. Oder das zu tun, was die Friedensbewegung einst als »fucking for virginity« bezeichnete.

Wallraff und andere übersehen, daß Freiheit nicht darin besteht, willkürlich gegen diejenigen zu pöbeln, deren Nase mir zu Recht oder Unrecht nicht gefällt. Freiheit bedeutet, mich zu dem entscheiden zu können, was ich tun soll.

Wäre es anders – und ignoranter Spott ein Ausweis der Freiheit: Das bedeutete die Rechtfertigung des Soldatenstiefels, der den Leuchter zertritt.